Ein Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV) steht am Bahnhof von Radolfzell und wartet auf die Fahrgäste, die Richtung Allensbach wollen. Mit dem Zug können sie nicht fahren. Denn zwischen den beiden Städten ist eine Baustelle bis Sonntag, 17. Mai, einrichtet. Der Gelenkbus füllt sich mit Fahrgästen. Sie stehen dicht gedrängt. So beschriebt es eine Leserin dem SÜDKURIER. Sie weigert sich, in Zeiten von Corona in den Bus einzusteigen.

Eine Mutter schreibt: „Der Einzige, der sicheren Abstand halten kann, ist der Fahrer.“

Ein weitere Leserin aus Radolfzell meldet sich beim SÜDKURIER. Ihr Sohn fährt täglich mit dem Seehas von Radolfzell nach Konstanz zur Schule – jetzt natürlich mit dem Bus. Doch der „Einzige, der sicheren Abstand halten kann, ist der Fahrer“, schreibt sie. Für die Mutter ist es unverständlich, dass die Schüler im Klassenzimmer weit auseinandergesetzt werden, im Bus aber dicht gedrängt stehen müssen.

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Der SÜDKURIER fragt bei der Deutschen Bahn (DB), den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW). Eine Pressesprecherin der DB antwortet: „Der Schienenersatzverkehr wird von der Schweizer Bundesbahn bestellt. Aber wir als DB schauen natürlich auch genau darauf, ob die Kapazitäten ausreichen.“

Koordinatoren zählen Fahrgastaufkommen

Dazu habe man extra Koordinatoren, die das Fahrgastaufkommen zählen und Rückmeldung geben. „Unser Koordinator hat nicht festgestellt, dass die Busse zu voll sind“, sagt sie. Ausschließen könne man aber nicht, dass einzelne Busse sehr voll seien. Deshalb sei es wichtig, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

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Daniel König, Pressesprecher bei den SBB, sagt: „Schienenersatzverkehre sind ein sensibles Thema. Die Ersatzverkehre im März und Mai waren und sind jedoch mit recht wenigen Kundeneingaben einhergegangen und laufen stabil und planmäßig – und das trotz der Corona-Situation.“ Man habe genau bedacht, wie viele Personen in einen Seehas-Triebwagen passen: Dort gibt es Sitzplätze für 163 Personen. In einem Gelenkbus des SEV sind 140 Plätze (insgesamt Sitz- und Stehplätze) vorhanden.

„Schienenersatzverkehre sind ein sensibles Thema. Die Ersatzverkehre im März und Mai waren und sind jedoch mit recht wenigen Kundeneingaben einhergegangen und laufen stabil und planmäßig – und das trotz der Corona-Situation.“Daniel König, Pressesprecher SBB
„Schienenersatzverkehre sind ein sensibles Thema. Die Ersatzverkehre im März und Mai waren und sind jedoch mit recht wenigen Kundeneingaben einhergegangen und laufen stabil und planmäßig – und das trotz der Corona-Situation.“Daniel König, Pressesprecher SBB | Bild: SBB

Zwei Gelenkbusse im Ersatzverkehr unterwegs

„Beim Ersatzverkehr zwischen Radolfzell und Allensbach verkehren zwei dieser Gelenkbusse je Verbindung, nur bei den ersten und letzten Verbindungen ist ein einzelner Bus im Einsatz“, erklärt König. Der Pressesprecher sagt aber auch, dass festgestellt wurde, dass „oftmals der Erste der beiden Busse sehr gut besetzt und der zweite Bus recht leer ist, also haben wir hier kein Problem der Kapazität, sondern der Fahrgastverteilung. Daher bitten wir unsere Kundinnen und Kunden, sich auf die beiden Busse zu verteilen.“

Auch Heiko Focken, Verkehrsplaner bei der NVBW, äußert sich auf Nachfrage des SÜDKURIER: „Uns allen ist sehr wohl bewusst, dass wir, wenn nun wieder mehr Menschen unterwegs sind, nicht (mehr) immer alle Verkehrsbedürfnisse und speziellen Prämissen zu 100 Prozent erfüllen können.“ 460 Plätze gebe es in der Schwarzwaldbahn. Aber zurzeit seien die Bahnen nicht wirklich ausgelastet. Zudem sei es in der Regel so, dass rund 30 Prozent der Fahrgäste das Angebot des SEV nicht nutzen würden.

„Uns allen ist sehr wohl bewusst, dass wir, wenn nun wieder mehr Menschen unterwegs sind, nicht (mehr) immer alle Verkehrsbedürfnisse und speziellen Prämissen zu 100 Prozent erfüllen können.“Heiko Focken, Verkehrsplaner NVBW
„Uns allen ist sehr wohl bewusst, dass wir, wenn nun wieder mehr Menschen unterwegs sind, nicht (mehr) immer alle Verkehrsbedürfnisse und speziellen Prämissen zu 100 Prozent erfüllen können.“Heiko Focken, Verkehrsplaner NVBW

Individueller Schutz ist enorm wichtig

„Corona hat die Gesamtnachfrage nochmals reduziert“, sagt Focken. Der Verkehrsplaner ist sich durchaus bewusst, dass der Abstand in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer eingehalten werden kann. Bahnseitig gebe es dafür auch keine Lösung. „Fahrzeuge und Fahrpersonale sind endlich“, sagt er. Daher sei individuelle Schutz des Einzelnen wie etwa durch das Tragen einer Schutzmaske, aber auch durch das möglichst gleichmäßige Verteilen innerhalb der Züge, so eminent wichtig.

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