Überall blühen die Osterglocken. Die Sonne scheint und ein wolkenloser blauer Himmel bildet die traumhafte Kulisse der Schmieder-Klinik in Allensbach. Von den Behandlungszimmern in der Rehaklinik haben Patienten einen wunderbaren Blick auf den Bodensee. So macht Genesung schnell Fortschritte. Doch eigentlich passt dieses Bild nicht, wenn man die Stimmung in der Klinik widerspiegeln möchte. Dann müssten dunkle Wolken über der Klinik zusammenziehen.

47 Menschen in der Rehaklinik infiziert

Seit Freitag ist bekannt, dass in der Einrichtung das Coronavirus ausgebrochen ist. „Ja, wir haben einen Ausbruch“, bestätigte am Freitag Patrick Mickler in einer Pressekonferenz des Landratsamts Konstanz. Insgesamt 47 Personen sind positiv auf den Erreger getestet worden – 21 Patienten und 26 vom Personal.

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So der Stand am Freitagabend. Wie haben sich die Infektionszahlen über das Wochenende entwickelt, fragt der SÜDKURIER am Montag nach. Die Klinik antwortet, dass sich an der aktuellen Situation nichts geändert habe. Derzeit warte man noch Testergebnisse ab. Zu weiteren Auskünften zum aktuellen Stand sehe sich die Klinik gerade nicht in der Lage.

Kliniken Schmieder investiert 250.000 Euro in Corona-Tests

In der Zwischenzeit hat sich die Klinikleitung entschlossen, alle Mitarbeiter und Patienten umfassend zu testen, um lückenlose Gewissheit zu erlangen, wer infiziert ist. 250.000 Euro werden nach Angaben aus dem Unternehmen dafür aus der Kasse der Rehaklinik in die Hand genommen – nur für den Standort Allensbach.

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Krankenkasse oder Patienten werden demnach finanziell nicht belastet. Dieses Vorgehen ist wahrscheinlich einzigartig in der deutschen Krankenhaus-Landschaft. Im Ergebnis soll es Klarheit für alle Mitarbeiter und alle Patienten geben. Mitte der Woche, so hofft man in Allensbach, liegen die fehlenden Testergebnisse vor.

307 Menschen im Landkreis Konstanz an Covid-19 erkrankt

Das Landratsamt zählt seit Freitag im Kreis Konstanz 45 weitere Corona-Fälle. Damit steigt die Zahl von 262 auf 307 Erkrankte. 44 Personen sind labordiagnostisch nachgewiesen, ein Fall wird dazu gerechnet, da diese Person im direkten Umfeld eines bestätigten Falls lebt und Symptome aufweist.

Kliniken Schmieder Allensbach.
Kliniken Schmieder Allensbach. | Bild: Scherrer, Aurelia

Zwei Personen sind gestorben. Welchen Anteil die Fälle aus der Allensbacher Klinik an der Statistik ausmachen, lässt sich nicht genau sagen – schon, weil Schmieder-Mitarbeiter auch in angrenzenden Landkreisen wohnen.

Angebliche Misstände und Vorkommnisse noch nicht geklärt

In Bezug auf die Schmieder-Klinik bleiben momentan auch viele weitere Fragen offen. Viele wilde Gerüchte verbreiten sich in den sozialen Netzwerken. Patienten, Angehörige, Besucher und Mitarbeiter schreiben den SÜDKURIER an und berichten von angeblichen Vorkommnissen, die ihnen aufgefallen sind. So bestehen Ängste, die Allensbacher Bevölkerung sei nicht hinreichend geschützt – obwohl die Klinik deutlich gemacht hatte, dass die betroffenen Mitarbeiter in häuslicher Quarantäne sind.

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Ein weiteres von vielen Beispielen: In einer Zuschrift an den SÜDKURIER bereitet eine Person, dass wegen häufiger Diebstähle vor über zwei Wochen in fast allen zugänglichen Spendern das Desinfektionsmittel entfernt worden sei. Das Pflegepersonal der Klinik habe sich mit Seife begnügen müssen.

Beim SÜDKURIER und in den sozialen Netzwerken haben sich seit Freitag auch weitere Personen gemeldet und detailliert von Beobachtungen und Erlebnissen in der Rehaklinik berichtet.

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Ob es tatsächliche oder angebliche Missstände sind, musste zunächst offen bleiben: Der SÜDKURIER konnte die Gerüchte nicht entkräften oder überprüfen. Denn die Klinikleitung hat am Montag trotz einer Anfrage unserer Redaktion keine Gelegenheit geboten, Fragen zu stellen.

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