Alexander Horak steht auf Steg 1 des Deutsch-Schweizerischen Motorboot-Clubs (DSMC) Konstanz und packt seinen grauen Rucksack aus. Zum Vorschein kommen ein zehn Kilogramm schwerer Akku und ein kleiner Motor. „Das ist der Elektromotor für mein Segelboot“, sagt Horak.

Die Leistung beträgt nur 1,2 Kilowatt. „Er hat ungefähr die Effizienz eines 3-PS-Motors“, sagt der Segler. „Das ist nicht viel, aber es reicht, um aus dem Hafen zu fahren.“ Denn beim DSMC-Hafen gilt aufgrund der Nähe zur Kursschifffahrt: Nur mit Motor aus dem Hafen raus und wieder rein, um Kollisionen zu vermeiden.

Ausnahme unter den Seglern

Mit seinem Elektromotor ist Alexander Horak noch die Ausnahme unter den Clubmitgliedern. DSMC-Präsident Jürgen Faden sagt: „Ein paar unserer Segler haben zwar schon Elektromotoren, aber bei den Motorbooten sind es nur eins oder zwei mit E-Antrieb, denn für 200 bis 400 PS gibt es noch keine alternative Technik.“

Gleichzeitig betont er: „Es geht uns nicht darum, über den See zu heizen oder möglichst große Wellen zu machen. Auch wir genießen den See und wollen nicht rasen.“ Dennoch ist dem Club-Präsidenten bewusst, dass umweltfreundlicher Antrieb die Zukunft ist: „Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema und sehen, dass wir handeln müssen. Doch dabei sind wir auf die Hilfe von Experten angewiesen, denn wir wissen einiges gar nicht: Strom oder Wasserstoffzelle? Was kostet das? Und vor allem: Wie bekommen wir die nötige Infrastruktur hin?“

Keine öffentliche Schnellladesäule

Damit trifft Jürgen Faden den Nagel auf den Kopf. Denn die baden-württembergischen Bodenseehäfen sind zwar durchgehend mit einer 230-Volt-Versorgung der Liegeplätze ausgestattet. Doch laut der Schifffahrtsämter gibt es am ganzen Bodensee keine öffentliche Schnellladesäule.

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Das stößt dem SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Peter Storz aus Singen sauer auf. Er wünscht, dass die Landesregierung Tempo macht in Sachen klimaneutrale Schifffahrt auf dem Bodensee, und schrieb deshalb an das Landesverkehrsministerium. Darin erbat er sich unter anderem Auskunft über Statistiken und dazu, wie Minister Winfried Hermann bei diesem Thema weiter vorzugehen gedenke.

Nur 749 E-Boote in fünf Jahren

Aus der Antwort des Verkehrsministers ist ersichtlich, dass es noch nicht wirklich vorangeht mit der Verkehrswende auf dem Wasser: Über 1000 Boote mit Verbrennungsmotor wurden in den vergangenen fünf Jahren neu auf dem Bodensee zugelassen. Während es 2016 noch 20.314 Vergnügungsboote mit Benzinmotor im Bodenseekreis und dem Kreis Konstanz gab, stieg diese Zahl im Jahr 2020 auf 21.412. Zum Vergleich: Auf dem gesamten Bodensee wurden in selben Zeitraum nur 749 Motor- und Segelboote mit Elektroantrieb zugelassen (inklusive Österreich und Schweiz). Im vergangenen Jahr gab es auf dem Bodensee 1964 elektrisch betriebene Boote.

„Landesregierung tut nichts dafür“

Hans-Peter Storz ist enttäuscht: „Verkehrsminister Winfried Hermann verspricht uns eine klimaneutrale Schifffahrt auf dem See, doch die Landesregierung tut nichts dafür. Einen Fahrplan gibt es nicht“, schreibt er in einer Pressemitteilung. Im kommenden Jahr werde der Verkehrsausschuss des Landtags das Thema beraten, kündigt Storz an. Denn: „Es reicht nicht, klimaneutrale Schiffe zu fordern und zu versprechen; eine Regierung kann und muss handeln“, kritisiert der Abgeordnete.

Für ihn steht und fällt der Erfolg mit der Lade-Infrastruktur. Nur dann gebe es ausreichend Anreize zum Umstieg. Zwar werden Ladestationen für gewerblich genutzte Schiffe, also Fähren oder Ausflugsschiffe, durch ein Förderprogramm von Bund und Land finanziert. Doch bei Privatbooten sieht es anders aus. Das Landes-Verkehrsministerium schreibt dazu: „Eine Förderung der Ladeinfrastruktur für private motorisierte Vergnügungsfahrzeuge ist derzeit nicht geplant.“

Diese Schiffe sollen künftig mit Strom fahren

Ist denn die Landesregierung zumindest bereit, auf dem Bodensee künftig nur noch Boote ohne Verbrennungsmotor zuzulassen? Hier verweist Winfried Hermann darauf, dass Schifffahrts-Regeln für den Bodensee nur gemeinsam mit Österreich und der Schweiz getroffen werden können. Er formuliert vage: „Die Landesregierung Baden-Württemberg verfolgt das Ziel, dass die Schifffahrt auf dem Bodensee perspektivisch klimaneutral wird und wird in diesem Zusammenhang die Anrainerstaaten und das Land Bayern eng in den weiteren Prozess einbinden.“

Alexander Horak jedenfalls ist überzeugt von seinem E-Motor: „Ich kann ihn zu Hause laden und habe dabei auch noch ein besseres Gefühl als bei einem Verbrennungsmotor. Denn mein Segelboot ist zu klein, um damit an eine Tankstelle zu fahren. Beim Hantieren mit einem Benzinkanister am Steg hatte ich ein schlechtes Gewissen, es sollte ja nichts ins Wasser gelangen.“