Bahnkunden im Osten des Landkreises Konstanz müssen weiterhin tapfer sein. Nach dem Gewittersturm am späten Dienstagabend bleibt die Strecke Konstanz–Radolfzell laut Deutscher Bahn (DB) bis einschließlich Samstag, 15. Juli, gesperrt. „Das ist eine vorsichtige Schätzung“, sagte DB-Sprecher Reinhold Willing dem SÜDKURIER. Der Seehas der SBB Deutschland verkehrt also auch weiterhin nur zwischen Engen und Radolfzell, der Regionalexpress von und nach Offenburg nur bis und ab Radolfzell.

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Fernverkehr ist noch länger betroffen

Für den weiteren Fernverkehr prognostiziert die Bahn einen Ausfall bis „Tagesbeginn 16. Juli“ – also genauso lange. Diese Züge fahren vorerst nur noch bis Singen, weil der Radolfzeller Bahnhof mit dem ganzen Wendeverkehr überlastet wäre. Betroffen ist dann auch der ICE, der am Wochenende das westliche Bodenseeufer direkt mit Hamburg verbindet.

Grund für die anhaltende Sperrung seien die gefährlichen und komplizierten Aufräumarbeiten auf und an der Strecke, vor allem im Bereich zwischen Radolfzell, Markelfingen und Allensbach, wie Willing erklärte. Dort waren Bäume auf die Strecke und die Oberleitung gestürzt. „Die Arbeiten an der Leitung gehen wohl zügig voran“, so Willing, das Problem seien aber die Bäume. Und zwar die, die gerade noch so stehen.

Der Wochenend-ICE von und nach Hamburg wird diese Woche wohl nicht durch Allensbach fahren.
Der Wochenend-ICE von und nach Hamburg wird diese Woche wohl nicht durch Allensbach fahren. | Bild: Rolf Wiehler | SK-Archiv

„Sehr viele Bäume entlang der Strecke sind beschädigt und drohen umzustürzen“, sagte der Bahnsprecher. Baumkronen sind abgeknickt und hängen lose an den Stämmen. Weitere Äste könnten bei Windböen auf die Gleise fallen. „Wir nehmen die Strecke erst wieder in Betrieb, wenn diese Gefahr beseitigt ist!“ Etwa ein Dutzend Mitarbeiter seien im Einsatz, wie viele genau, konnte Willing aber nicht sagen.

Was die Angelegenheit erschwert: Viele Bäume stehen auf privatem Grund und Boden. Deshalb sind laut dem Bahnsprecher auch Abstimmungen mit den Eigentümern nötig – sind die nicht erreichbar, müsse geklärt werden, wie man das Problem wegen Gefahr in Verzug trotzdem lösen kann.

Die aktuellen Sturmschäden bei Allensbach. Das Problem sind nicht die Bäume, die schon auf den Gleisen liegen. Die können einfach ...
Die aktuellen Sturmschäden bei Allensbach. Das Problem sind nicht die Bäume, die schon auf den Gleisen liegen. Die können einfach entfernt werden. Das Problem sind die, die noch umzustürzen drohen. | Bild: Rolf Wiehler

Zu wenig Busse beim Schienenersatzverkehr?

Der Schienenersatzverkehr zwischen Radolfzell und Konstanz, der am Mittwoch, 12. Juli, mit gerade mal zwei Pendelbussen auf der überlasteten B33 abgewickelt werden musste, wird in gemeinsamer Anstrengung von DB Regio und SBB gerade ausgebaut. Am Donnerstag fuhren zunächst vier Busse, weitere versuchen die Verantwortlichen zu organisieren.

„Ideal wären zehn“, sagte Daniel König, Sprecher der SBB Deutschland. Aber das sei angesichts der knappen Kapazitäten bei den Busunternehmen wohl unrealistisch. Grund dafür sind unter anderem die umfangreichen Bahn-Bauarbeiten im Raum Stuttgart, wie DB-Sprecher Willing erläuterte. Dort seien bereits viele Busse im Schienenersatzverkehr gebunden.

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„Wir telefonieren gerade halb Baden-Württemberg ab“

Wenn dann noch ein ungeplanter Notfall dazukommt, dann wird es eng mit Fahrern und Bussen. „Wir haben alle Partnerunternehmen angesprochen, die wir haben“, betonte Willing. Und auch SBB-Kollege König ist seit Mittwoch ständig am Telefon – von ihm kamen am Donnerstag die zwei zusätzlichen Busse, losgeeist bei zwei regionalen deutschen Anbietern. „Wir telefonieren gerade halb Baden-Württemberg ab.“

Kritik von Fahrgästen hatte es auch wegen der mangelhaften Kommunikation der Bahn am Mittwoch gegeben. Viele Menschen standen ratlos auf Bahnsteigen herum, manche stundenlang. „Es gab keinerlei Entschuldigungen, geschweige denn Informationen oder Erklärungen von Bahn-Seite“, schreibt der Konstanzer Thomas Büchi in einem Leserbrief an den SÜDKURIER.

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Bahn bedauert Versäumnisse vom Mittwoch

Die liefert nun Reinhold Willing von der Deutschen Bahn in Stuttgart nach. Der Ärger der Fahrgäste sei verständlich, sagte er. „Es gab intern längere Zeit keine Prognose und Information, weil der Zustand der Strecke nicht klar war.“ Aber wenigstens das hätte man den vergeblich wartenden Passagieren mitteilen können.

Getreu dem Motto: Besser informieren, auch wenn es keine besseren Informationen gibt. „Wir bedauern, dass es uns am Mittwoch nicht gelungen ist, einen Schienenersatzverkehr mit ausreichend Bussen einzurichten – und dass wir das den Leuten nicht gesagt haben.“