Wird es bald ein Date zwischen Toni und BW_LL014w geben? Bitte, was? Wer ist Toni und vor allem: wer ist BW_LL014w? Bei beiden handelt es sich um Luchse. Toni, der auch unter dem Kürzel B3001 bekannt ist, streift seit einigen Jahren durch den Schwarzwald.

Auf viele Artgenossen konnte Toni in der Region bisher nicht treffen. Nur auf Friedl, Tello, Wilhelm oder Lias. Und was haben sie gemeinsam: Es sind alles Männchen. Doch jetzt gibt eine Dame in der Region: BW_LL014w.

Seit 15. Mai im Kreis Konstanz

„Nachdem in den letzten Jahren ausschließlich männliche Luchse nach Baden-Württemberg eingewandert sind, freut es mich, dass wir nun einen weiblichen Luchs im Land begrüßen können“, wird Peter Hauk, Baden-Württembergs Minister für Ernährung und ländlichen Raum, in einer Pressemitteilung zitiert. Die Luchsin, die bisher noch keine griffigen Namen bekommen hat, konnte am 15. Mai im Kreis Konstanz nachgewiesen werden. Wahrscheinlich sei sie – wie die meisten Luchse in der Region – aus der Schweiz eingewandert. Dort gab in den 1990er-Jahren Auswilderungsprogramme.

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Gesehen hat das Weibchen noch niemand. Es existiert kein Foto von ihr, aber ein genetischer Nachweis. „Das genetische Material wurde an einem von dem Luchs erbeuteten Reh sichergestellt“, schreibt Tatjana Brenner, von der Pressestelle der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) auf SÜDKURIER-Nachfrage. Sie zitiert die Antwortet der Experten des FVA-Wildtierinstituts. Dieser Nachweis belegt laut der Mitteilung eindeutig, dass sich die Luchsin im Grenzbereich zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz aufhält. Unklar sei, ob sich das Tier nur auf Stippvisite im Kreis Konstanz befinde oder sich hier langfristig niederlasse.

Experten intensivieren Monitoring

Bei Luchsen gebe es im Ausbreitungsverhalten einen großen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männchen seien deutlich wanderfreudiger und überwänden dabei auch kleinere Barrieren. Die Weibchen ließen sich dagegen meistens in direkter Nachbarschaft zu bestehenden Luchsvorkommen nieder.

„Durch ein intensiviertes Monitoring im entsprechenden Gebiet soll in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft, den Wildtierbeauftragten und den Schweizer Kollegen mehr über das räumliche Verhalten des Luchses BW_LL014w herausgefunden werden“, heißt es aus dem FVA-Wildtierinstitut.

Neuer Luchs auf der Höri

Immer öfter streifen Luchse durch die Region. Erst im Januar und November vergangenen Jahres wurde ein neuer Luchs am Schiener Berger und in Bankholzen auf der Höri gesichtet. Dass es sich um die gleiche Raubkatze handele, dabei ist man sich ziemlich sicher. Von ihm gebe es nämlich Fotobeweise, auf denen die Fellzeichnung gut zu erkennen sei.

Nach Recherche der FVA stamme das Luchsmännchen aus der Schweiz und wurde dort erstmals im August 2019 bei Winterthur nachgewiesen. Es soll ein recht junger Luchs sein, der die Bezeichnung B723 trägt. Da das Tier mehrere Male im Landkreis Konstanz gesichtet wurde, gehen Experten davon aus, dass es hier sein Revier hat. Nun verfolge man das Ziel, die Raubkatze mit einen Peilsender auszustatten. Dazu müsse man sie aber erst einmal fangen.

Totes Tier im Schwarzwald

Dagegen gibt es von Friedl und Tello leider seit 2017 keine Nachweise mehr, so das Ministerium. Was mit den Tieren passiert ist, bleibt unklar. Immer mal wieder werden die geschützten Wildkaten geschossen. Zuletzt wurde Ende Mai bei Menzenschwand im Schwarzwald ein toter männlicher Luchs gefunden. Das Tier sei höchst wahrscheinlich durch einen Streifschuss tödlich verwundet worden. Allerdings könnte die Verletzung auch von einem Zusammenstoß mit einem Fahrzeug stammen.

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Einen richtigen Namen bekommen die Wildtiere übrigens erst, wenn sie besendert wurden. Und solange BW_LL014w nicht in eine Lebendfalle tappt, wird es bei der Bezeichnung bleiben. Aber Toni oder B723 wäre das bei einem Date bestimmt egal.