Die Zahl der mit Covid-19 infizierten Menschen im Landkreis geht wieder zurück. Aber: „Wir sind weit davon entfernt, das als Entspannung anzusehen“, erklärte Landrat Zeno Danner am Dienstag in einer Pressekonferenz. Die Ferien haben erst begonnen, und unklar ist, wie sich das Infektionsgeschehen nach Rückkehr der Urlauber und nach Beginn von Schule und Kindertagesstätten entwickeln wird. Das Landratsamt hat erste Ansätze, wie es im Ernstfall reagieren will. Doch es gibt noch weitere Sorgen, die insbesondere auch auch die Kliniken und Städte umtreibt:

Wie geht es weiter bei Tests, insbesondere bei Kindern?

Nach Beschwerden, dass es in manchen Fällen für Eltern schwer gewesen sei, ihre Kinder auf eine Corona-Infektion testen zu lassen, hat Landrat Zeno Danner reagiert. Er hat das Gespräch mit Kinderärzten im Landkreis gesucht. Doch auch mit niedergelassenen Medizinern wolle er sich auseinandersetzen, erklärte Danner am Dienstag. Ziel soll sein, „schnell reagieren zu können“.

Zeno Danner, Landrat: „Da hängt ein Mundschutz teilweise nicht mehr mal unter dem Kinn.“
Zeno Danner, Landrat: „Da hängt ein Mundschutz teilweise nicht mehr mal unter dem Kinn.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Was Danner damit sagen will

Damit meint der Landrat möglich ansteigende Infektionszahlen, wenn Menschen aus dem Landkreis von ihren Urlaubsreisen zurückkehrten und Symptome zeigten. Damit meinte er aber auch, rasch Kinder testen zu können. Kinderärzte hätten ihm zugesichert: „Auf uns könnt ihr zählen“, gibt Danner wieder, und: „Wir sind in Feinabstimmung.“ Durch schnelle Tests und Ergebnisse soll eine rasche Reaktion zur Eindämmung einer Ausbreitung des Virus möglich werden.

Frank Hinder, Ärztlicher Direktor im Klinikum Singen: Immer mehr Menschen mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium warten zu lange mit Untersuchungen – wegen der Corona-Pandemie.
Frank Hinder, Ärztlicher Direktor im Klinikum Singen: Immer mehr Menschen mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium warten zu lange mit Untersuchungen – wegen der Corona-Pandemie. | Bild: Lucht, Torsten

Vor welchen Problemen stehen Krankenhäuser?

Sie sorgen sich um Menschen, die ernsthaft erkrankt sind, aber aufgrund der Corona-Pandemie vor einem Gang in eine Arztpraxis, zur Vorsorge oder ins Krankenhaus zurückscheuen. Bei einem Pressegespräch im April erklärten Chefärzte der Kliniken in Singen und Konstanz, sie beobachteten Menschen mit verschleppten Herzinfarkten und Schlaganfällen, weil die Patienten sich zu spät behandeln ließen.

Es kommen vermehrt Krebspatienten

Jetzt, im August, würden vermehrt Menschen mit Krebserkrankungen vorstellig, erklärte Frank Hinder, Ärztlicher Direktor in Singen. Innerhalb der zurückliegenden zehn Tage hätten fünf Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium die Urologie des Klinikums am Hohen­twiel aufgesucht. Hinder appelliert an die Menschen, Vorsorgeuntersuchungen trotz Corona-Pandemie nicht aufzuschieben. Ähnliche Fälle habe ihm sein Direktor-Kollege Marcus Schuchmann aus dem Konstanzer Krankenhaus berichtet.

Ivo Quack, Chefarzt der Notaufnahme in Konstanz: „Die Disziplin lässt zu wünschen übrig.“
Ivo Quack, Chefarzt der Notaufnahme in Konstanz: „Die Disziplin lässt zu wünschen übrig.“

Welche Gefahren gibt es in den Kliniken noch?

Welche, die leicht vermeidbar wären, erklärt Ivo Quack, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Konstanzer Klinikum. In den Krankenhäusern auch des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz gilt: Ein Besucher pro Patient am Tag. „Die Disziplin lässt zu wünschen übrig“, ärgert sich Ivo Quack. Mehrere Besucher schlichen sich in das Krankenhaus, um einen Patienten zu besuchen. Doch dies erhöhe die Gefahr, das Corona-Virus einzuschleppen. Quack fügt allerdings hinzu: „Wir versuchen, bei Härtefällen Ausnahmeregelungen zu treffen.“

Halten sich alle Restaurants an Auflagen?

Auf diese Frage hat Thomas Traber, Leiter des Personal- und Organisationsamts im Konstanzer Rathaus eine klare Antwort: Nein. Die Stadtverwaltung beobachte immer wieder, dass Hygiene- und Schutzbestimmungen zur Vermeidung von Infektionen mit dem Corona-Virus in den Gastronomien nicht eingehalten werden. „Da hängt ein Mundschutz teilweise nicht mehr mal unter dem Kinn“, sagt hierzu Landrat Zeno Danner. Rund 800 Gaststätten gebe es Konstanz, erklärte Thomas Traber, und die Stadtverwaltung werde ihre Linie ändern. Habe sie bislang präventiv auf Betreiber eingewirkt, „werden wir unsere Haltung ändern“ und restriktiv vorgehen. Wer gegen Bestimmungen verstoße, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Restaurants in Baden-Württemberg dürfen seit dem 18. Mai wieder Kunden im Restaurant empfangen. Doch so manche Gastronomen in Konstanz nehmen es mit den Regeln wohl nicht so ernst.
Restaurants in Baden-Württemberg dürfen seit dem 18. Mai wieder Kunden im Restaurant empfangen. Doch so manche Gastronomen in Konstanz nehmen es mit den Regeln wohl nicht so ernst. | Bild: Matthias Jundt

Welche Folgen hat die Missachtung von Bestimmungen in Gastronomien?

Zeno Danner schickt bei der Ignoranz gegenüber Corona-Auflagen voraus: „Da habe ich kein Verständnis dafür“, und er gibt zu bedenken: Wenn eine Gaststätte wegen Infektionen aufgrund nachlässiger Einhaltung der Bestimmungen geschlossen werden muss, kann dies für den Inhaber schwere finanzielle Folgen haben – weil die Einnahmen fehlen, wie bereits während des ersten Lockdowns. Je nachdem, wie sehr zum Beispiel der Hygieneschutz in einem Lokal vernachlässigt wird, hängt davon ab, ob Gäste zu Kontaktpersonen ersten oder zweiten Grades zählen. Die Folgen können von Lokalschließung durch das Landratsamt bis zum Verhängen einer Quarantäne über einen Gast oder lediglich die Aufforderung, auf mögliche Symptome zu achten, reichen. Auf Gastronomen können empfindliche Bußgelder zukommen.

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