Andreas Egger erinnert sich noch genau an Datum und Uhrzeit des jüngsten Flächenbrandes. Am 27. Juli zwischen 14 und 15 Uhr standen zuerst ein Feld und dann fünf Hektar Wald bei Eigeltingen in Flammen. Die Alarmierung kam zu einem Zeitpunkt, an dem sich das berufliche Leben des Singener Feuerwehrkommandanten total veränderte.

Ein Flächenbrand hat sich von einem Weizenfeld in einen Wald ausgebreitet. Ein Großaufgebot an Feuerwehren mehrerer Gemeinden brachte das Feuer am 27. Juli unter Kontrolle.
Ein Flächenbrand hat sich von einem Weizenfeld in einen Wald ausgebreitet. Ein Großaufgebot an Feuerwehren mehrerer Gemeinden brachte das Feuer am 27. Juli unter Kontrolle. | Bild: Drohneneinheit Landkreis Konstanz

„Als der Alarm kam, wurde ich im Konstanzer Landratsamt gerade zum neuen Kreisbrandmeister gewählt“, erzählt der 51-Jährige. Mit dieser Weichenstellung wird sich der erfahrene Praktiker spätestens ab April 2021 weitgehend aus der akuten Brandbekämpfung zurückziehen. Er wird sich mehr vom Schreibtisch aus um die Struktur, die Organisation und den Bestand der Feuerwehren in den Landkreisgemeinden kümmern müssen. Er wird sich mit veränderten Brandschutzrichtlinien und neuer Technik auseinandersetzen und nicht zuletzt mit den Folgen des Klimawandels.

Lange Trockenheit wird zur Gefahr

„Die heißen Sommer sind brandgefährlich“, sagt Egger. Zwar sei der Norden Deutschlands mit den sandigen Böden und der Monokultur weitaus stärker von Wald- und Flächenbränden betroffen als der Landkreis Konstanz mit seinen Mischwäldern. Doch auch hier wird die lange Trockenheit der vergangenen drei Jahre zunehmend zur Gefahr. Deshalb hat Andreas Egger die Warn-App des Deutschen Wetterdienstes permanent im Blick. Alleine die Wetterkarte reicht ihm aber nicht aus – Egger will sich vor Ort ein Bild machen.

Zum Kontrollgang durch den Friedinger Wald bei Singen darf der SÜDKURIER den Kommandanten begleiten. Egger befühlt das verwelkte Laub, das dem Wald mitten im Hochsommer schon einen recht herbstlichen Anstrich gibt. „Das brennt wie Zunder, wenn hier eine glimmende Zigarette landet“, sagt er.

„Laut Wetterdienst sind wir noch im gelben Bereich, was die Waldbrandgefahr angeht. Viel schlimmer sieht es im Schwarzwald, am Oberrhein und rund um Berlin aus.“ Trotzdem dürfe man auch im Hegau nicht mit dem Feuer spielen. Gemeint sind Grillfeuer im Wald oder eben jene achtlos weggeworfenen Zigaretten. Auch Glasscherben können Feuer entfachen, weil sie wie ein Brennglas wirken.

30 Jahre alte Fahrzeuge

Ursache für den Brand in Eigeltingen könne eine Erntemaschine gewesen sein. „Von einem technischen Defekt bis zu einem Funken von einem hochgeschleuderten Stein ist alles möglich“, sagt Egger. Mit einem Großaufgebot an Feuerwehrkräften aus Orsingen, Eigeltingen, Steißlingen und Singen wurde der Brand gelöscht. „Für so einen Einsatz brauchen wir den ortskundigen Förster und moderne Ausrüstung.“

Egger erzählt von Wasserrucksäcken, mit einem Fassungsvermögen von 15 bis 20 Litern, aus denen die einzelnen Feuerwehrleute mit Muskelkraft einen Sprühnebel erzeugen können. „Das ist sehr effektiv bei Flächenbränden„, sagt Egger. Doch nicht immer ist die technische Ausrüstung der Feuerwehren auf dem neuesten Stand. „Wir fahren mit 30 Jahre alten Fahrzeugen rum“, erklärt er. „Das geht, aber es könnte noch besser gehen.“

Gemeinden sind für Ausstattung zuständig

Die Feuerwehr ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Entsprechend der Finanzlage der Gemeinden ist auch die Ausstattung. Hier will der neue Kreisbrandmeister beratend und als Netzwerker tätig werden. „Ich verstehe mich als Moderator im Landkreis“, sagt Andreas Egger.

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Dabei kann er aus einem reichen Erfahrungsschatz von 17 Jahren als Kommandant schöpfen. Es sei wichtig, dass sich die Gemeinden über die Ausrüstung der Feuerwehren Gedanken machten. Hier will er in seiner neuen Funktion Überzeugungsarbeit leisten. Doch eines ist ihm klar: „Moderne Technik kann fehlendes Personal nicht ausgleichen.“

Einteilung bei Einsätzen immer schwieriger

Bei diesem Thema legen sich Sorgenfalten auf Eggers Stirn. Es werde immer schwieriger, Feuerwehrleute für einen Einsatz einzuteilen, weil viele Ehrenamtliche zu weit entfernt arbeiten. Für einen schnellen Einsatz können schon 20 Kilometer zu viel sein. Auch stießen die freiwilligen Feuerwehrleute teilweise bei Kollegen auf Unverständnis, wenn sie wegen eines Feueralarms am Arbeitsplatz alles stehen und liegen lassen müssten.

Umso wichtiger sei es für die einzelnen Wehren, möglichst viele ehrenamtliche Einsatzkräfte zu gewinnen. „Das gelingt vor allem über die Jugendarbeit„, weiß Andreas Egger. Doch die ist seit Beginn der Corona-Pandemie auf Eis gelegt. Weil die Feuerwehren als systemrelevant eingestuft wurden, dürfen sich auch die Abteilungen nicht durchmischen, was bei Übungen von Nachteil sein kann. So soll verhindert werden, dass die Wehr im Falle einer Corona-Infektion in den eigenen Reihen blockiert ist.

„Aktive Feuerwehrleute dürfen seit Mitte März keine Jugendgruppen mehr betreuen“, erzählt Egger. „Keine Aktionen, kein Zeltlager, nichts. Ich bin gespannt, wie viele Jugendliche abspringen und wer noch dabei bleibt, wenn wir im Herbst wieder mit den Jugendgruppen anfangen dürfen.“ Er befürchtet, dass einige nach dieser langen Pause für sich entscheiden, dass es auch ohne Ehrenamt geht. Das würde langfristig nicht nur zu Engpässen, sondern auch zu einem Wissensverlust führen. Dem will Andreas Egger nicht tatenlos zuschauen.