Roland Klein hat einst den heutigen deutschen Fußball-Bundestrainer Jogi Löw beim FC Winterthur als Spieler und Juniorentrainer eingestellt. Und andere Fußballgrößen, wie Pep Guardiola, Stefan Effenberg und Mario Basler, lockte er am Ende ihrer Karriere in die Wüste. Nach Katar, wo es neben unendlichen Sandgebieten auch viele Ölquellen gibt, die das Geld reicher Scheichs sprudeln lässt. Solche hatten in den 90-er Jahren den heute 60-jährigen Roland Klein beauftragt, den Fußball in arabischen Ländern zu vermarkten, wie mit Hilfe von Altstars. Klein lebt längst wieder in der Region. Im vergangenen Jahr übernahm er als Investor und Präsident den traditionsreichen Fußballclub Schaffhausen im Hegauer Grenzgebiet.

Roland Klein umreisst seine Ziele mit dem FC Schaffhausen.
Roland Klein umreisst seine Ziele mit dem FC Schaffhausen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Den Verein vor der Insolvenz retten und in eine rosigere Zukunft führen, setzte er sich zum Ziel. Dabei belastet ihn eine schwere Hypothek. Die 8000 Zuschauer fassende, topmoderne Fußball-Arena Lipo-Park, die der 2018 verstorbene Aniello Fontana und die Metha-Bau für Kosten von 60.000 Franken erstellt hatte, ist nicht nur wegen Corona schwach belegt.

Treffen der alten Weggefährten nach der Beisetzung des früheren Präsidenten des FC Schaffhausen, Aniello Fontana: (von links) die früheren Spieler Rolf Fringer, Axel Thoma mit Gattin Susanna und Jogi Löw vor dem Schaffhauser Münster.
Treffen der alten Weggefährten nach der Beisetzung des früheren Präsidenten des FC Schaffhausen, Aniello Fontana: (von links) die früheren Spieler Rolf Fringer, Axel Thoma mit Gattin Susanna und Jogi Löw vor dem Schaffhauser Münster. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Die Mietkosten sind enorm und gut zehnmal so hoch wie im Vorgänger-Stadion im Stadtgebiet Breite“, erklärt Klein im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Vermieter ist die Firma Fontana Invest der Familie des früheren Präsidenten. Das Problem des Nachfolgers Klein: Spielt der FC Schaffhausen noch länger in der zweithöchsten Schweizer Klasse, der Challenge League, droht dem Verein und dem Spielbetrieb das Ende, wie Klein betont.

Fernsehgeld als wichtige Einnahme

„Wir müssen in den nächsten zwei bis drei Jahren in die Super League aufsteigen und erstklassig spielen. Dann kämen wesentlich mehr Zuschauer als zu den Spielen der Challenge League„, so Klein. Noch wichtiger für ihn: „Das Fernsehgeld würde auf das sechs- bis siebenfache als bisher aufgestockt. Das ist für uns ein eminent wichtiger wirtschaftlicher Faktor, um den Jahresetat decken zu können. Der beträgt derzeit 3,5 Millionen Euro.“ Der FC Schaffhausen hat mit Hilfe von Klein und weiteren Sponsoren kräftig in Spieler für die neue Saison investiert, um die ins Auge gefassten Ziele erreichen zu können.

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Kapazität von 20.000 Besuchern

Der 2017 eröffnet Lipo Park sollte auch zu einem modernen Fußballtempel Veranstaltungstempel mit optimalen Bedingungen außerhalb von Fußballspielen werden. Zu Events, wie hochkarätigen Konzerten, könnten um die 20.000 Besucher kommen. Dies gilt aber nicht derzeit. Der schweizerische Bundesrat hat ganz aktuell am Dienstag beschlossen, dass bis auf Weiteres nur 50 Personen zu Großveranstaltungen, wie auch Profi-Fußballspielen, zugelassen sind. „Die Infrastruktur ist bestens. Es gibt rund um den Lipo Park im Herblinger Industriegebiet genügend Parkplätze und in direkter Nachbarschaft eine Bahn-Haltestelle“, schildert Klein. Ein Konzert mit der Schlagersängerin Andrea Berg mit einer spektakulärer und aufwendigen Bühnenshow hatte im August des vergangenen Jahres etwa 7000 Besucher in den Lipo Park gelockt. Mehr wären möglich gewesen.

Andrea Berg bei ihrer fulminanten Bühnenshow mit der Band und dem Tanz-Ensemble.
Andrea Berg bei ihrer fulminanten Bühnenshow mit der Band und dem Tanz-Ensemble. | Bild: Tesche, Sabine

„Wir haben eine Bewilligung von der Stadt Schaffhausen, zwölf größere Veranstaltungen im Lipo Park außerhalb des Fußballbetriebs auszuführen“, so Klein. Der Verein suche als Untervermieter den Kontakt mit Veranstaltungsagenturen, wie dies beim Andrea-Berg-Konzert geschehen sei. „Durch die unwägbaren Corona-Verordnungen, die wieder weiter verschärft werden können, ist es derzeit kaum möglich, Veranstalter zu gewinnen“, gibt sich Klein skeptisch.

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Eine wichtige Zielgruppe seien auch Besucher aus der grenznahen deutschen Nachbarschaft. Das gelte für Fußallspiele genauso wie für andere Veranstaltungen. Klein weiß aber auch, um die Zugkraft mächtig steigern zu können, sind fußballerische Erfolge und der angepeilte Aufstieg genauso unabdingbar wie eine deutliche Entspannung der Corona-Pandemie.

Verein will vernünftig wirtschaften

„Selbst, wenn wir sportlich aufsteigen, müssen wir wirtschaftlich weiter vernünftig agieren, damit der FC Schaffhausen langfristig eine gute Zukunft hat“, erklärt Klein. Die vakante Position des Sportdirektors hat Bernt Haas übernommen. Der frühere Schweizer Nationalspieler gilt laut Klein als sehr kompetent und gut vernetzt, was helfe, wenn es um die Verpflichtung neuer Spieler gehe. So soll es auch gelingen, die in Schaffhausen stark vorhandene Fußballbegeisterung neu zu wecken.

Corona bremst Zuschauer aus

Nach fünf Spielen rangiert der FC Schaffhausen auf einem Mittelfeldplatz. Die Zuschauerzahl hat sich um die eintausend eingependelt. Nun folgt aber nach dem Beschluss des Bundesrats das vorläufige Aus für einen Stadionbesuch. „Es gibt aber ohnehin viele Menschen, die aus Sorge wegen Corona Fußballspielen fernbleiben“, betont Klein. Die Zuschauer-Einnahmen machten weniger als 20 Prozent der Kostendeckung aus. Der FC Schaffhausen spielt am Samstag, 31. Oktober, um 19 Uhr im Lipo Park gegen den SC Kriens.