Ob Bergsport, Kletteranlagen oder Hüttenexkursionen – die Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) eint die Leidenschaft für die Berge. Mit über einer Million Mitglieder ist der Verein die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt. Allein der Landesverband Baden-Württemberg hat 52 Sektionen – eine davon hat ihren Sitz in Konstanz.

Was sind die aktuellen Trends?

Neben Wanderungen und Mountainbiken sieht der Vorsitzende Nils Weidmann sowohl Indoor- als auch Outdoor-Klettern als großen Trend in der Sektion. „Außerdem gibt es ein großes Interesse für das Bouldern“, sagt er. Erst vor kurzem wurde deswegen das Kletterwerk in Radolfzell umgestaltet und eine neue Boulder-Wand geschaffen. Im Gegensatz zum gesicherten Klettern steigt man beim Bouldern ohne Seil die Wände hinauf.

Das Kletterwerk war Mitte des Jahres 2020 durch den Kauf von der Stadt Radolfzell in den Besitz der Sektion übergegangen. Die Jugend sei außerdem mit ungefähr 20 Gruppen verschiedener Altersstufen und Ausrichtungen die größte Untergruppierung innerhalb des Vereins.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt?

„Unser Angebot ist getrieben davon, was unsere Ehrenamtlichen gerne machen“, sagt Weidmann, der sein Amt selbst ehrenamtlich ausführt. Die Sektion Konstanz könne somit auf Anfragen von außen eingehen, allerdings nur, wenn Ehrenamtliche sich bereit erklären, das Angebot in die Tat umzusetzen. Da der Verein seit über einem Jahr eine hauptamtliche Geschäftsführung hat, werden die Ehrenamtlichen administrativ entlastet. „Der Ansatz ist hier: Ehrenamt durch Hauptamt möglich zu machen“, sagt Weidmann.

Was muss man auf der Konstanzer Hütte beachten?

Aufgrund der Corona-Maßnahmen gelten auch für die Konstanzer Hütte des Vereins Einschränkungen und verringerte Kapazitäten. Die Hütte liegt im Verwall nahe St. Anton in Österreich und wird jeweils von Ende Juni bis Ende September bewirtschaftet. „Die Hütte unterliegt natürlich dem österreichischen Recht und dem Bundesland Tirol“, sagt Nils Weidmann.

Die Konstanzer Hütte des Alpenvereins liegt in Österreich und wird aktuell unter bestimmten Auflagen bewirtschaftet.
Die Konstanzer Hütte des Alpenvereins liegt in Österreich und wird aktuell unter bestimmten Auflagen bewirtschaftet. | Bild: Michael Doerfer

Wegen der geltenden Abstandsregelungen können die Schlaflager der Hütte nicht mehr komplett mit Besuchern gefüllt werden. Für das Übernachten auf der DAV-Hütte müssen Besucher außerdem nach wie vor einen Schlafsack mitbringen, da es auf der Hütte keine Bettwäsche gibt. Der Vorsitzende Nils Weidmann rät, sich vor der Anreise auf der Internetseite der Hütte (zu finden unter der Adresse www.alpenverein.de/DAV-services/huettensuche) oder bei den entsprechenden Behörden über geltende Auflagen zu informieren.

Wie steht es um die Mitgliederzahl?

Wie die meisten Vereine wurde auch der Deutsche Alpenverein vom Coronavirus getroffen. Normalerweise steige die Mitgliederzahl des Vereins stetig, im vergangenen Jahr sind laut Nils Weidmann aber mehr Leute ausgetreten als eingetreten. Da man aktuell wieder in die Berge fahren kann, scheine sich der Verlust aber wieder auszugleichen. „Aktuell haben wir überproportional viele Zugänge in der Nach-Lockdown-Situation“, sagt Weidmann.

Während der beiden Lockdowns habe der Alpenverein die Zeit zwar für Zoom-Schulungen genutzt oder um IT-Ausstattungen zu erneuern, das Veranstaltungsangebot war im Winter aber wegen der Corona-Regeln dennoch begrenzt. So war beispielsweise die Kletterhalle in Radolfzell von November 2020 bis Mai 2021 geschlossen. „Das hat – wenig überraschend – einen riesigen Einbruch gegeben – auch finanziell“, sagt Nils Weidmann, „der Winter ist normalerweise die Hochsaison im Kletterwerk Radolfzell“.

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Welche neuen Projekte setzt der Alpenverein um?

Trotz finanzieller Verluste setzte die Sektion Konstanz des Alpenvereins den Umbau des Kletterwerks in Radolfzell fort, wodurch neben der Boulder-Wand auch ein neuer Ausbildungs- und Bistrobereich entstanden ist. Außerdem bekommt das Kletterwerk seinen Strom bald über das Dach, erzeugt von einer Photovoltaik-Anlage. Die Anlage mit rund 70.000 Euro Investitionskosten soll bald installiert werden und 30 bis 45 Prozent des Eigenbedarfs decken. Täglich können somit laut Sam Morris aus dem Jugendvorstand 90 Kilogramm CO2 eingespart werden.

Schatzmeister Alexander Prox mahnt jedoch in einer Mitgliederversammlung der Sektion Konstanz, dass der Verein dieses Jahr keine großen Sprünge mehr machen könne. Nicht aufschiebbare Projekte werden dieses Jahr umgesetzt, alles andere müsse also noch warten.