Wie eine Wand sehe die Kurve der Sieben-Tages-Inzidenzen im Landkreis Konstanz aus, erklärt Landrat Zeno Danner bei der Corona-Konferenz am Dienstag. „Unsere Zahlen schießen durch die Decke“, sagt er.

Die Worte des Landrats kommen nicht von ungefähr, sondern spiegeln die Infiziertenzahlen des Januars wieder. Denn im ersten Monat des noch frischen Jahres 2022 ist die Sieben-Tages-Inzidenz des Landkreises Konstanz ziemlich rasant nach oben gestiegen (siehe Grafik).

Bild: Schönlein, Ute

Innerhalb von dreieinhalb Wochen ist die Inzidenz von 261,1 (Stand: 1. Januar) auf 890,3 (Stand: 25. Januar) gestiegen. Grund dafür sei die Omikron-Variante, die deutlich ansteckender sei als die Delta-Mutation.

Wo sind die Zahlen am höchsten?

Laut Landratsamt Konstanz gibt es im Landkreis gerade 4079 Infizierte (Stand: 26. Januar). Innerhalb eines Tages, vom 25. auf den 26. Januar, sind 784 Neu-Infizierte dazugekommen. Die meisten Erkrankten haben ihren Wohnsitz in Konstanz. Die Stadt ist damit Spitzenreiter bei den Erkranken. Laut Angaben des Landratsamtes gelten dort allein 1572 Personen als infiziert.

Für 331 Konstanzer kam am Dienstag damit die Diagnose: Corona positiv. Über die Hälfte weniger Erkrankte hat Singen vorzuweisen. Dort sind 655 Personen erkrankt. Die wenigsten Erkrankten gibt es in der Exklave Büsingen. Dort sind nur 16 Corona-Fälle gemeldet – allerdings bei nur 1519 Einwohnern. Damit hat der kleine Ort eine beachtliche Inzidenz pro 100.000 Einwohnern: Sie liegt bei 9596. Aber auch in den anderen Gemeinden und Städten des Landkreises Konstanz steigen die Corona-Zahlen (siehe Infokasten). Die einzige Ausnahme ist Öhningen.

Wie war die Lage vor einem Jahr?

Ein Vergleich zur Inzidenz vor einem Jahr zeigt, welche Auswirkungen die Omikron-Variante hat: Vor einem Jahr war die Alpha-Variante, zuvor bekannt als die britische Variante, vorherrschend. Auch diese erwies sich als ansteckender als der Urtypus. Über Weihnachten 2020 und den Jahresbeginn stiegen auch 2021 die Infiziertenzahlen an. Die Inzidenz lag am 1. Januar aber gerade mal bei 95,7, am 26. Januar bei 60,4.

Wie viele Infizierte sind im Krankenhaus?

Auch die Zahlen bei den Hospitalisierungen, also den Patienten, die wegen Corona im Krankenhaus zu Behandlungen sind, steigen langsam wieder an. 20 Personen befinden sich laut einer Grafik des Gesundheitsamtes Konstanz in den Kliniken des Gesundheitsverbundes (Stand: 25. Januar).

Deutlich mehr waren es zu Beginn des Januars: Damals mussten 39 Erkrankte im Krankenhaus behandelt werden. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr 2021 ist die Zahl der Patienten aber deutlich geringer. Den absoluten Erkrankten-Höchststand verzeichnete der GLKN am 7. Januar 2021. 71 Personen lagen wegen einer Covid-19-Erkrankung in den Häusern des GLKN. Zu bedenken ist allerdings, dass Anfang 2021 nur wenige Einwohner des Landkreises geimpft waren. Die ersten Impfungen fanden in Senioren- und Pflegeheimen am 31. Dezember 2020 statt.

Wie ist die Impfquote im Kreis?

Die Quote der vollständig Immunisierten im Kreis Konstanz liegt laut dem Landesgesundheitsamt in Stuttgart aktuell bei 69,3 Prozent (Stand: 23. Januar). In absoluten Zahlen heißt das: 198.895 Einwohner haben sich mindestens zwei Mal impfen lassen, bei den Erstimpfungen sind es 201.379 Einwohner. 138.497 Personen (48,3 Prozent) haben sich mittlerweile eine Auffrischungsimpfung abgeholt.

Leider, so Landrat Danner in der Corona-Konferenz, nehme das Impfinteresse wieder ab. Im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen Bodenseekreis und Schwarzwald-Baar-Kreis schneidet der Kreis Konstanz etwas schlechter ab. Im Bodenseekreis liegt die Quote der zweifach Geimpften bei 71,7 Prozent, im Schwarzwald-Baar-Kreis bei 69,5 Prozent. Die Landkreise Tuttlingen und Sigmaringen liegen dagegen unter der Impfquote des Landkreises Konstanz. Dort sind nur 66,3 Prozent und 65,8 Prozent doppelt geimpft.

Wie sind die Zahlen im ganzen Ländle?

Die Impfquote der vollständig Geimpften in Baden-Württemberg liegt bei 69,3 Prozent (7.786.988 Einwohner). 45,2 Prozent der Baden-Württemberger haben sich boostern lassen. Damit liegt der Landkreis Konstanz bei den vollständig Geimpften also genau im Landesschnitt, bei der Auffrischungsimpfungen sogar leicht über dem Landesschnitt. Bei der Sieben-Tages-Inzidenz schneidet das Land allerdings leicht besser ab – diese liegt bei 869,6, im Gegensatz zu 890,3 im Kreis Konstanz. Die höchste Sieben-Tages-Inzidenz in Baden-Württemberg hat der Kreis Lörrach mit 1.221,8.

Wie ist die Situation in der Schweiz?

Dramatisch stellt sich die Lage im Kanton Thurgau dar. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 2314. 2812 Personen sind aktuell positiv auf Corona getestet und befinden sich in Isolation oder Quarantäne, wie aus dem Covid-19-Wochenbericht des Kantons hervorgeht (Stand: 24. Januar).

Die höchste Zahl an Infizierten hat die Stadt Frauenfeld mit 1236, gefolgt von Kreuzlingen mit 810. Die Auslastung der Intensivstationen liege aktuell bei 72 Prozent, wobei diese zu 28 Prozent durch Covid-19-Patienten belegt seien. Auf den Intensivstationen werden im Moment elf Personen behandelt.

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Angesichts der rasch steigenden Zahlen hat auch die Schweizer Bundesregierung eine Reihe von Schutzmaßnahmen beschlossen. So gilt für öffentliche Veranstaltungen und Restaurantbesuche die 2G-Regel (2G plus nur freiwillig), die Homeoffice-Pflicht wurde wieder eingeführt und private Treffen sind auf zehn Personen begrenzt, wenn eine ungeimpfte Person dabei ist. Größere Veranstaltungen bleiben aber erlaubt, auch Discos und Bars bleiben geöffnet.

Der Anteil an Thurgauern, die doppelt geimpft sind, ist niedriger als im Kreis Konstanz, er liegt bei 62 Prozent, wobei er im Verhältnis zur Bevölkerung ab fünf Jahren angegeben ist. 37 Prozent der Thurgauer sind zudem geboostert.