Der Kanton Thurgau hat die sogenannte außerordentliche Lage, die der Regierungsrat Mitte März wegen der Corona-Krise beschlossen hatte, am Freitag, 19. Juni, wieder beendet. Dies teilte die Thurgauer Staatskanzlei in einer Presseinformation mit.

Zahlen sind stark rückläufig

Durch die außerordentliche Lage hatte der kantonale Führungsstab zusätzliche Kompetenzen im organisatorischen und finanziellen Bereich erhalten, um schneller auf das Coronavirus reagieren zu können. Die Staatskanzlei schreibt dazu, die Lage im Kanton habe sich in vielen Bereichen wieder normalisiert, so dass „wieder die üblichen Abläufe zum Tragen kommen können“.

Und weiter: „Sowohl die Zahlen der Neuinfektionen, der Spitaleintritte wie auch der Todesfälle sind stark rückläufig und in den Intensivpflegestationen sind ausreichend Kapazitäten vorhanden.“ Der Führungsstab werde daher von seinen Aufgaben entbunden, jetzt solle ein sogenannter Fachstab Pandemie die Situation verfolgen.

Wann und wie kommt zweite Welle?

„Die Coronavirus-Entwicklung wird weiterhin eng beobachtet“, schreibt die Staatskanzlei. Der Fachstab unter Leitung von Regierungsrat Urs Martin, Gesundheitsdirektor des Kantons Thurgau, soll die notwendigen Vorkehrungen treffen und alles unternehmen, um einen zweiten Lockdown für die Wirtschaft zu verhindern. Dieser würde für ein Drittel aller Unternehmen existentielle Probleme bedeuten. „Es ist nicht die Frage, ob eine zweite Welle kommt, sondern wann und wie“, wird Martin zitiert.

Um weitere Schäden durch die Pandemie zu vermeiden, wird auch die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Das Verhalten der Menschen beim Einhalten der Vorschriften spiele eine zentrale Rolle. Die Thurgauer werden gebeten, die Regeln des Bundesamts für Gesundheit (BAG) weiterhin zu befolgen, auch wenn die Fallzahlen nachgelassen haben. Das BAG fordert die Bevölkerung unter anderem dazu auf, einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen zu halten oder im öffentlichen Verkehr eine Hygienemaske zu tragen.

Kein konkreter kritischer Wert

Während in Deutschland in den Landkreisen die Obergrenze von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche nicht überschritten werden darf, damit es nicht erneut zu erheblichen Einschränkungen kommt, nannte der Informationsdienst des Kantons für den Thurgau keinen konkreten kritischen Wert, der einen zweiten Lockdown auslösen würde.

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Stattdessen gelte nach wie vor der Grenzwert von 25 Personen, die sich innerhalb von drei Tagen im Kanton infizieren dürfen – kommt es dazu, werden die Behandlungskapazitäten in einer Woche hochgefahren.

Um aus der Krise Lehren zu ziehen, soll nun eine Nachbearbeitung stattfinden. So wurde etwa festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie mehrheitlich unterschätzt wurde, zudem soll das Gesetz für die Bewältigung außerordentlicher Lagen überarbeitet werden.

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