Andreas Jung, CDU-Bundestagsabgeordneter, ist ein Kenner der Bahnstrecken im Landkreis Konstanz. Er ruft daher bereits zum vierten Mal ein Bahngipfele in Singen zusammen. „Der Verkehr ist ein Sorgenkind“, findet Jung. Aber es sei schon vieles auf den Weg gebracht worden. „Das Geld ist da. Es ist im Bundeshaushalt drin. Es muss jetzt verbaut werden. Die Frage ist nun: Wie gelingt das bei den einzelnen Trassen?“, fragt Jung. Aber nicht nur der Abgeordnete will das wissen.

„Das Geld ist da. Es ist im Bundeshaushalt drin. Es muss jetzt verbaut werden.“Andreas Jung, CDU-Bundestagsabgeordneter
„Das Geld ist da. Es ist im Bundeshaushalt drin. Es muss jetzt verbaut werden.“Andreas Jung, CDU-Bundestagsabgeordneter | Bild: Oliver Hanser

Gäubahn: Bis zu 20 Minuten schneller in Stuttgart

Das Ziel des Projektes Gäubahn ist klar: eine schnellere und attraktivere Verbindung zwischen Stuttgart, Singen und Zürich. Und da gibt es gute Neuigkeiten: „Es ist uns gelungen, das Projekt in die erste Klasse des Bundesverkehrswegeplans mit vordringlichem Bedarf unterzubringen“, sagt Jung.

Das bestätigt auch Steffen Bilger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Damit ginge die Zusage des Bundes einher, dass dieses Projekt realisiert werde. Eines der großen Ziele: die Fahrtzeitverkürzung nach Stuttgart. „Im Bundesverkehrswegeplan stehen elf Minuten“, so Bilger. Letztlich soll die Fahrtzeit sogar um 20 Minuten verkürzt werden. Auch der Güterverkehr soll über die Achse gelenkt werden.

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Um diese Ziele zu erreichen, müssen Züge mit Neigetechnik eingesetzt werden. Das stelle aber eine Herausforderung da. „Es gibt keinen Anbieter, der Neigetechnik einsetzen möchte“, behauptet Bilger. Ob und wie das Problem gelöst werden kann, darüber gibt es keine Information.

„Wir machen viel mehr als in der Vergangenheit. Da muss es auch wirklich Grenzen geben.“Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium
„Wir machen viel mehr als in der Vergangenheit. Da muss es auch wirklich Grenzen geben.“Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium | Bild: Büro Steffen Bilger

Aber auch ohne den Einsatz der Neigetechnik sei die Gäubahn wirtschaftlich realisierbar, „auch wenn die Kosten höher sein werden, als es bisher im Bundesverkehrswegeplan angelegt war“, sagt Bilger. Momentan sei noch ein Gutachten in Arbeit – unter anderem auch mit einer möglichen Anbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Flughafen durch einen Tunnel.

Kritik kommt aus Stuttgart

Für diese Aussagen erntet der Staatssekretär Kritik vom baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Der Minister hält diese Aussagen für „unseriös“, weil es eben noch keine belastbaren Zahlen gebe.

Bodenseegürtelbahn: Bleiben Kommunen und Landkreise auf 28 Millionen Euro sitzen?

Die Bodenseegürtelbahn, die zwischen Friedrichshafen und Radolfzell ausgebaut und elektrifiziert werden soll, befindet sich aktuell in der Leistungsphase zwei (Vorplanung mit Kostenschätzung). Das berichtet Wilfried Franke, Geschäftsführer des Interessenverbandes Bodenseegürtelbahn (BSG), der für die Landkreise Konstanz und Bodenseekreis und die Städte entlang der Bahnstrecke spricht. „Die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verbessert gegenüber vor ein paar Jahren“, so Franke.

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Trotzdem machten dem Geschäftsführer ein paar Punkte Sorgen. Die Kosten für das Projekt liegen bei 280 Millionen plus 70 Millionen Planungskosten. „Zehn Prozent der Planungskosten werden vom Bund bezuschusst. Der Löwenanteil bleibt an den Kommunen und den Kreisen hängen“, erläutert Franke.

Die Bodenseegürtelbahn an ihrem Halteort in Radolfzell.
Die Bodenseegürtelbahn an ihrem Halteort in Radolfzell. | Bild: Jarausch, Gerald

Des Weiteren seien zehn Prozent der 280 Millionen Euro sogenannte nicht zuwendungsfähige Kosten. „Wenn ich von 280 Millionen Euro ausgehe, bleiben 28 Millionen, die voll auf der kommunalen Ebene hängen bleiben. Hier bitte ich die Politik nachzusteuern“, fordert Franke auf.

95 Prozent der Kosten übernehmen Bund und Land

Bilger gibt zu bedenken, dass bereits sehr viele Kosten von Bund (75 Prozent) und Land (20 Prozent) übernommen würden. „Wir machen viel mehr als in der Vergangenheit. Da muss es wirklich Grenzen geben“, sagt der Staatssekretär. Jung klingt kompromissbereiter: „Wir werden das Thema mitnehmen und bearbeiten.“

Schwarzwaldbahn: Sechs Monate ist die Bahnstrecke gesperrt

Die Strecke der Schwarzwaldbahn wird dieses Jahr mehrmals gesperrt. Die Entscheidung sei der Deutschen Bahn nicht leicht gefallen, sagt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz. „Die positive Nachricht ist, dass es in den Sommerferien keine Streckensperrung gibt“, sagt er. Man habe für die Sperrung jeweils einen Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet.

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Verantwortlich für den Nahverkehr ist aber die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW). Für die NVBW spricht Dirk Andres: „Wir haben vom 20. Februar bis zum 19. März kurzfristig eine Baustelle, wo wir zumindest tagsüber den Verkehr einstellen.“ Hierbei handelt es sich um Bahnübergangsarbeiten zwischen Engen und Singen. Es gibt einen SEV.

Die Schwarzwaldbahn wird 2021 öfters nicht fahren können.
Die Schwarzwaldbahn wird 2021 öfters nicht fahren können. | Bild: Buchholz, Michael

Die längere Sperrung zwischen Hornberg und St. Georgen dauert insgesamt sechs Monate – einmal vom 19. März bis zum 28. Juli und vom 12. September bis zum 26. November.

Hochrheinbahn: Doppelstockzüge für ein angenehmeres Reisen

Eine Verbesserung auf der Hochrheinstrecke soll durch den Einsatz von Doppelstockzügen kommen, die ab dem Fahrplanwechsel im Dezember auf der Hochrheinstrecke im Zwei-Stunden-Takt zwischen Basel und Friedrichshafen verkehren sollen.

Auf der Hochrheinstrecke sollen Doppelstockzüge eingeführt werden.
Auf der Hochrheinstrecke sollen Doppelstockzüge eingeführt werden. | Bild: Daniela Seiberle
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Die Regionalexpress-Verbindungen zwischen Basel und Singen werden weiterhin mit den gelben Neigetechnik-Zügen durchgeführt. „Mit dem Einsatz der Doppelstockzüge erreichen wir eine deutliche Qualitätsverbesserung. Unsere Fahrgäste profitieren dann von dem höheren Platzangebot“, sagt Krenz.