Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich im Kreis Konstanz 12.000 Einwohner (Stand: 25. August) mit dem Virus angesteckt. Aktuell steigen die Infiziertenzahlen im Kreis, in Baden-Württemberg und Deutschland an. 225 Menschen im Kreis gelten momentan als infiziert. Unter den Erkrankten sind auch Personen, die vollständig geimpft sind. Eine Bestandsaufnahme der Lage im Landkreis Konstanz:

Seit kurzen steigen die Infektionszahlen wieder an. Kann das Gesundheitsamt einen Grund für den Anstieg feststellen?

Einen einzigen Grund auszumachen ist schwierig. Denn wo sich Menschen anstecken – etwa bei der Arbeit, in der Familie, bei Veranstaltungen oder im Bus – ist letztlich kaum herauszufinden. Aber das Gesundheitsamt hat einen Schwerpunkt ermittelt: „Wie im vergangenen Jahr liegt ein Schwerpunkt bei Reiserückkehrern. Auffallend ist ein häufiger Bezug zu Südosteuropa“, schreibt Marlene Pellhammer, Pressesprecherin des Landratsamtes, auf SÜDKURIER-Nachfrage.

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Wie viel Prozent der Neuansteckungen macht die Delta-Variante aus?

Über 80 Prozent der Corona-Erkrankten haben sich mit der Delta-Variante angesteckt. Das bestätigt das Landratsamt. Zumindest, wenn man die positiven Proben vom 1. bis zum 22. August in Augenschein nimmt. Und noch etwas fällt auf: Die Tendenz der Delta-Variante sei steigend.

Was kann man zur Altersstruktur der jetzt Erkrankten sagen?

Der Altersdurchschnitt der aktuell Erkrankten ist ziemlich niedrig. Der „Mittelwert der aktuell Infizierten beträgt 1989er Jahrgang“, antwortet Pellhammer auf die Frage des SÜDKURIER. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele junge Menschen nicht geimpft sind.

Wie viele aktuell Infizierten sind vollständig geimpft?

Von den 194 Infizierten (Stand 24. August) sind laut Aussage der Pressesprecherin „18 doppelt geimpft, sprich Impfdurchbrüche. Seit dem Juli sind es 47 Impfdurchbrüche.“ Wichtig zu wissen: Die Impfungen dienen in erster Linie dazu, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.

Gibt es schwere Verläufe?

Zum Glück müssen zurzeit nicht all zu viele Erkrankte in den Krankenhäusern behandelt werden. „Fünf Patienten in Konstanz (zwei auf Intensiv), zwei in Singen (einer davon auf Intensiv), drei in Radolfzell (alle auf Intensiv/Überwachungsstation), einer in Stühlingen. Zum Vergleich: in unseren Akutkliniken werden derzeit 711 Patienten stationär versorgt, davon 36 intensivmedizinisch“, schreibt Andrea Jagode, Pressesprecherin des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz (GLKN), auf SÜDKURIER-Anfrage vom 24. August. Allerdings ist die Entwicklung so rasant, dass die Lage sich schnell ändert.

Gibt es auch vollständig Geimpfte, die nach einer Corona-Infektion gestorben sind?

Ja, leider. Eine Person, die vollständig geimpft war, ist an Covid-19 gestorben. Das teilt Marlene Pellhammer mit. Allerdings erklärt sie auch, dass die Person älter war und einige Grunderkrankungen hatte.

Gibt es Impfstoffe, bei denen es häufiger Impfdurchbrüche gibt?

„Hier haben wir keine prozentualen Berechnungen angestellt. Die Mehrheit der Impfdurchbrüche gibt es im Zusammenhang mit Comirnaty. Dieser Impfstoff wurde jedoch auch am häufigsten eingesetzt“, schreibt Pellhammer. Comirnaty ist der Impfstoff von Biontech.

Wie werden die Impf-Pop-Up-Termine angenommen?

„Im Durchschnitt werden bei jeder mobilen Impfaktion zwischen 20 und 50 Personen geimpft“, erklärt Pellhammer. Bei den Gemeinde-Impftagen seien es sogar deutlich mehr: Jeweils rund 200 Personen. Welchen Impfstoff bevorzugen die Impfwilligen? „Neben Biontech wird auch regelmäßig der Impfstoff von Johnson & Johnson nachgefragt“, so die Pressesprecherin.

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Ab September wird es dritte Impfungen (für Senioren) geben. Erhalten die Senioren die Impfung im KIZ und bei den mobilen Impfteams?

Ab dem 1. September gibt es die Möglichkeit, sich zum dritten mal gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Laut Sozialministerium können sich Menschen ab 80 Jahren, Personen, die in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe oder weiteren Einrichtungen mit Risikogruppen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder dort leben, impfen lassen. Auch Pflegebedürftige, die zuhause gepflegt werden sowie Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche oder unter immunsuppressiver Therapie sind impfberechtigt. Sie können im Impfzentrum, beim Hausarzt oder beim Betriebsarzt ein drittes Mal geimpft werden. Die mobilen Impfteams werden direkt die Pflege- und Altenheime bedienen. Das Kreisimpfzentrum (KIZ) in Singen ist noch bis zum 22. September geöffnet.

Wer ist noch impfberechtigt?

Nicht nur Senioren sind impfberechtigt, sondern auch „auch Personen, die ausschließlich Vektorviren-Impfstoffe von AstraZeneca beziehungsweise die Einmalimpfung von Johnson & Johnson erhalten haben, können unabhängig von ihrem Alter oder einem anderen medizinischen Grund eine Auffrischimpfung bekommen“, heißt es im Sozialministerium. Die Auffrischimpfung erfolgt für alle Gruppen erst dann, wenn die Zweitimpfung (oder im Fall von Johnson & Johnson beziehungsweise bei Genesenen die einmalige Impfung) mindestens sechs Monate zurückliegt.

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Mit welchem Impfstoff wird aufgefrischt?

„Auffrischimpfungen werden ausschließlich mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna durchgeführt“, schreibt das Sozialministerium. Erfolgte die Grundimmunisierung bereits mit einem mRNA-Impfstoff, so soll die Auffrischimpfung mit dem mRNA-Impfstoff desselben Herstellers durchgeführt werden.