Es ist eine kleine Sensation: Innerhalb von zwei Stunden sollen Patienten Gewissheit haben. Nur zwei Stunden, statt wie bisher vier Stunden, dauert der neu entwickelte Corona-Schnelltest der Universität Konstanz. „Aus klinischer Sicht ist die Geschwindigkeit, in der eine Covid-19-Infektion nachgewiesen wird, von hoher Bedeutung. Je schneller uns das Laborergebnis vorliegt, desto effizienter lässt sich die aufwendige Behandlung organisieren“, sagt Marcus Schuchmann, Ärztlicher Direktor am Klinikum Konstanz.

Der Schnelltest ist das Ergebnis einer Forschungskooperation der Universität, des Klinikums Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPols Biotec. Bisher beruhte der klassische Corona-Test auf einem PCR-Test (Polymerase-Ketten-Reaktion).

Enzym ist der Schlüssel zum neuen Test

Dabei wird das Erbgut des Erregers vervielfältigt und sichtbar gemacht. Vor der Vervielfältigung muss jedoch die RNA des Virus gereinigt, manuell isoliert und dann in DNA umgewandelt werden. Die Patientenproben sind dadurch auch fehleranfällig. Außerdem sind bei dem PCR-Verfahren viele Reagenzien (chemische Stoffe) nötig, bei denen es aufgrund der Vielzahl der weltweiten Tests, immer mal wieder zu Lieferengpässen kommt.

Bei der neuen Methode, welche die Konstanzer Wissenschaftler entwickelt haben, wird ein Enzym, eine sogenannte DNA-Polymerase, zu Hilfe genommen. Das Enzym übernimmt nun die fehleranfälligen Schritte und vervielfältigt das Erbgut des Erregers und macht es sichtbar. „Die erstaunliche Fähigkeit dieser RNA- und DNA-abhängigen Polymerase ist der Schlüssel unseres Ansatzes“, sagt Christof Hauck, Professor für Biologie an der Universität Konstanz. Er hat das Projekt federführend geleitet.

„Marktpreis von unter 5 Euro“

Ohne die aufwendige RNA-Isolierung entfallen jetzt mehrere Schritte der Probenhandhabung. Und das nicht nur in der Hälfte der Zeit, sondern auch extrem kostengünstig. „MyPOLS Biotec arbeitet momentan intensiv daran, die Innovation so schnell wie möglich marktfertig zu machen. Dabei rechne ich mit einem Marktpreis von unter 5 Euro pro Test“, so Ramon Kranaster von myPOLS Biotec, der auch an der Entwicklung beteiligt ist. Durch das vereinfachte Verfahren könnten Diagnostiklabore mehrere hundert Tests am Tag ausführen, fügt Kranaster noch hinzu.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein weiterer Vorteil der Konstanzer Methode: Die Tests mit dem Enzym können in herkömmlichen PCR-Geräten durchgeführt werden. Zum Auslesen der Testergebnisse braucht es aber kein extra Diagnosegerät. Es reicht eine einfache tragbare LED-Lampe. Das spart zusätzlich Kosten. Das Verfahren kann somit auch in Regionen der Welt angewandt werden, in denen sich Covid-19 aktuell rasant ausbreitet und wo die diagnostischen Standardverfahren die wirtschaftlichen Ressourcen bei weitem übersteigen.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.