Normalerweise würde er sich zum jetzigen Zeitpunkt an der Waffe ausbilden lassen oder einen Trainingslauf im Gelände absolvieren. Körperlich anstrengende Tätigkeiten, die dem Soldaten Philip Eidelmann in seinem Hauptberuf auch mal das Leben retten können.

Schnelltest wird zur wichtigen Schutzmaßnahme

In den vergangenen Wochen rettete Philip Eidelmann unter Umständen anderen Menschen das Leben, und das durch eine einfache Tätigkeit: Jeden Tag machte er bei Mitarbeitern, Besuchern und externen Therapeuten Abstriche für einen Corona-Schnelltest und kümmerte sich mit darum, dass das Pflegeheim Haus am Salzberg coronafrei bleibt.

Haus am Salzberg noch coronafrei

Bisher hat es im Pflegeheim keine Covid-19-Infektion gegeben, und Heimleiterin Anne Gibson möchte, dass es so bleibt. Umso glücklicher war sie, als sie übers Landratsamt Konstanz vom Angebot der Bundeswehr hörte: Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade in Donaueschingen stünden bereit, um bei den Corona-Schnelltests zu helfen.

Bundeswehsoldat lernt Testtechnik

Drei Wochen lang stand Philip Eidelmann also in den Nachmittagsstunden bereit, um bei den jeweiligen zu Testenden mit einem langen Röhrchen einen Nasenabstrich zu gewinnen. Schwierig sei es nicht gewesen, die Testtechnik zu lernen, sagt der Soldat. Eingewiesen wurde er von Corona-Arzt Benjamin Barthel. Eidelmann kann auf Vorerfahrung zurückgreifen: Er hat beim Bund eine Sanitätsausbildung absolviert.

Die Mitarbeiter des Pflegeheims werden regelmäßig getestet: Philip Eidelmann macht einen Abstrich bei FSJ-lerin May-Sonia Sinaga
Die Mitarbeiter des Pflegeheims werden regelmäßig getestet: Philip Eidelmann macht einen Abstrich bei FSJ-lerin May-Sonia Sinaga | Bild: Wagner, Claudia

Von Mali nach Konstanz

Dennoch: Der Einsatz im Pflegeheim scheint ein paar Welten entfernt von jenen Einsätzen, die der Soldat, der seit drei Jahren seinen Dienst absolviert, normalerweise zu leisten hat. Erst vor etwa einem halben Jahr war Eidelmann bei der UN-Friedensmission in Mali eingesetzt, die dort vor Ort ist, unter anderem, um die Bevölkerung vor Terror zu schützen. „Wir waren als Infanteristen zum Objektschutz dort und hatten die Aufgabe, das Lager und die dort lebenden Personen zu schützen“, erläutert er. Den Auslandseinsatz bezeichnet er als völlig neue Erfahrung, die er als sehr lehrreich empfunden habe.

Nun also Wattestäbchen statt Dienst an der Waffe. Zuweilen reagierten die Personen, die getestet würden, erstaunt, wenn plötzlich ein Bundeswehrsoldat vor ihnen stehe anstelle einer Pflegekraft, berichtet er. Nach der ersten Verwunderung aber seien alle sehr freundlich und erfreut, dass die Armee nun auch im eigenen Land im Kampf gegen einen kniffligen Feind aushelfe.

Jeder Test wird mit dem Namen des Getesteten beschriftet – damit es nicht zu Verwechslungen kommt.
Jeder Test wird mit dem Namen des Getesteten beschriftet – damit es nicht zu Verwechslungen kommt. | Bild: Wagner, Claudia

Philip Eidelmann hat es mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, die auf das Coronavirus getestet werden: Besucher, die einen Angehörigen im Pflegeheim treffen möchten. Dreimal pro Woche werden routinemäßig die Mitarbeiter getestet. Für sie ist der Test Routine. Auch alle externen Therapeuten, Ärzte und Physiotherapeuten dürfen das Heim erst nach einem negativen Test betreten.

Bundeswehr sorgt für Ersatz

Heimleiterin Anne Gibson ist froh um die Unterstützung durch Philip Eidelmann. Zuvor habe sie zwei Pflegefachkräfte für die Testungen im Haus eingeteilt, sie hätten im Regelbetrieb aber sehr gefehlt. Neben Eidelmann ist eine Minijobberin zum Testen eingestellt. Nach Beendigung des Einsatzes von Eidelmann ist nun ein weiterer Soldat eingetroffen, die Bundeswehr sagte Unterstützung für weitere drei Wochen zu.

Die Röhrchen und das Testmaterial
Die Röhrchen und das Testmaterial | Bild: Wagner, Claudia

Anne Gibson hat von allen Seiten positive Rückmeldungen zum Einsatz ihres Soldaten bekommen. Selbstverständlich ist das nicht. Ein Abstrich zu machen, kann für den Getesteten unangenehm sein, Feingefühl muss der Abstrichnehmer also mitbringen. „Es ist mühsam, alle Corona-Schutzmaßnahmen umzusetzen“, sagt Gibson. Es gleiche einem kleinen Wunder, dass es im Haus bisher keine Infektionen gebe.

In diesen Bereichen hilft die Bundeswehr

Ob Eidelmann erneut in einem Covid-19-Hilfseinsatz tätig sein wird, weiß er nicht. In mehreren Bereichen wird die Bundeswehr bei der Covid-19-Bekämfung eingesetzt, wie eine Nachfrage bei der Pressestelle der Bundeswehr ergibt: Bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen in den Gesundheitsämtern, bei Schnelltests, in den Impfzentren sowie in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Tätig werde die Bundeswehr auf Antrag, wie Pia Schöpf, Sprecherin der Bundeswehr beim Landeskommando Baden-Württemberg, schreibt.