Die berühmteste Volkszählung der Welt fand vor etwas mehr als 2000 Jahren statt. In den 1980er-Jahren gab es die in Deutschland wohl umstrittenste Datenerhebung. Die Angst vor einem totalitären Überwachungsstaat ging um. Erst nach jahrelangem Streit, Boykottaufrufen und einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts konnte sie im Jahr 1987 umgesetzt werden.

Vielleicht ist der damalige Hickhack der Grund, warum die öffentliche Hand mit dem Begriff Zensus statt mit dem ehrlicheren Wort Volkszählung operiert. Die Bezeichnung Zensus ist laut dem Duden aus einer Fachsprache entlehnt – ein wenig bürgernaher Sprachgebrauch also.

Das Mitmachen ist Pflicht

Bürgerfreundlicher soll es bei der Befragung selbst zugehen. So wird nur etwa ein Achtel der Bürger befragt, also rund 10,2 Millionen Menschen. Gewünscht ist auch, dass die Fragebögen online beantwortet werden. Die so erfassten Daten sind leichter auszuwerten und gelten als weniger fehlerhaft. Aber es ist auch möglich, die papierenen Fragebögen alleine auszufüllen. Zusätzlich werden ab dem Stichtag 15. Mai Interviewer die Haushalte aufsuchen.

Die Fragen können an der Wohnungstür beantwortet werden, erklärt Matthias Ritter, Leiter der Zensusstelle im Landratsamt. Er sichert zu, dass die Trennung von Namen, Anschrift und Geburtstag von den übrigen Daten gewährleistet ist. Auf den Fragenbögen müssten diese allerdings vollständig angegeben werden. „Um sicherzustellen, dass niemand doppelt abgibt oder jemand vergessen wird“, erläutert er.

Matthias Ritter ist der Leiter der Zensusstelle im Landratsamt. Von ihm und seinen Mitarbeitern wird die Volkszählung im Landkreis ...
Matthias Ritter ist der Leiter der Zensusstelle im Landratsamt. Von ihm und seinen Mitarbeitern wird die Volkszählung im Landkreis Konstanz koordiniert. | Bild: Nikolaj Schutzbach

„Wir dürfen die Bögen nicht auswerten. Das ist uns untersagt. Wir sammeln nur und koordinieren und liefern ans Statistische Landesamt“, betont Ritter. Dort werden Name und Anschrift von den übrigen Fragen getrennt gespeichert und an das Statistische Bundesamt weitergeleitet.

Daten dürfen nicht zu Ahnungszwecken verwendet werden

Das Landratsamt ist im Kreis für die Datenerhebung in 22 Städten und Gemeinden zuständig. „Die dortigen Verwaltungen bekommen keine Details und wissen nichts über die ausgewählten Adressen“, betont Ritter. „Rückspielverbot“ benennt er die strenge Vorgabe. „Es besteht definitiv keine Gefahr, dass die Daten zu Ahndungszwecken herangezogen werden“, bekräftigt der Erste Landesbeamte Philipp Gärtner.

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Die Zensusstelle ist eigens im Behördenzentrum in Radolfzell untergebracht. Es werde streng darauf geachtet, diese organisatorisch und räumlich so gut wie möglich vom restlichen Amt zu trennen, betont Ritter. Dies gilt auch für die Auswahl der Mitarbeiter und Interviewer.

Die Teilnahme am Zensus 2022 ist Pflicht. Es gibt ein mehrstufiges Verfahren mit Erinnerungsschreiben und Mahnungen, in der die Bürger zur Teilnahme aufgefordert werden. „Bei der Volkszählung 2011 blieb am Ende nur einer übrig“, berichtet Matthias Ritter.