Minka und Emi lieben ihren Garten am Ortsrand von Duchtlingen. Sie sitzen gerne auf der Treppe zum Garten oder liegen im Gras, wenn ihr Frauchen Christine Graf draußen sitzt. Die beiden Katzen, die weißes Fell mit getigerten Bereichen haben, teilen sich das weitläufige Gelände mit freilaufenden Hühnern und sind auch mal ganz gerne am nahegelegenen Bach. Trotzdem haben die beiden auch im Haus ihre Lieblingsplätze. Die siebenjährige Emi liegt zum Beispiel oft auf dem Stuhl neben einem Ofen. Die Samtpfoten fühlen sich rundum wohl. So geht es auch Luna in ihrem Reich – eine große Wohnung und zwei Hochparterre-Balkone in Stockach. Der eine oder andere Schmetterling erregt ihre Aufmerksamkeit, aber sonst gibt es nichts, was die fünfjährige Britisch Kurzhaarkatze nach draußen ziehen würde, erzählt ihr Frauchen Silvana Roloff. Christine Graf und Silvana Roloff haben sich ganz bewusst dafür entschieden, die Katzen so zu halten, wie sie es tun.

Silvana Roloff mit ihrer Britisch Kurzhaar-Katze Luna. Bild: Ramona Löffler
Silvana Roloff mit ihrer Britisch Kurzhaar-Katze Luna. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

In Duchtlingen sind die Möglichkeiten für den Freilauf da. Für Christine Graf ist es selbstverständlich, die Katzen raus zu lassen. "Ich hatte schon immer Katzen", erzählt die zweifache Mutter. "Für Kinder ist es eine tolle Erfahrung mit Katzen aufzuwachsen. Wenn sie von der Schule heim kamen, saßen die Katzen da und die Kinder hatten nie das Gefühl alleine zu sein." Minka und Emi seien nachts draußen. Tagsüber lägen sie oft auch im Haus oder bei schönen Wetter mal im Schatten unter dem Rhabarber im Garten. Sie signalisierten immer, wo sie sein wollen, und seien sehr an ihrer Familie orientiert. "Sie wissen, wann wir aufstehen oder heimkommen", erzählt Christine Graf. "Und sie laufen mit, wenn wir spazieren gehen." Als Freigänger-Katzen bringen Minka und Emi dann natürlich auch mal das eine oder andere Geschenk in Form einer Maus oder eines Vogels mit. Emi verteidige auch immer aktiv ihr Revier gegen andere Katzen.

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Früher hatten die Grafs oft Nachwuchs von Minka, den sie immer zu Besitzern weitervermittelt haben, bei denen die Katzen Freigang haben konnten. Nach dem Wurf, in dem Emi war, ließen sie Minka aber sterilisieren. Jetzt gibt es nur noch das Mutter-Tochter-Gespann.

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Obwohl Minka und Emi als Draußen-Katzen so einige Geräusche gewohnt sind, hassen sie wie viele Wohnungskatzen den Staubsauger und rennen raus, wenn er kommt. Wohnungskatze Luna ist alllerdings recht entspannt. "Toll ist er nicht, aber sie hat sich an ihn gewöhnt", erzählt Silvana Roloff.

Sie würde ihre Luna nicht hinauslassen, selbst wenn es möglich wäre. Luna dränge nicht nach draußen, sagt sie. "Sie ist sehr ängstlich und rennt gleich rein, wenn sie auf dem Balkon andere Katzen sieht." Ihre Besitzerin hätte außerdem Angst, dass jemand die Rassekatze mitnehmen könnte. Auf dem Balkon mache Luna gerne Jagd auf Insekten und schnattere Vögel an. "Sie würde die Vögel sicher auch schnappen, wenn sie näher wären."

Silvana Roloff kam vor 16 Jahren von Berlin nach Stockach und brachte zunächst einen Halbperserkater mit, der im hohen Katzenalter von 18 Jahren starb. "Ich wollte eigentlich keine Katze mehr", erzählt sie. Doch dann erfuhr sie von der einjährigen Luna. "Wenn jemand immer ein Tier hatte, geht es nur eine Weile ohne." So zog die silbergraue Katze, die eine ganz eigene Persönlichkeit hat, schließlich ein. Sie liebt den Balkon, aber ignoriert ihren Kratzbaum. Aber sie ist anhänglich und läuft ihren Menschen in andere Räume nach oder legt sich dazu. "Sie hat einen Schuhtick und wühlt sich mit der Schnauze rein oder legt auch mal ihre Spielmaus in einen Schuh", erzählt Silvana Roloff. Bei der Ernährung sei Luna etwas empfindlich. Sie vertrage nicht alles.

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Lisa Helbling aus Ludwigshafen hat einen einjährigen Kater namens Socke. Er ist ein Wohnungskater und hat das Feline Immundefizienz-Virus (FIV). Diese Immunschwächekrankheit ist vergleichbar mit dem menschlichen HIV, doch nur unter Katzen ansteckend. "Deshalb darf er nicht raus, da er sonst andere Katzen anstecken könnte", erzählt seine Besitzerin. Socke soll aber nicht alleine bleiben. In den vergangenen Monaten waren Lisa Helbling und ihr Freund deshalb auf der Suche nach einem Spielkameraden für den kleinen Wirbelwind. Das sei nicht einfach gewesen, da es auch eine Katze sein musste, die FIV-positiv ist. Am Sonntag ist es soweit und der ebenfalls einjährige Kater Manolo zieht zu Socke. Er kommt aus Spanien. Der Kontakt und sein Einzug habe sich über eine Annonce ergeben. "Wir hoffen dass er Sockes neuer Freund werden wird und die beiden sich verstehen."

Katzen mit FIV können ein ganz normales Leben führen, weiß Lisa Helbling. Sie und ihr Freund haben sich damals sogar ganz bewusst im Tierheim für Socke entschieden. "Wir wussten schon vorher, dass er FIV-positiv ist. Wir wollten eine Katze aus dem Tierheim, die schwere Vermittlungschancen hat." Im Tierheim habe man Socke wegen einiger Verletzungen liebevoll Gammelbert genannt. "Er hat uns mit seiner lieben Art sofort verzaubert."

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Eine ganz besondere Katzen-WG gibt es in Hohenfels bei Familie Riebesehl. Dort leben die sieben Katzen Oskar, Baldur, Felina, Sunny, Kitty, Koc'ka und Ringo. Außerdem gebe es noch einen Asylantenkater, der sich dazu gesellt habe und nun bald kastriert werden solle, erzählt Kerstin Riebesehl. Sie ist im Tierschutzverein Stockach und Umgebung aktiv. Über diese Arbeit kamen die Katzen auch zu ihr und ihren Eltern. "Alle haben verschiedene Alter und alle sind zu uns gekommen, als sie ein oder zwei Wochen alt waren." Ringo sei sogar nur eine Stunde alt gewesen, als sie ihn bekommen habe. Die Mutterkatze habe Probleme bei der Geburt gehabt und alle vier Jungen mussten geholt werden. Zwei wurden weitervermittelt, ein Kätzchen sei überfahren worden und Ringo lebt seither bei den Riebesehls. Nachts sei sie oft mit Füttern beschäftigt gewesen, erzählt Kerstin Riebesehl. Sie kümmern sich manchmal auch um weitere Katzen, doch mehr als die sieben plus eins bleiben nicht auf dem Grundstück. Alle Katzen dürfen raus. "Das wollen sie auch. Nur im Winter sind sie gerne drinnen."

Was eine Katze kosten kann und was das Jagdrecht zu Katzen sagt

Es gibt verschiedene Möglichkeiten an eine Katze zu kommen. Gesetzlich ist relativ wenig um die Samtpfote geregelt:

  • Rassen und Anschaffungskosten: Es gibt rund 250 verschiedenen Katzenrassen. Die Hauskatze, eine Unterart der Wildkatze, ist die typische Art, die in Deutschland gehalten wird oder frei als Streuner lebt. Der deutsche Tierschutzbund gibt das Durchschnittsalter, das Katzen erreichen können, mit 16 Jahren an. Katzen können aber auch deutlich älter werden. So hatte der Comedian Ralf Schmitz eine Katze namens Minka, die mehr als 25 Jahre alt wurde. Der Preis von Rassekatzen bei Züchtern kann bis zu 2000 Euro betragen. Kätzchen, die zum Beispiel von einem Bauernhof vermittelt werden, kosten meist nichts, doch sie sind in der Regel nicht entwurmt und geimpft. Wer sich eine Katze aus dem Tierheim holt, zahlt zwar eine Schutzgebühr von etwa 100 bis 150 Euro, aber hat den großen Vorteil, dass das Tier entwurmt, geimpft und je nach Alter bereits kastriert ist. Die Medikamente und die Operation kosten eigentlich viel mehr als diese Schutzgebühr, die Tierschutzorganisationen erheben. Manche Heime und Vereine haben in der Weihnachtszeit einen Vermittlungsstopp, damit Tiere nicht Geschenke unter dem Weihnachtsbaum werden und ein paar Monate später nicht mehr erwünscht sind.
  • Anlaufstellen im Landkreis Konstanz: Es gibt drei Tierheime im Landkreis Konstanz, in denen alle fündig werden, die einer Katze ein Zuhause geben wollen. Diese sind in Radolfzell, Singen und Konstanz. Sie sind jeweils mit einem Tierschutzverein gekoppelt. Außerdem gibt es zum Beispiel die Katzenhilfe Radolfzell, die Tiere vermittelt oder Pflegestellen für Fundtiere betreibt, und den Tierschutzverein Stockach und Umgebung. Dies sind die Kontaktmöglichkeiten: Das Tierheim Konstanz hat die Internetseite www.tierschutzheim.de, die Einrichtung in Radolfzell ist unter www.tierschutzverein-radolfzell.de erreichbar und Singen unter www.tierheim-singen.de. Die Katzenhilfe Radolfzell hat die Internetseite www.katzenhilfe-radolfzell.de. Der Tierschutzverein Stockach und Umgebung betreibt derzeit keine Homepage, ist aber unter (0 77 75) 511 zu erreichen.
  • Kastration: In Deutschland existiert bisher nur in einzelnen Gemeinden eine Kastrationspflicht. Im Landkreis Konstanz gibt es bisher noch keine. Kätzinnen werden im Alter von vier bis zwölf Monaten zum ersten Mal rollig und können schwanger werden, wenn sie nicht sterilisiert sind. Unkastrierte Kater gelten als aggressiver und markieren gerne ihr Revier, also auch die Wände in der Wohnung. Um keinen ungewollten Katzennachwuchs zu haben, sollten die Tiere deshalb kastriert oder sterilisiert werden. Eine Kätzin könnte theoretisch mehrfach im Jahr Nachwuchs haben. Deshalb sorgen Tierschutzorganisationen auch immer für die Kastration von Streunerkatzen.
  • Mikrochip: Katzen, aber auch andere Haustiere, können und müssen unter bestimmten Umständen einen Mikrochip im Nacken haben. Diese Pflicht mitsamt eines europäischen Heimtierausweises gibt es bei einer Reise ins europäische Ausland. Für Tiere, die nur in Deutschland bleiben, ist das Chippen zwar optional, doch wenn eine reine Wohnungskatze entläuft oder eine Freigängerkatze zum Beispiel verletzt gefunden wird, kann durch das Auslesen des Chips nachvollzogen werden, wem sie gehört. Aber Achtung: Dazu muss die Chipnummer des Tiers nach dem Chippen online registiert werden.
  • Abschuss verboten: Früher war es erlaubt, dass Jäger außerhalb von Ortschaften Katzen abschießen durften. Das ist nun nicht mehr so, erklärt Kreisjägermeister Kurt Kirchmann: "Man darf Katzen nicht abschießen." Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) von Baden-Württemberg besagt in Paragraf 49 lediglich, dass Hunde und Katzen, die nachweislich andere Tiere wildern, im Einzelfall mit schriftlicher Genehmigung der Ordnungsbehörde getötet werden dürfen. Dies geht aber nur, wenn andere Schutzmaßnahmen oder Gespräche mit dem Besitzer erfolglos waren. Es ist also sehr streng reglementiert. Nach Paragraf 67 ist es eine Ordnungswidrigkeit, wenn eine jagdberechtigte Person oder ein Wildtierschützer gegen Paragraf 49 verstößt und ohne Befugnis eine Katze oder einen Hund tötet.
  • Die letzte Ruhe: Für die Bestattung von Katzen sowie anderen Haustieren gibt es Vorschriften. Die Stadt Stockach listet diese zum Beispiel auf ihrer Internetseite auf. Tierkörper dürfen auf dem eigenen Grundstück bestattet werden, allerdings ist darauf zu achten, dass dies nicht in Wasserschutzgebieten oder in der Nähe öffentlicher Flächen ist – das wäre verboten. Die Grube in der Erde muss mindestens 50 Zentimeter tief sein. Es gibt auch zugelassene Tierfriedhöfe oder -krematorien. Über den Tierarzt ist es zudem möglich, das Tier in eine Tierkörperbeseitigung bringen zu lassen, wenn alles andere bei der Bestattung nicht möglich ist. (löf)