Ist Corona nur eine Lüge? Ist der Auslöser der Krankheit in Wirklichkeit die 5G-Strahlung? Sind die Intensivstationen gar nicht so voll, wie in den Medien behauptet? Überhaupt steckt Bill Gates hinter der Corona-Pandemie.

Verschwörungstheorien wie diese kursieren zurzeit viele. Das sagt Jannes Rupf, Projektkoordinator Politische Bildung beim Internationalen Bund (IB) e.V., bei einem Online-Vortrag der VHS Landkreis Konstanz.

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Er beobachtet schon seit Jahren Verschwörungsmythen und nimmt Abstand von dem Wort Verschwörungstheorie, da es nur eine Wissenschaftlichkeit suggeriere. Eines hätten alle Mythen gemeinsam: Sie vergiften die Köpfe ihrer Anhänger.

Ein Impfgegner ist nicht gleich ein Verschwörungsgläubiger

Bei Verschwörungsmythen rund um Corona sei das nicht anders. Er betont aber: Impfgegner sollte man nicht mit Verschwörungsgläubigen in einen Topf werfen. „Ich kann als Impfgegner Verschwörungsgläubiger sein, muss es aber nicht“, sagt er. Denn es gebe durchaus Fragen, die berechtigte Kritikpunkte aufbringen würden.

Zudem würden Studien zeigen, dass Menschen, die ein geringes Gefühl von Selbstwirksamkeit haben, also das Gefühl haben, „dass sie mit ihrem Tun nichts verändern, dass diese Menschen anfälliger für Verschwörungsmythen seien. Warum? Weil Verschwörungsmythen ihnen vermeintliche Handlungsoptionen wieder zurückgeben und sich sogar ein Gefühl der Überlegenheit einstellt, weil sie sagen können: Ich habe es verstanden, ihr alle habt es nicht verstanden“, so Rupf.

Jannes Rupf, Projektkoordinator Politische Bildung, Internationaler Bund, ist vorsichtig mit dem Wort Verschwörungstheorie. Es suggeriere eine Wissenschaftlichkeit.
Jannes Rupf, Projektkoordinator Politische Bildung, Internationaler Bund, ist vorsichtig mit dem Wort Verschwörungstheorie. Es suggeriere eine Wissenschaftlichkeit. | Bild: Jannes Rupf

Aber wie kann man diesen Mythen und ihren Verbreitern entgegentreten? „Die goldene Lösung habe ich auch nicht“, sagt Rupf. Aber man könne dem Weltbild dieser Anhängerschaft einen Riss verpassen.

Die Diskussion auf eine Metaebene stellen

„Am besten geht man nicht auf das Klein-Klein ein. Da kennen sich die Anhänger bestens aus“, rät Rupf. Besser sei es, die Diskussion auf eine Metaebene zu heben. Mit Metaebene meint er Fragen wie: Wie viele Menschen bräuchte es, damit diese Verschwörung funktioniert? 10.000 oder 100.000 Beteiligte? Wie wahrscheinlich ist es, dass keiner von diesen Menschen redet.

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„Damit erreiche ich vielleicht nicht unbedingt die Person, aber in Social Media lohnt es sich, Widerspruch zu dokumentieren“, findet er. Dabei ginge es vor allem um die Menschen, die passiv mitlesen. Diesen könne man noch einen anderen Blickwinkel eröffnen.

Rupf sieht auch die großen Tech-Betriebe wie Facebook, Youtube und Twitter in der Verantwortung. Es sei sinnvoll, verdächtige Beiträge in den sozialen Netzwerken zu melden.

Persönliche Geschichten erzählen

Hilfreich sei es, besonders bei Corona-Skeptikern, mit persönlichen Geschichten und Schicksalen zu argumentieren. „Damit kann man noch unentschlossene Menschen erreichen“, so Rupf.

Wer selbst nicht mehr weiter weiß, könne sich an die Selbsthilfeorganisation „Der goldene Aluhut“ wenden. Dort gibt es bei Bedarf laut Rupf Beratungsgespräche.