Schließungen von Restaurants und Geschäften im Lockdown hinterlassen derzeit bekanntlich ihre Spuren. Doch auch schon vor Corona sah die wirtschaftliche Lage im Kreis Konstanz nicht besonders rosig aus. Dies lässt sich aus den Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg herauslesen.

So gab es von 1. Januar bis 31. Dezember 2019 zwar im Land Baden-Württemberg 126 Insolvenzen weniger als im Vorjahr 2018, doch im Kreis Konstanz stieg die Zahl der Firmenpleiten in demselben Zeitraum von 44 (2018) auf 61 (2019) – also um knapp 40 Prozent. Insgesamt ging es dabei um rund 38 Millionen Euro, die Gläubiger von den insolventen Unternehmen forderten. Im Jahr 2018 belief sich diese Summe auf „nur“ 17 Millionen Euro.

Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste im Landkreis 2014-2019
Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste im Landkreis 2014-2019 | Bild: Kerstan, Stefanie

Laut „Zeitungsdienst Südwest“ wurden 2019 bei 20 der betroffenen Unternehmen im Kreis Konstanz die Insolvenzverfahren „mangels Masse“ gleich wieder eingestellt. Das heißt, es war nicht mehr genug Geld vorhanden, um die voraussichtlichen Kosten des Verfahrens zu bezahlen. Bei den restlichen 41 pleite gegangenen Unternehmen kam es zur geordneten Insolvenz. 2019 waren im Kreis Konstanz 227 Arbeitsplätze von Insolvenzverfahren betroffen, 106 mehr als im Jahr zuvor.

Für die Handwerkskammer Konstanz ist nicht nachvollziehbar, wo die erhöhten Zahlen für 2019 herkommen. So sagt Sprecherin Petra Schlitt-Kuhnt: „Für jenes Jahr haben wir keine Kenntnisse über vermehrte Insolvenzen im Handwerksbereich. Die Zahl der Unternehmen im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz ist vielmehr stetig angestiegen – sogar im Corona-Jahr 2020 von 12 341 am 1. Januar 2020 auf aktuell 12 531.“ In der Regel habe es in den vergangenen Jahren je zwei bis drei Insolvenzberatungen gegeben. „Diese Zahl bleibt recht konstant“, so Schlitt-Kuhnt.

2019 gab es vor allem Insolvenzen im Dienstleistungsbereich, weniger im produzierenden Gewerbe

Wenn die Handwerker nicht pleite gingen – waren dann besonders Handel und Industrie betroffen? Eine Nachfrage bei der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee ergab zwar eine Bestätigung, aber keine Erklärung. IHK-Sprecherin Heike Wagner sagt: „2019 gab es vor allem Insolvenzen im Dienstleistungsbereich, weniger im produzierenden Gewerbe. Warum es im Kreis Konstanz mehr waren als im Land, können wir nicht sagen.“ Auf Nachfrage bei den beiden Kammern wollte sich niemand, der seinen Betrieb aufgeben musste, selbst zu den Gründen äußern.

Spannend wird vor allem die Statistik des gerade abgelaufenen Jahres, die noch nicht vorliegt. „Natürlich gab es 2020 einige Geschäftsaufgaben, aber wir können noch nicht von einer Insolvenzwelle sprechen“, sagt Heike Wagner. Allerdings wurde für 2020 die Verpflichtung, Insolvenz anzumelden, aufgehoben. Daher fällt auch Petra Schlitt-Kuhnt eine Einschätzung schwer: „Die Situation ist in den unterschiedlichen Gewerken recht heterogen“, sagt sie.

Zwar dürfen Bäckereien und Metzgereien auch im Lockdown geöffnet bleiben, doch brechen Einnahmequellen weg

Von den Auswirkungen des Lockdowns waren und seien immer noch besonders die persönlichen Dienstleister wie Friseure und Kosmetikstudios betroffen, außerdem Lebensmittelhandwerker wie Bäcker oder Metzger. Dies sei an der Zahl der beantragten staatlichen Hilfen abzulesen. Zwar dürfen Bäckereien und Metzgereien auch im Lockdown geöffnet bleiben, doch brechen Einnahmequellen weg, wenn Bäcker beispielsweise vor Corona Kantinen belieferten, ein Café betrieben oder Verkaufsstellen in Bahnhöfen und Flughäfen hatten.