Der Appell ist so etwas wie das Mantra der wöchentlichen Pressekonferenz zur Corona-Lage im Landkreis. „Tun Sie nicht alles, was erlaubt ist“, mahnt Philipp Gärtner, erster Landesbeamter im Landkreis, dessen Bewohner. Er bezieht dies vor allem auf die Besuchsregelungen an den bevorstehenden Feiertagen.

Die Lage in den Kliniken

Marcus Schuchmann spricht von einer „druckvollen“ Situation am Konstanzer Klinikum. 21 Patienten seien isoliert, davon lägen fünf auf der Intensivstation. „Damit ist ein Drittel der Betten dort belegt“, sagt der ärztliche Direktor. Der Druck auf das Personal sei hoch, weil neben den Covid-19-Patienten auch andere Patienten Fürsorge bräuchten. Die Pflege eines Covid-19-Patienten sei sehr zeitaufwendig.

In Singen ist die Lage noch enger

Frank Hinder, ärztlicher Direktor im Hegau-Bodensee-Klinikum Singen, berichtet von einem sehr anstrengenden Wochenende, das hinter dem Klinikpersonal in Singen und Radolfzell liege. Zeitweise seien alle Betten belegt gewesen. Im Moment liegen am Singener Klinikum zehn Patienten auf der Intensivstation, sieben mit gesicherter Covid-19-Diagnose und drei Verdachtsfälle. Auf der normalen Station liegen sechs Covid-Patienten und sieben Verdachtsfälle. In Radolfzell wurden fünf Infizierte sowie neun Verdachtsfälle stationär aufgenommen, zwei liegen auf der Intensivstation.

Die Bedeutung für den Klinikalltag

„Das Elektivprogramm mussten wir weitgehend außer Kraft setzen“, sagt Hinder. Unter elektiven Eingriffen versteht man solche, die man zeitlich verschieben kann, ohne der Gesundheit des Patienten zu schaden. Am Singener Klinikum würden beispielsweise Krebspatienten weiterhin operiert und sofort versorgt, ebenso andere schwer Erkrankte. Eingriffe, die aufgeschoben werden können, müssen im Moment warten.

Das ist die neue Besuchsregelung

„Wir wollen die Kliniken grundsätzlich für Besucher offenhalten“, erklärt Frank Hinder und schränkt die Aussage gleich ein. Wegen der hohen Belastung für das Personal habe man die gängige Besuchspraxis nun ausgesetzt. Derzeit können Besuche nur in Absprache mit dem Arzt des jeweiligen Patienten erfolgen, spontan sind sie nicht mehr möglich.

Impfzentrum soll am 15. Januar an den Start

Laut Plan soll das Kreisimpfzentrum (KIZ) des Landkreises, das in der Singener Stadthalle eingerichtet wird, ab 15. Januar seinen Betrieb aufnehmen. Im Moment seien das Landratsamt und die Stadt Singen dabei, die Details für die Organisation zu klären, erläutert Philipp Gärtner, erster Landesbeamter des Landkreises. Auch, dass es eine Außenstelle des KIZ in Konstanz geben soll, sei Konsens unter den Verantwortlichen. Der Landrat bemühe sich darum, dieses zu realisieren.

Ausgangssperre wird nicht immer eingehalten

Seit vergangenem Samstag gilt landesweit eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20 Uhr abends und 5 Uhr morgens. Zusätzlich dürfen alle Bürger auch tagsüber nur aus triftigen Gründen nach draußen. Polizei und Ordnungsämter haben die Aufgabe, die Ausgangssperren zu überwachen. Laut Auskunft von Dieter Popp, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, sind so gut wie alle Polizeikräfte im Dienst mit der Kontrolle der Ausgangssperre betraut. 14 Polizeifahrzeuge seien dazu kreisweit im Einsatz gewesen.

Die Polizei kontrolliert die Ausgangssperre. Bild: dpa
Die Polizei kontrolliert die Ausgangssperre. Bild: dpa | Bild: dpa

„In der Nacht zum Dienstag wurden 168 Personen kontrolliert“, sagt Popp. Nachts wurden dabei sieben Verstöße gegen die Ausgangssperre geahndet, drei davon in Konstanz, zwei in Radolfzell, einer in Singen. Dabei seien sowohl Autofahrer als auch Fußgänger kontrolliert worden. Insgesamt seien 26 Verstöße gegen Corona-Regeln zur Anzeige gekommen.