Die Freude der Betreiber des Windenergieparks Verenafohren über das Erreichen des Jahresziels für 2019 von 20 Millionen Kilowattstunden Strom ruft Kritiker der Windenergie im Südwesten auf den Plan. Zwar zeichnet sich in Tengen eine breite Zustimmung für weitere Windräder bei Watterdingen ab, doch aus der weiteren Region kommt weiterhin heftige Kritik an dieser Form der Energieerzeugung. Zu den geplanten drei Windrädern gibt es am 8. März in Tengen einen Bürgerentscheid.

„Dazu gibt es zu bemerken, dass sich Prognosen gut erreichen lassen, wenn sie niedrig angesetzt sind.“Christoph Leinß, Windkraftkritiker
„Dazu gibt es zu bemerken, dass sich Prognosen gut erreichen lassen, wenn sie niedrig angesetzt sind.“Christoph Leinß, Windkraftkritiker | Bild: privat

Die höchst emotionale Diskussion über Windräder mag auch der Grund für den Geschäftsführer der Hegauwind GmbH, Andreas Reinhardt, gewesen sein, keine voreiligen Schlüsse aus dem Windjahr auf Verenafohren zu ziehen, sondern bis zum Jahreswechsel jede Böe abzuwarten. Erleichtert vermeldete er, das das Jahresziel mit 20,36 Millionen Kilowattstunden ziemlich genau erreicht wurde. Im windarmen Jahr 2018 verfehlten die Räder das Ziel um 18 Prozent.

Kritik an niedrig angesetzter Kalkulation

Was Andreas Reinhardt als Erfolg bezeichnet, ist für den promovierten Ostracher Forstwirt und Windkraftkritiker Christoph Leinß korrekturbedürftig. In einem Brief an den SÜDKURIER bestätigt er, dass die Kalkulation 2019 zwar erreicht sei. Aber: „Dazu gibt es zu bemerken, dass sich Prognosen gut erreichen lassen, wenn sie niedrig angesetzt sind“, so Leinß.

Schlechte Werte im Vergleich zu Norddeutschland

Das sei wohl auch hier der Fall. Baden-Württemberg sei das windärmste Land, sagt Leinß und bezieht sich auf den Windatlas. Verglichen mit Regionen im Norden Deutschlands habe der Windpark Verenafohren 2019 gerade mal rund 50 Prozent Ertrag gebracht. Leinß, der sich in zahlreichen Bürgerinitiativen zum Schutz der Umwelt und Natur engagiert, spricht von einem Referenzertrag. Nach den aktuellen Richtlinien müssten neue Anlagen 60 bis 75 Prozent dieses Ertrages (also in Strom umgewandelter Wind) erzielen, um förderwürdig zu sein und in der Abwägung gegenüber Landschafts- und Naturschutz bestehen zu können.

Christoph Leinß: „Beteiligte Stadtwerke zahlen drauf“

Im Hegau sei die Windkraft nicht effektiv und zu teuer. „Die Betreibergesellschaften, an denen diverse Stadtwerke beteiligt sind, legen drauf“, sagt Leinß. Und das bleibe letztlich an den Bürgern hängen. „Die 750 Windkraftanlagen in Baden-Württemberg laufen zu 90 Prozent defizitär“, behauptet er.

Furcht vor Schäden für die Natur durch ineffektive Anlagen

Darauf will der ehemalige Pfullendorfer Forstamtsleiter Christoph Leinß aufmerksam machen, bevor über drei weitere Windräder in Watterdingen entschieden wird. Nach eigenen Angaben hat er sich auf die Auswertung von Ertragsdaten der Windkraftanlagen spezialisiert. „Die Windhöffigkeit ist ein öffentlicher Belang“, sagt Leinß. Er fürchtet eine Verschandelung der Landschaft und einen Schaden für die Natur durch ineffektive Windmühlen.