Es gleicht einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Coronavirus, findet Frank Hinder, Ärztlicher Direktor an den Hegau-Bodensee-Kliniken. „Momentan hat der Virus die Nase vorn“, sagt er in der wöchentlichen Corona-Konferenz des Landratsamtes. Aber die Hoffnung ist groß, dass sich das bald ändert. Deshalb will der Konstanzer Landrat Zeno Danner dem Virus „ein Bein stellen“.

Krankenhäuser sind stark ausgelastet

Dieses „gestellte Bein“ soll das kreisweite Test-Wochenende vom Freitag, 23., bis Sonntag, 24. April, sein. Denn: „Wir sind weiterhin in einer kritischen Lage. Wir haben weiterhin Inzidenzen jenseits der 150. Und um das mal klar zu sagen: Es ist eine erhebliche Gesundheitsgefahr“, sagt Danner. Die Situation sei alles andere als entspannt. Deshalb organisiere man diese kreisweiten Testtage, „weil die Zahlen, gerade in den Krankenhäusern, darauf hinweisen, dass es eine hohe Dunkelziffer an Infizierten gibt, die das Coronavirus weitertragen.“ Das wolle man mit den Testtagen aufdecken und unterbrechen.

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Dass das Unterbrechen der Infektionsketten dringend nötig ist, erklären die Mediziner Frank Hinder und Ivo Quack, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Konstanz. Denn die Kapazitäten der Krankenbetten sind stark ausgereizt. In den Hegau-Bodensee-Kliniken Singen und Radolfzell werden zurzeit 46 Patienten behandelt, in Konstanz 15. Teilweise müsse man Covid-Patienten in andere Kliniken verlegen, weil sonst keine neue Aufnahmen von Infizierten stattfinden könnte.

Mit Antigen-Schnelltest wird am 23. bis 25. April im Landkreis Konstanz getestet.
Mit Antigen-Schnelltest wird am 23. bis 25. April im Landkreis Konstanz getestet. | Bild: Jörg Büsche

75.000 Tests an einem Wochenende

Die Vorbereitungen für die drei Testtage laufen momentan auf Hochtouren. In allen Kreisstädten und Kommunen seien die Testangebote aufgestockt worden. Immerhin liegt das Ziel hoch: 75.000 (symptomfreie) Bürger von 286.000 Einwohnern des Landkreises sollen sich an diesem Wochenende für die Gesundheit in der Nase bohren lassen.

Allein in Konstanz sollen sich 30.000 Bürger testen lassen – so lautet zumindest die Zielmarke, die Thomas Traber, Leiter des Konstanzer Personal- und Organisationsamtes, nennt. „Das ist ein sportliches Ziel“, gibt er selbst zu. Bisher hätten sich nur rund 2000 Menschen (Stand: 20.4.) angemeldet, aber noch sei ja Zeit, einen Termin vereinbaren. Ohnehin gebe es auch Testzentren, zu denen man spontan ohne Termin kommen könne.

Inzidenz könnte ansteigen

Dennoch wünschen sich viele Städte und Gemeinden, dass sich die Bürger anmelden. Das hat einen einfachen Hintergrund. Die 75.000 Tests müssen richtig verteilt sein. Momentan hat Martin Staab, Oberbürgermeister von Radolfzell, ein Augenmerk drauf.

Anschließend wird die Probe auf einen Testkartusche gegeben. In etwa 15 Minuten steht das Ergebnis fest.
Anschließend wird die Probe auf einen Testkartusche gegeben. In etwa 15 Minuten steht das Ergebnis fest. | Bild: Steinert, Kerstin

„Wenn es sich abzeichnet, dass der Bedarf in einer kleinen Gemeinde plötzlich höher als erwartet ist, können wir frühzeitig gegensteuern und Testkits dorthin bringen“, erklärt er. Mit den Vorab-Anmeldungen könne man das schon am Tag zuvor besser beurteilen.

Bei 30.000 Tests etwa 150 positive Fälle

Engens Bürgermeister Johannes Moser, der stellvertretend für die Gemeinden und Kommunen spricht, weiß aber auch von der Kritik, die dem Test-Wochenende entgegensteht. Der Inzidenzwert könnte steigen, Lockerungen würden damit erst einmal in die Ferne rücken. Für die Beteiligten ein kleiner Preis, den sie bereit sind, zu zahlen.

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Thomas Traber rechnet vor: „Wir machen ja seit Wochen diese Bürger-Testungen. 0,5 Prozent haben dabei einen positiven Befund.“ Bei 30.000 Testungen wären das rein rechnerisch 150 Fälle, die durch die Testungen aufgedeckt werden könnten. „Und wenn jeder dieser Infizierten nur einen weiteren Menschen anstecken würde, hätten wir schon 300 Infizierte. Sie können wir so vermeiden“, erklärt er.

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Ziel: Infektionsketten durchbrechen

Natürlich hieße das, dass die Inzidenz für den Landkreis Konstanz nach dem Wochenende zunächst ansteigen könnte. „Das ist möglich“, sagt Danner. Auszahlen dürfte sich das breite Testen der Bevölkerung zwei bis drei Wochen nach den Testtagen, da ist sich Engens Bürgermeister Moser sicher. „Das drückt den Inzidenzwert vielleicht wieder runter und damit können Geschäfte eventuell wieder öffnen“, hofft er.

Mit „das“ meint er das Unterbrechen der Infektionsketten. Auch Bernd Häusler hat diese Hoffnung: „Wir wollen alle wieder in Restaurants, einkaufen und mit Menschen zusammenkommen.“ Deshalb sollten so viele Menschen wie möglich dem Aufruf folgen.

Für jeden Test gibt es eine eigene Stoppuhr.
Für jeden Test gibt es eine eigene Stoppuhr. | Bild: Steinert, Kerstin

Vom Schnelltest zum PCR-Test

Ob sich die Lage im Landkreis in zwei bis drei Wochen dadurch wirklich bessert, ist Zukunftsmusik. Doch was ist mit den Menschen, die an diesem Wochenende wirklich mit einem positiven Ergebnis überrascht werden? „Sollte jemand positiv sein, ist dafür gesorgt, dass er am Ort, an dem er getestet wurde, auch einen PCR-Test machen lassen kann. Sprich: Man muss sich nicht um einen eigenen Test bemühen“, sagt Bernd Häusler, Bürgermeister von Singen. Das gelte zumindest für die Testangebote in Singen.

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In Konstanz gebe es die Möglichkeit, am Klinikum in Konstanz anschließend einen PCR-Test zu machen. Samstag und Sonntag werden dort nur vormittags Schnelltest durchgeführt, nachmittags dann die PCR-Tests, ergänzt Traber. In anderen Städten und Gemeinden stünden dafür die Corona-Schwerpunktpraxen parat. Auch die Labore hätten für diese Aktion ihre Kapazitäten erhöht, berichtet Danner. Das sei ein wichtiger Mosaikstein. Das bestätigt Simone Brunner vom Labor Dr. Brunner. „Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden können wir hinkriegen“, sagt sie. Spätestens dann habe die Testperson Gewissheit über eine mögliche Infektion. Allerdings heißt es dann auch: Ab in die Isolation.