Ungewöhnlich: Kein Temperatureinbruch und kein ausgedehntes Tief während der berüchtigten Eisheiligen – der Tage zwischen 12. und 15. Mai. Die grobe Wetterregel lautet: In etwa zu dieser Zeit kann es nochmals Nachtfröste geben, Neupflanzungen und Blüten sind in Gefahr.

Zu den Eisheiligen kann es Frost geben – noch?

„Wenn ein Kaltlufteinbruch zu dieser Jahreszeit kommt, dann kann es nachts den Nullpunkt erreichen“, präzisiert Uwe Schickedanz, Leiter der regionalen Wetterberatung des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart, am Telefon. Dass der Kälteeinbruch zu den Eisheiligen komplett ausbleibe, sei nicht ungewöhnlich. „Das gab es schon oft.“ Einen Bezug zum Klimawandel gebe es allerdings: „Die Bedeutung der Eisheiligen – die Gefahr von letzten Nachtfrösten – wird sich im Zuge des Klimawandels abschwächen, oder sie verlagern sich auf Anfang Mai.“

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20 Grad und mehr: Das ist für Mai deutlich zu warm

Dennoch: Die Wetterlage ist ungewöhnlich, das sieht auch der Deutsche Wetterdienst so. Im Mai herrsche im Kreis Konstanz und auch im Bodenseekreis in der Regel eine durchschnittliche Temperatur von 15 Grad, mit Tagestemperaturen von 20 bis 21 Grad und Nachttemperaturen um acht Grad. Am 18. Mai 2022 aber lag die Durchschnittstagestemperatur bei 20, 6 Grad. „Das ist deutlich erhöht“, sagt Schickedanz. „Wir sind hiermit am oberen Rand des Normbereichs. Für die Jahreszeit ist das eine extreme Wärme.“

Die Studenten Leonie Kolb, Anna Haitzer und Konstantin Trucksäß kühlen sich bei der Hitze schon mal ab – und hoffen auf einen ...
Die Studenten Leonie Kolb, Anna Haitzer und Konstantin Trucksäß kühlen sich bei der Hitze schon mal ab – und hoffen auf einen schönen Sommer. | Bild: Hanser, Oliver

Ganz einfach sei die Analyse dennoch nicht. Charakteristisch für das mitteleuropäische Klima ist, dass die Temperaturschwankungen, also die Abweichungen vom Mittel, generell groß sind. „Temperaturen in anderen Klimazonen sind sehr viel besser voherzusagen“, sagt Schickedanz. Auch die hohen Temperaturen haben deshalb mit dem auch am Bodensee erheblichen Klimawandel zu tun – der Zusammenhang ist aber vorsichtig zu bewerten: „Ein einzelnes Hitzeereignis ist Zufall. Aber es wird nicht bei Einzelereignissen bleiben.“

Regnet es am Bodensee zu wenig?

Auch beim Thema Niederschlag ist dem eigenen Eindruck nur bedingt zu trauen. „Im Bereich Konstanz und Bodenseekreis geht es uns im Mai bei der Regenmenge gar nicht schlecht“, sagt Schickedanz. Der Durchschnitt liege bei 85 Millimetern. Bislang habe es im Mai 54 Millimeter Niederschlag gegeben. „Geht es also so weiter, kommen wir auf einen Schnitt von 109 Prozent.“

Gewittrige Stimmung am 19. Mai 2022 über Konstanz: der Blick vom Bismarckturm aus
Gewittrige Stimmung am 19. Mai 2022 über Konstanz: der Blick vom Bismarckturm aus | Bild: Hanser, Oliver

In anderen Regionen, etwa in Norddeutschland, sei die Lage deutlich prekärer mit extremer Trockenheit. Nach wie vor gebe es aber auch im Süden ein Niederschlagsdefizit aus den Jahren 2018 bis 2020. Der Mangel an Regen sei also kein akutes Problem, aber der Wasserspeicher sei kaum aufgefüllt.

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Wie geht es weiter?

Ob es einen sehr heißen Sommer geben werde, sei nicht vorherzusagen. „Ist es im Frühling sehr warm, erhitzt sich das Festland schneller als das Meer um Europa. Dadurch steigt Luft auf, und der Luftdruck geht zurück. Das wäre dann ein Hitzetief“, erläutert Schickedanz. Das wiederum könne zu regnerischem Wetter im Hochsommer führen. Verlässlich sei aber auch dieser Indikator nicht mehr, ergänzt er. In den vergangenen Jahren habe es trotz trocken-warmen Frühjahrs auch oft einen heißen Sommer gegeben.