Die gute Nachricht zuerst: Im aktuellen Schuljahr unterrichten an allen Schulen im Kreis Konstanz so viele Menschen, dass die Einrichtungen arbeitsfähig sind. In Zahlen: Die Realschulen sind beim Pflichtunterricht zu 101,4 Prozent versorgt, die Gemeinschaftsschulen zu 99,1 Prozent, die Werkrealschulen zu 101,6 Prozent und die Grundschulen zu 104,3 Prozent. Dies teilte das Staatliche Schulamt Konstanz mit, das für die Lehrerversorgung in den Kreisen Konstanz und Tuttlingen zuständig ist (außer Gymnasium).

Neue Berechnung bei Versorgung

Allerdings wird diese Aussage getrübt durch die Tatsache, dass nicht nur ausgebildete Lehrer mit unbefristeten Verträgen eingestellt wurden, sondern in dieser Statistik auch alle schwangeren Lehrerinnen einberechnet sind sowie alle Lehrer, die einer Risikogruppe angehören und nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können. Außerdem zählen auch so genannte Nichterfüller mit befristeten Verträgen dazu. Nichterfüller haben kein abgeschlossenes Lehramtsstudium, verfügten aber über eine passende Ausbildung.

Gerhard Schlosser, Schulrat: „Nur an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sind wir stark auf Personen ohne Lehrbefähigung angewiesen.“
Gerhard Schlosser, Schulrat: „Nur an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sind wir stark auf Personen ohne Lehrbefähigung angewiesen.“ | Bild: Kirsten Astor

Was das Schulamt sagt

„Gerade bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ, früher Sonderschulen; Anm. d. Red.) ist dieser Anteil sehr hoch“, schreibt das Staatliche Schulamt in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage präzisiert der zuständige Schulrat Gerhard Schlosser: „Im Kreis Konstanz machen die Seiteneinsteiger an den Grundschulen rund ein Prozent des Kollegiums aus, bei den Werkreal- und Gemeinschaftsschulen zwei Prozent, bei den Realschulen nur 0,5 Prozent. Bei den SBBZ liegt dieser Anteil bei 15 Prozent.“

Verträge für Seiteneinsteiger

Ist das System inzwischen so kalkuliert, dass es ohne Pensionäre und Nichterfüller gar nicht mehr geht? Das sieht Gerhard Schlosser nicht so: „Nur an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sind wir stark auf Personen ohne Lehrbefähigung angewiesen. Doch wir konnten einigen erfahrenen Seiteneinsteigern unbefristete Verträge anbieten und diese wertvollen Kräfte auch in den kommenden Jahren sicher einsetzen.“

Eine der Schulen, an deren Fächerkanon sich im Zuge einer Fusion von Berufsschulen einiges ändern soll: die Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz.
Eine der Schulen, an deren Fächerkanon sich im Zuge einer Fusion von Berufsschulen einiges ändern soll: die Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz. | Bild: Brunhöber, Eike

Arbeiten mit Risikogruppe

Auch Schwangere und Lehrer, die der Risikogruppe angehören (nachgewiesen durch ärztliches Attest), seien für die Schulen nicht verloren, betont Gerhard Schlosser: „Sie arbeiten von zu Hause aus und bieten zum Beispiel Fernlernen an.“ Viele Schulen setzten diese Lehrer auch für individuelle Förderangebote ein, damit Schüler im Fernlernunterricht nachholen können, was sie noch nicht verstanden haben. „Seit Beginn dieses Schuljahres dürfen schwangere Lehrerinnen außerdem freiwillig Präsenzunterricht leisten“, so der Schulrat.

Fehlende Lehrer

Im ländlichen Raum ist es schwierig

Während in den Ballungszentren des Regierungsbezirks Freiburg alle offenen Stellen besetzt werden konnten, offenbart das dortige Regierungspräsidium (RP) eine bekannte Schwachstelle: Im ländlichen Raum mangelt es an Bewerbern. So sind im Landkreis Konstanz noch 16 Stellen offen, zehn davon an Grundschulen an der Landkreisgrenze. Fünf Grundschulrektoren werden noch gesucht. Das RP nennt weiterhin Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Vertretungslehrern. Laut Gerhard Schlosser bittet das Staatliche Schulamt deshalb Teilzeitlehrer, vorübergehend ihr Deputat zu erhöhen, und gewinnt Pensionäre für einige Stunden Unterricht. Außerdem werden Gymnasiallehrer an Grundschulen eingesetzt, wenn sie dazu bereit sind.

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