Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle im Landkreis steigt weiter an. Am Freitagvormittag meldete das Landratsamt 69 Infizierte – sieben mehr als noch am Donnerstagabend. Doch Helmut Eckert, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, hat auch eine gute Nachricht: Drei Personen gelten mittlerweile als genesen und konnten aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden. In den kommenden Tagen werden voraussichtlich vier weitere folgen.

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Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Erreger könnte in den kommenden Wochen jedoch trotz der bereits im Laufe der Woche verordneten Schutzmaßnahmen erheblich ansteigen, denn die Corona-Tests im Landkreis sollen ausgeweitet werden. „Wir sind dabei, ein Verfahren zu entwickeln, um die Kapazitäten deutlich zu steigern“, sagt Landrat Zeno Danner. „Ziel ist es, möglichst viel und großflächig zu testen, um die Dunkelziffer der Menschen, die das Corona-Virus in sich tragen, zu minimieren.“

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Nicht mehr nur nach RKI-Vorgaben testen

Nach den offiziellen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts werden Abstriche derzeit nur bei Personen gemacht, die Covid-19-Symptome zeigen und in einem Risikogebiet waren oder direkten Kontakt zu nachweislich Infizierten hatten. „Wir wollen die Möglichkeit schaffen, nicht mehr nur nach diesen Vorgaben zu testen, sondern auch, wenn jemand beispielsweise einen Husten hat, der länger als eine Woche anhält“, erklärt Zeno Danner.

Landrat Zeno Danner.
Landrat Zeno Danner. | Bild: Scherrer, Aurelia

Dazu, wie genau die Verantwortlichen die Abstrich- und Laborkapazitäten erhöhen wollen, will er sich noch nicht äußern. Aber der Landrat zeigt sich zuversichtlich: „Wir sind da an einer guten und großen Lösung dran.“

Krankenhaus-Alltag hat sich verändert

Unterdessen hat sich der Alltag in den Krankenhäusern des Landkreises stark verändert. „Aufgrund des weitgehenden Besuchsverbots ist es sehr ruhig und leer“, sagt Marcus Schuchmann, ärztlicher Direktor und Chefarzt des Konstanzer Klinikums. „Wir nutzen die Zeit und Ressourcen zur Vorbereitung.“

Marcus Schuchmann, ärztlicher Direktor des Klinikums Konstanz.
Marcus Schuchmann, ärztlicher Direktor des Klinikums Konstanz. | Bild: Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz

Unter anderem sei die Intensivkapazität erhöht worden, erklärt Schuchmann. Im Klinikum Konstanz wurde die Zahl der Beatmungsplätze von 14 auf 36 ausgeweitet – zusammen mit dem Hegau-Bodensee-Klinikum in Singen stehen nun insgesamt rund 80 Plätze zur Verfügung. Darüber hinaus werde voraussichtlich ab kommendem Montag ein mobiles Testzentrum im Einsatz sein.

Hotlines sind überlastet

Eine Überlastung gibt es aktuell allerdings an anderer Stelle: „Der massive Ansturm auf die Telefon-Hotlines ist ein großes Problem“, erklärt Zeno Danner. Etwa 300 Anrufer melden sich pro Tag bei der Hotline des Gesundheitsamtes und nur die wenigsten haben laut Danner medizinische Fragen. „Es geht um Finanzausgleich, um Schließungen von Gaststätten oder das Versammlungsverbot – dafür sind solche Nummern natürlich nicht gedacht“, mahnt der Landrat. Deshalb werde gerade eine Struktur geschaffen, in der die Anfragen landkreisweit gebündelt werden. „Das würde Leitstellen, Notaufnahmen, Gesundheitsämter und viele andere Stellen entlasten, deren Hotlines gerade verstopft sind“, ergänzt Schuchmann. Sobald es eine zentrale Telefonnummer für alle Anliegen rund um die Corona-Krise gibt, werde diese sofort mitgeteilt.

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Unterbringung in leeren Hotels

Ein weiteres Problem, an dem der Krisenstab um Zeno Danner arbeitet, ist die Unterbringung von Corona-Infizierten und Verdachtspersonen, deren Test­ergebnisse noch ausstehen. „Nicht bei allen ist eine häusliche Isolation in ausreichendem Maße möglich“, erklärt der Landrat. „Außerdem gehen Ärzte und Pflegekräfte nach ihren Diensten oft nicht zu ihren Familien zurück, um diese nicht anzustecken – auch sie möchten wir sinnvoll unterbringen.“ Dafür kämen laut Danner zum Beispiel Hotels infrage, die aufgrund der momentanen Ausnahmesituation leerstehen. Eines ist für den Landrat klar: „Das Bild von aufgereihten Feldbetten in Turnhallen wollen wir auf jeden Fall vermeiden.“

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Ärzte und Pflegekräfte bieten Hilfe an

Frank Hinder, ärztlicher Direktor und Chefarzt des Hegau-Bodensee-Klinikums in Singen, findet in der Krise auch lobende Worte: „Uns haben schon viele Hilfsangebote von Pflegekräften und Ärzten im Ruhestand erreicht, die uns unterstützen wollen“, so der Klinikchef. „Das ist toll und wir nehmen es gerne an – allerdings mit Augenmaß.“ Schließlich wolle man gerade ältere Kollegen nicht gefährden. Zuvor hatte das Landratsamt examinierte Pflegekräfte dazu aufgerufen, sich unter den Telefonnummern 07731/ 89-1300 (Singen) oder 07531/801-2600 (Konstanz) zu melden, wenn sie sich in dieser besonderen Situation einbringen möchten.

Der ärztliche Direktor des Singener Krankenhauses, Professor Frank Hinder.
Der ärztliche Direktor des Singener Krankenhauses, Professor Frank Hinder. | Bild: Trautmann, Gudrun

Ausgangssperren derzeit nicht geplant

Auch Zeno Danner ist froh über die Hilfsbereitschaft, die in diesen Tagen überall zu spüren ist. Trotzdem sei es weiterhin unverzichtbar, dass sich die Menschen an die vorgegebenen Maßnahmen halten. „Ausgangssperren sind aktuell nicht geplant“, so der Landrat. Sollte die Bundes- oder Landesregierung diese allerdings beschließen, würden diese Maßnahmen natürlich auch im Kreis Konstanz durchgesetzt.

Immer zuerst den Hausarzt fragen

Viele Menschen suchen wegen der Corona-Krise mit vielerlei Fragen nach Rat, oft aber an der falschen Stelle. Deshalb sind die Mediziner am Diagnostik-Telefon, aber auch Pförtner von Kliniken und Gesundheitsamt übermäßig belastet. Der Mediziner Ewald Weisschedel gibt Erläuterungen:

Symptome: Wer erkältet ist, Kontakt mit einem positiven Patienten hatte oder in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet war, bleibt zu Hause und ruft seinen Hausarzt an. Nur in diesen Fällen liegt eine Indikation zur Testung vor.

Erste Anlaufstelle: Der Hausarzt klärt die Notwendigkeit einer Testung und meldet gegebenenfalls den Patienten zur Testung an. Eine Testung ist nur gerechtfertigt, wenn ein Husten oder ein Schnupfen besteht. Bei symptomlosen Patienten ist eine Testung nicht sinnvoll.

Überlastung: Derzeit erreichen eine Vielzahl von Anrufen besorgter Patienten die Corona-Diagnosestelle, die eine Erkältung haben, aber weder in einem Risikogebiet waren noch einen Kontakt hatten. Diese Anrufe verzögern die Beratung von Personen, bei denen tatsächlich ein Abstrich im Rachen gemacht werden muss.

Fragen zum Arbeitsplatz: Medizinische Stellen sind der falsche Ansprechpartner für nichtmedizinische Anliegen. Für Fragen zu den Themen Arbeit und Jobcenter gibt es eine Telefon-Hotline bei der Agentur für Arbeit mit der Nummer (07531) 585700. Die Dienststellen sind jedoch für den Publikumsverkehr geschlossen.

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