Die Tage der roten SBG-Busse (Südbadenbus GmbH) im Landkreis Konstanz sind gezählt. Am 31. Dezember werden die markanten Busse ihre letzten Runden durch Radolfzell, Singen, Gottmadingen, Engen, Konstanz, Allensbach und Stockach drehen. Doch schon jetzt scheint es vielen Fahrgästen so, als ob sich das Unternehmen langsam zurückzieht. Verspätungen und Busausfälle sind dieser Tage keine Seltenheit. Das weiß auch Jürgen Marquardt, Niederlassungsleiter der SBG in Radolfzell.

Es fehlen Busfahrer

Ein Grund für die Ausfälle, sei ein akuter Personalschwund bei den Busfahrern. „Ein Teil der Fahrer hat unser Unternehmen schon verlassen. Andere wiederum sind auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle“, erklärt Marquardt. Außerdem sei der Krankenstand gerade extrem hoch. „Bei manchen Mitarbeitern ist die Motivation auch einfach nicht mehr so groß“, sagt er.

Bis zum 31. Dezember liegt die Bedienpflicht noch bei der SBG, sagt Ralf Bendl, Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen beim Landratsamt des Kreises Konstanz. Ab dem 1. Januar 2020 bedienen zwei neue Unternehmen die Region.

SBG fährt weiter bis zum 31. Dezember 2019

Bis dahin müsse man weiter mit Kursausfällen bei der SBG rechnen, sagt Marquardt. Aber natürlich wolle die SBG bis zum Schluss ihr Bestes geben. An den Stellen, wo dass das Busunternehmen weiß, dass sie gerade nicht fahren kann, will sie Subunternehmen einsetzen, „um den Verkehr aufrecht zu erhalten“, so Marquardt.

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Wie man Fahrgäste über Verzögerungen informieren könnte, darüber habe man sich bei der SBG und dem Landratsamt lange Gedanken gemacht. Die Antwort haben sie in einer App gefunden. In der App „Wohin du willst“ von der Deutschen Bahn speist das Unternehmen Nachrichten ein, wenn sich zum Beispiel ein Bus verspätet.

Eine App soll über Ausfälle informieren

„Leider ist es uns nicht möglich, über die App Push-Nachrichten zu verschicken“, bedauert er. Als Push-Nachrichten werden Informations-Formate bezeichnet, die ohne aktives Zutun des Nutzers zum Beispiel auf ein Smartphone zugestellt werden. Meistens werden diese von einer App direkt auf den Sperrbildschirm des Mobiltelefons, Tablets oder PC gesendet. Der Nutzer kann die Nachricht lesen, ohne die App zu öffnen.

Steht ein Fahrgast also an der Bushaltestelle und wartet, muss er aktiv die App öffnen. Unter „Neuigkeiten“ blendet die App Informationen zu Verspätungen und Ausfällen ein. „Die App ist kein Allheilmittel“, sagt Jens Bittermann, Pressesprecher des Landratsamts Kreis Konstanz. Eine weitere Möglichkeit bietet die App „SBG Mobil“. Damit könnten Nutzer in Echtzeit sehen, wo sich der Linienbus gerade befinde, erklärt Marquardt.

Wer kein Smartphone hat, muss die Hotline anrufen

Und was ist mit den Menschen, die kein Smartphone benutzen? Viele Senioren und jüngere Schulkinder besitzen kein Handy. „Diese Menschen erreichen wir leider nicht“, sagt Jürgen Marquardt. „Das wissen wir. Das tut uns sehr leid“, sagt er zerknirscht. „Wenn einer an der Bushaltestelle morgens um 6.30 Uhr steht und in der App liest, dass der Bus nicht kommt, informiert er hoffentlich auch die umstehenden wartenden Fahrgäste“, sagt Pressesprecher Jens Bittermann.

Weiterhin besteht auch die Möglichkeit im Kundencenter der SBG unter Telefon (07 11) 93 38 36 59 anzurufen. Dort ist eine Weiterleitung nach Stuttgart zum Verkehrsverbund VHB eingerichtet. Das Kundencenter sei von 9 bis 15 Uhr besetzt. „Die Kommunikationswege sind eingerichtet, aber holprig“, gibt Amtsleiter Ralf Bendl zu.

Wie geht es im Januar 2020 weiter?

In den nächsten Monate kommt es weiter zu Verzögerungen im Busverkehr. Aber wie geht es am 1. Januar mit den neuen Busunternehmen weiter? Wird es ab 2020 keine weiteren Kursausfälle geben? „Wir sind alle keine Hellseher. Wir wissen nicht, was passiert“, antwortet Bendl auf die Frage. Aber er gehe davon aus, dass der Start reibungslos gelingen werde. „Toi, toi, toi“, fügt Marquardt noch hinzu.