Die Adresse ist immer noch dieselbe. Ein nüchternes Bürogebäude im Gottmadinger Industriepark 210. Hier waren zu Spitzenzeiten mehr als 100 Mitarbeiter damit beschäftigt, Kontaktpersonen von Menschen ausfindig zu machen, die sich mit dem Corona-Virus Sars-Cov-2 angesteckt hatten. Den Beginn der zweiten Pandemiewelle Mitte Oktober 2020 bezeichnet der Sozialdezernent Stefan Basel als „black days“, als schwarze Tage. Plötzlich schnellten die Fallzahlen innerhalb einer Woche auf knapp 200 hoch. „100 Fälle pro Woche konnten wir bis dahin problemlos nachverfolgen“, erklärt Paul Glassner. Er leitet das Nachverfolgungszentrum. Der Höhepunkt im Oktober versetzte die Mitarbeiter in eine extreme Stresssituation.

Um die Infektionsketten zu unterbrechen, muss man möglichst schnell sein.

Helfer kamen aus den verschiedenen Abteilungen des Landratsamtes. Der Zoll schickte acht Mitarbeiter, die Bundeswehr zehn, und es stießen viele Helfer aus verschiedenen Branchen dazu, zum Beispiel Beschäftigte aus der Reisebranche oder Studenten. Die hätten einen super Job gemacht, sagen Glassner und Basel.

Das Bodenseeforum in Konstanz: Hier, und auch an der Universität, läuft die nächsten Wochen eine Impfkampagne – Impfen ohne Termin.
Das Bodenseeforum in Konstanz: Hier, und auch an der Universität, läuft die nächsten Wochen eine Impfkampagne – Impfen ohne Termin. | Bild: Eva Marie Stegmann

Jetzt ist Sommer 2021. Aktuell stecken sich im Landkreis nur noch wenige Menschen an. Braucht es da überhaupt noch so viel Personal? Im Moment sind täglich rund 30 Mitarbeiter im Gottmadinger Zentrum im Einsatz. Ihre Aufgabe ist neben der Kontaktnachverfolgung die Überprüfung der Testzentren. Hier geht es um die Einhaltung der vom Land erlassenen Kriterien. Zum anderen beschäftigen sich Mitarbeiter mit falsch-positiven Testergebnissen aus Schulen und Kindergärten. „Wir schauen uns die Situation dort genau an“, erklärt Stefan Basel. Vor allem in den Schulen herrsche oft ein diffuses Geschehen. Selbst wenn die Kinder in gelüfteten Räumen Abstand halten, sei es möglich, dass sie sich auf dem Pausenhof anstecken. „Dann müssen wir alle Kontakte ausfindig machen“, sagt Paul Glassner, „das können schnell bis zu 20 sein, die alle überprüft werden müssen.“ Von 1000 Schnelltests seien etwa zehn falsch-positiv. Erst ein PCR-Test bringe dann nach 24 Stunden Klarheit.

Stefan Basel und Paul Glassner nutzen die Sommerferien, um sich auf die Reiserückkehrer vorzubereiten. „Im Herbst, wenn die Fallzahlen wieder in die Höhe schnellen, haben wir keine Zeit, um neue Leute einzuarbeiten“, sagt Basel. Der Sozialdezernent rechnet auch im Landkreis Konstanz ab Oktober mit einer sehr hohen Ansteckung. Grundlage dieser Vermutung sind die Modellrechnungen des Robert-Koch-Institutes (RKI). „Dann werden sich die ungeimpften unter Zwölfjährigen infiziert haben und das Virus verteilen“, vermutet Basel.

Paul Glassner arbeitet jetzt einen Personal-Notfallplan aus, in dem wieder Beschäftigte aus anderen Abteilungen des Landratsamts vorkommen. „Wir schulen die Leute im eigenen Haus“, erklärt Basel. Unterdessen warten die Verantwortlichen auf die Vorgaben der Landesregierung. Wird es wieder eine Maskenpflicht geben? Gibt es eine Testpflicht? „2020 haben wir davon profitiert, dass wir im Sommer die Arbeit der Krisenstäbe nie eingestellt haben, obwohl die Fallzahlen niedrig waren“, erinnert der Sozialdezernent. Er ist froh, dass der Landkreis im Jahr 2015 das große Gebäude im Industriepark langfristig gemietet hat. Die geplante Unterbringung von Geflüchteten kam dort nie zustande.

Wenn der Datenschutz bremst

Die Verantwortlichen im Landkreis beschäftigen sich zudem mit der Frage, wie sie die Impfquote erhöhen können. Das Gesundheitsamt wirbt aktiv für Impfungen. „Dass es kaum Privilegien für Geimpfte gibt, macht es uns schwer“, stellt Stefan Basel fest. „Wir würden gerne wissen, in welchen Regionen die Impfbereitschaft besonders schwach ist, um die Menschen dort direkt ansprechen zu können.“ Das passt aber nicht zu den Datenschutzrichtlinien.