Das Produktionsband bei Hügli in Radolfzell läuft noch – und das, obwohl fast die Hälfte der Belegschaft in Quarantäne oder Isolation muss. 62 positive Corona-Fälle bei dem Lebensmittelhersteller bestätigt das Landratsamt Konstanz bei seiner wöchentlichen Corona-Konferenz. „Sechs davon sind nachgewiesene Mutationen„, berichtet der Konstanzer Landrat Zeno Danner. Diese 62 Personen plus ihre Kontaktpersonen sind nun in Isolation und Quarantäne. Insgesamt 342 Testungen habe man vorgenommen. Etwa 15 Prozent der Testergebnisse stünden noch aus.

Auch in Stockach gab es bei einer Firma einen Ausbruch

Hügli ist nicht die erste größere Firma im Landkreis Konstanz, die einen Corona-Ausbruch zu vermelden hat. Vor rund zwei Wochen gab es ein größeres Infektionsgeschehen bei der Firma Gerhard Haas GmbH & Co. KG in Stockach. Dort hatten sich auch über 60 Mitarbeiter mit dem Virus, darunter auch die britische Mutation, angesteckt.

Das könnte Sie auch interessieren

Aufgefallen sind die Infizierten bei Hügli bei einer großen Testaktion durch das Gesundheitsamt. Bei dieser Aktion habe man alle Mitarbeiter des Werks 2 getestet, berichtet Endrik Dallmann, Geschäftsführer von Hügli Deutschland. Bereits vor der Aktion habe man innerhalb von zwei Wochen bei 19 Mitarbeitern einen positiven Corona-Befund erhalten. „Deshalb haben wir uns gemeinsam mit dem Gesundheitsamt dazu entschlossen, einen Massenabstrich machen zu lassen“, erläutert Dallmann den Grund für den Reihentest.

Verschiedene Viren konnten nachgewiesen werden

Das war eine gute Entscheidung. Wie Marie-Luise Weber, Ärztin beim Gesundheitsamt, erklärt, habe man unterschiedliche Virenstämme bei den infizierten Mitarbeitern gefunden. „Es gibt dort eine bunte Mischung. Wir müssen verschiedene Eintragungen dort haben“, sagt die Ärztin.

Das könnte Sie auch interessieren

Übersetzt heißt das: Unter den Testergebnissen gibt es sowohl die britische Mutation als auch den „normalen“ Virenstamm. Die Mitarbeiter haben sich also unabhängig von einander angesteckt. Die produzierten Lebensmittel könne man aber bedenkenlos konsumieren, versichert Weber: „Es spricht nichts dagegen, die Lebensmittel zu kaufen und zu essen.“

Alle 48 Stunden ein Schnelltest

Gegen mögliche Ansteckungen möchte man jetzt verstärkt vorgehen. Obwohl es bei Hügli schon ein gutes Hygienekonzept gebe, werde es noch an einzelnen Stellen angepasst, erklärt Weber. Unter anderem mit Corona-Schnelltests. „Das wird ein dickes Standbein sein“, sagt Weber.

Das könnte Sie auch interessieren

Das bestätigt auch Endrik Dallmann. „Wir werden alle unsere Mitarbeiter mindestens alle 48 Stunden mit einem Schnelltest testen lassen. Wir haben bereits damit angefangen“, sagt der Geschäftsführer. Am Dienstag (23.2.) hätten 132 Mitarbeiter einen Schnelltest gemacht. „Alle negativ“, sagt Dallmann.

Eine bunte Corona-Mischung

Die „bunte Mischung“, die bei den Tests bei Hügli herauskam, spiegle das Infektionsgeschehen im Kreis wieder, sagt Danner. Rund ein Drittel der nachgewiesenen Corona-Fälle im Kreis seien Mutationen.

Das könnte Sie auch interessieren

127 Mutationen konnten die Labore bisher nachweisen. Bei 124 handelt es sich um die britische Mutation, bei dreien um die südafrikanische. Diese sollen ansteckender sein als das herkömmliche Virus. Marcus Schuchmann, ärztlicher Direktor des Klinikums Konstanz, erklärt, dass der R-Wert (Reproduktionszahl) der Mutationen zwischen 0,3 und 0,5 höher liegt als bei der normalen Variante.

Weiterhin keine Ausgangssperre für den Kreis Konstanz

Aktuell liegt der R-Wert für Deutschland laut Robert-Koch-Institut bei 1,05. Zurzeit gibt es im Kreis 317 Corona-Fälle (Stand: 23.2.). Die Sieben-Tages-Inzidenzwert liegt bei 78,9 (Stand: 22. Februar). „Da wir mehr als sieben Tage über dem Inzidenzwert von 50 liegen, könnten wir eine Allgemeinverfügung erlassen“, sagt Danner. Das würde eine erneute Ausgangssperre bedeuten. Diesen Kurs möchte Danner aber nicht fahren. „Ich möchte vielmehr das Verständnis bei den Unternehmen schärfen“, sagt er.