Mülltrennung scheint Glückssache zu sein, möchte man beim Blick in manche Abfalltonne meinen. Pizzakartons mitsamt angenagter Pizza in der Papiertonne, Plastiktüten in der Biotonne. Was die Sorgfalt in Sachen Mülltrennung anbelangt, „da gibt es noch Luft nach oben“, sagt Eva Beil, Sachgebietsleitung Vertrieb Abfallwirtschaft der Entsorgungsbetriebe der Stadt Konstanz (EBK). Noch immer kursiere der Irrglaube, der gesamte Müll werde ohnehin verbrannt und die Trennung wäre für die Katz.

„Stimmt nicht“, sagt Eva Beil und verweist auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz, demgemäß es gelte, Abfall möglichst wiederzuverwerten. Dem Biomüll kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn: „Aus ihm wird Kompost, der vorwiegend von Landwirten, Gartenbaubetrieben und Winzern wieder auf Feldern und Weinbergen ausgebracht wird“, so Beil, und fügt hinzu: „Der Kompost wird zuvor auf Qualität und Schadstoffe geprüft.“

Kein Plastik auf den Feldern

Der größte Irrtum bei der Mülltrennung: Bioplastik! „Bereits 1992 haben wir in Konstanz die Biotonne eingeführt und waren auf einem so guten Weg. Unser Biomüll hatte sehr gute Qualität – bis dann die sogenannten biologisch abbaubaren Tüten kamen“, sagt Eva Beil und seufzt.

Was ihr leid tut: „Die Leute kaufen diese Plastiktüten im guten Glauben.“ Spaßeshalber habe sie mal das Kleingedruckte auf den Verpackungen der sogenannten Bioplastiktüten gelesen. „Da stand: Erkundigen Sie sich beim örtlichen Entsorger.“ Eva Beil schüttelt den Kopf: „Ich kenne kein Kompostierwerk, das sagen würde: Ihr dürft.“ Abgesehen von den Zweifeln, ob Bioplastik wirklich rückstandsfrei abbaubar ist: Plastik jedweder Art wird sofort aus dem Biomüll herausgefischt, schließlich kommt der Kompost letztlich wieder auf die Felder. Wer will da Plastik?

Papier statt Plastik verwenden

Das Aussortieren unterschiedlichen Plastiks sei im Workflow schlichtweg nicht machbar, schließlich sehe man den Tüten nicht an, ob sie vermeintlich abbaubar seien oder nicht. Von daher rät Eva Beil, auf sogenanntes Bioplastik zu verzichten und den Biomüll herkömmlich in Zeitungspapier einzuwickeln. Taschentücher, Küchentücher und Servietten, auch wenn sie bunt bedruckt sind, gehören in die Biotonne.

Papier ist ein hochwertiger, wiederverwertbarer Rohstoff und wird – wie auch Kartonagen – in der blauen Tonne gesammelt. Gebhard Schulz, Leiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Landratsamtes Konstanz, bezeichnet Papier als „werthaltig“. Allerdings wäre die Qualität auch schon einmal besser gewesen.

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Doch das Mischungsverhältnis habe sich in den letzten Jahren wegen der vermehrten Online-Käufe stark geändert. Während die Mengen an klassischem Papier und Druckerzeugnissen sinke, stiegen die Mengen an Kartons. Das Ganze werde recycelt und über Papierfabriken wieder dem Kreislauf zugeführt. „Früher war das auskömmlich“, so Gebhard Schulz, doch die Papierpreise seien stark gesunken. Zwar „bekommt man noch etwas Geld, aber wenn man den Aufwand gegenrechnet, ist doch ein Zuschuss nötig“.

Plastikverpackungen nicht spülen

Vom Ausspülen der Verpackungen, die in den gelben Sack gehören, hält Eva Beil nicht viel. Sie weist auf den unnötigen Verbrauch von Wasser und Energie hin, denn vor dem Recycling würden die Kunststoffe ohnehin heiß gewaschen. Viel wichtiger sei, die unterschiedlichen Materialien voneinander zu trennen. Das heißt: Deckel von Tuben und Getränkeflaschen abschrauben, Aludeckel vom Joghurtbecher entfernen und alles lose in den gelben Sack geben.

7935 Tonnen Altglas fallen im Durschnitt pro Jahr im Landkreis Konstanz an. Das Altglas wird komplett wiederverwertet. Die farbliche Sortierung ist wichtig.
7935 Tonnen Altglas fallen im Durschnitt pro Jahr im Landkreis Konstanz an. Das Altglas wird komplett wiederverwertet. Die farbliche Sortierung ist wichtig. | Bild: Scherrer, Aurelia

„Glas ist toll, denn es wird zu 100 Prozent wiederverwertet“, findet Eva Beil, die mit dem Irrtum aufräumt, die Trennung nach Farben sei egal. Die Glasfahrzeuge seien mit unterschiedlichen Kammern für die verschiedenen Glassorten ausgerüstet, sodass die Fuhre sortenrein zum Recycling geliefert werde.

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Zweifel haben die Menschen bei blauem Glas. „Die meisten stellen die Flaschen dann einfach auf den Container, was man keinesfalls tun sollte“, so Beil. Doch wohin damit? Die einfache Antwort: „Blaues Glas kommt ins Grünglas.“ Generell sollten Verschlüsse von Altglas im gelben Sack entsorgt werden. Gleichwohl ist es kein Drama, wenn Deckel und Verschlüsse auf den Flaschen belassen werden, denn diese können mittels spezieller Maschinen aussortiert werden. Echte Korken hingegen gehören auf die Wertstoffhöfe.

Restmüll wird komplett verbrannt

Tatsache ist: Restmüll wird nicht mehr sortiert, sondern komplett verbrannt und damit dem Wertstoffkreislauf entzogen. Die Entscheidung, was definitiv nicht wiederverwertet werden kann, will wohl überlegt sein. Klar ist in Corona-Zeiten: Mundschutz und Einweghandschuhe gehören in den Restmüll, um den möglicherweise enthaltenen Viren den Garaus zu machen.

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Auch Medikamente, die letztlich rückstandsfrei verbrannt werden, gehören in den Restmüll, betont Eva Beil. Auf gar keinen Fall in der Toilette oder über das Waschbecken entsorgen, da die Inhaltsstoffe in der Kläranlage nicht richtig abgebaut werden könnten und damit in den See, Flüsse, in das Grundwasser und somit ins Trinkwasser gelangen. Papierverpackung und Beipackzettel gehören selbstverständlich in die blaue Tonne, Blisterverpackungen in den gelben Sack und Fläschchen in den Glascontainer.