Wissen Sie, was am 8. Juli 1860 in der Konstanzer Zeitung stand? Nein, natürlich nicht. Wie auch. Aber das herauszufinden ist jetzt möglich. Denn viele historische Lokalzeitungen, die bis 1945 erschienen sind, können jetzt digital abgerufen und gelesen werden. Der Grundstein für dieses Projekt wurde vor rund einem Jahr gelegt (der SÜDKURIER berichtete).

Zeitungspapier ist vergänglich

Gefördert wird das Projekt durch den Bund mit einer Summe von 115.000 Euro. „Die Fördergelder kamen mit dem Hilfspaket Corona für den Kulturbereich“, sagt Kreisarchivar Friedemann Scheck.

Das Projekt ist laut Scheck aus drei Gründen wichtig: „Erstens: Das Papier der Zeitungsbände zerfällt sehr leicht. Es ist nicht säurefrei. Manche Zeitungsseiten zerbröseln in den Händen. Zweitens: Wir ermöglichen so einen Zugang zu einem historischen Kulturerbe. Und drittens: Über die Texterkennung hat jeder die Möglichkeit Heimatkunde zu betreiben“, sagt Scheck.

Ein „Prachtfeuerwerk“ im Jahr 1860

Aber um auf die Eingangsfrage zurückkommen: Was stand denn nun am 8. Juli 1860 in der Konstanzer Zeitung? Die Antwort darauf liefert der Konstanzer Stadtarchivar Jürgen Klöckler. „Gibt man das Stichwort ‚Feuerwerk‘ in der digitalen Suche ein, kommt was überraschendes. Eine Anzeige für ein Feuerwerk. Sowas hätte man nie beim Durchblättern entdeckt“, sagt Klöckler und gerät ins Schwärmen.

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„Da ist angekündigt wann ein das Feuerwerk stattfindet, wie viel Eintritt das kostet. Es ist die Rede von einem ‚Prachtfeuerwerk‘. Das konnte ich nur durch die Schlagwortsuche finden“, sagt er.

Auch Frakturschrift wird erkannt

Und das ist auch das Besondere an dem Projekt. Nicht nur, dass mittlerweile über 400.000 Zeitungsseiten von zwölf Zeitungen (unter anderem der Konstanzer Zeitung, dem Nellenburger Boten und dem Höhgauer Erzähler) digitalisiert wurden. Es gibt auch eine Schlagwortsuche, in der Frakturschrift der Zeitungen nach Begriffen suchen kann. „Natürlich ist die Texterkennung nicht fehlerfrei, aber doch ganz gut“, sagt Scheck. Das erleichtere die Arbeit der Archivare deutlich.

„Aber auch Historiker, Studenten und Heimatforscher können davon profitieren“, sagt Johannes Waldschütz, Stadtarchivar in Stockach. „Ich habe nach meinem Nachnamen gesucht und eine wilde Geschichte über meinen Großonkel gefunden, der sich bei einem Sprung über einen Zaun einen Teil seines Fingers abgerissen hat“, erzählt er.

Zu finden bei Digishelf

Solche Fundstücke sind nun allen Interessierten zugänglich – über die Internetseite Digishelf. Im Bereich „Historische Lokalzeitungen aus Konstanz und dem Hegau“ befindet sich eine Suchmaske.

Klickt der Nutzer auf die „Erweiterte Suche“, dann kann er dort das Feld „Sammlung“ auswählen. „Danach kann man in einem weiteren Feld ‚Archive im Landkreis Konstanz‘ festlegen. Dann wird nur in den Lokalzeitungen gesucht, die wir bereits eingescannt haben„, erklärt Waldschütz.