Noch am selben Tag der Veröffentlichung eines Zeugenaufrufs in der Tageszeitung treffen die ersten Anrufe bei der Polizei ein. Sie sind eine hilfreiche Unterstützung bei den laufenden Ermittlungen, erklärt Dieter Popp, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.

„Teilweise melden sich die Straftäter sogar selbst.“ Das liege daran, dass der Zeugenaufruf in der Öffentlichkeit die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, erhöht. Dann ist es besser, die Tat nicht zu vertuschen und sich lieber selbst anzuzeigen, denken wohl viele.

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Wie hilfreich Zeugenaufrufe für die Polizei sind, zeigt ein Fall aus dem vergangenen November, als ein Falschfahrer auf der A 81 einen tödlichen Unfall verursachte. Stephan Damisch, Leiter des Verkehrsdiensts Mühlhausen-Ehingen, berichtet: „Es gab fünf Zeugenaussagen an die zuständige Dienststelle. Einer davon hat durch einen entscheidenden Hinweis zur lückenlosen Aufklärung des Falls beitragen können.“ Dieser eine Zeuge war Andreas Grieninger aus Villingen-Schwenningen.

Andreas Grieninger hat als Zeuge die Ermittlungen zum Falschfahrer-Unfall auf der A81 stark vorangetrieben.
Andreas Grieninger hat als Zeuge die Ermittlungen zum Falschfahrer-Unfall auf der A81 stark vorangetrieben. | Bild: Andreas Grieninger

„Wir waren gerade auf der Rückfahrt von einer Baustelle, als wir ein Fahrzeug sahen, das quer zu uns stand“, erklärt Grieninger, Geschäftsführer eines kleinen Schwarzwälder Handwerkbetriebs. Er und zwei seiner Monteure waren am Abend eines Novembertags auf der A 81 auf dem Heimweg nach Villingen-Schwenningen, als sie kurz vor der Ausfahrt Engen einen Falschfahrer entdeckten und diesem ausweichen mussten. Die drei hatten Glück, es war noch nicht ganz dunkel und die Sicht klar.

Sie riefen sofort die Polizei an und informierten diese über den Vorfall. Nur wenig später hörten sie den Hinweis im Radio. „Ich habe erst einen Tag später durch den SÜDKURIER erfahren, dass der Fall ein trauriges Ende nahm“, sagt Grieninger. Der Falschfahrer verursachte nur kurz nach der Begegnung mit dem Handwerker-Team einen tödlichen Unfall.

Auch kleine Hinweise lohnen

Grieninger weiter: „Meine Frau hat dann die Polizei angerufen, die daraufhin bei uns zu Hause vorbeikam, um mich zu meinen Beobachtungen zu befragen. Die Polizisten waren froh, dass sich jemand auf den Zeugenaufruf gemeldet hat.“

Vor Gericht musste er nicht aussagen. Dass dieser Fall über einen Zeugenaufruf so vorangetrieben wurde, ist nicht alltäglich, erklärt Damisch. Es lohnt sich also, jeden noch so kleinen Hinweis an die Polizei weiterzugeben.

„Durch die Aufrufe in der Tageszeitung konnte die Polizei im Kreis Konstanz bereits schwerwiegende Fälle wie Tötungsdelikte aufklären“, sagt Popp, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Auch beim Brand der Scheffelhalle in Singen meldeten sich laut Polizei etwa 20 Personen auf den Zeugenaufruf im SÜDKURIER. „Sie trieben die Ermittlungen stark voran“, so seine Einschätzung. Nach aktuellem Stand gibt es aber noch immer keinen konkreten Verdacht.

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