Wer Beispiele tragfähiger Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem EU-Mitglied Deutschland und dem nicht EU-Land Schweiz sucht, wird auch in der Landwirtschaft fündig. So liefern Bauern aus Baden-Württemberg und Bayern im Herbst ihre Zuckerrüben im Thurgauer Werk der Schweizer Zucker AG ab. Die Anlage in Frauenfeld, in der aus der Feldfrucht weißer Zucker gemacht wird, liegt nur 15 Autominuten von Konstanz entfernt. Der Weg zu anderen Produktionsstätten auf deutscher Seite, die im nördlichen Baden-Württemberg angesiedelt sind, wäre deutlich weiter. Und die Schweizer Zucker AG ist froh über die Zulieferung, denn das Zuckerwerk im Thurgau wäre ohne den Rohstoff aus Deutschland nicht ausgelastet. Zehn Prozent beträgt der Anteil deutscher Lieferungen. „Das ist eine Win-win-Situation für beiden Seiten“, sagt Michael Baldenhofer. Er sieht die Geschäftsbeziehungen als Beispiel für grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit.

Michael Baldenhofer ist Geschäftsführer des Vereins für Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee mit Sitz im Landkreis Konstanz und Mitveranstalter der Strohballenarena. Diese Veranstaltungsreihe ist eine deutsch-schweizerische Koproduktion. Auf eidgenössischer Seite sind das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (BBZ) und das Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft mit Sitz in Weinfelden beteiligt. In der sechsten Auflage der Strohballenarena am Freitag, 8. Juni, Beginn 17.30 Uhr, im Versuchsbetrieb Brunnegg des BBZ bei Kreuzlingen, soll es um die heimische Zuckerzukunft gehen. Bitter oder süß?

Auf dem Gutshof können die Veranstaltungsteilnehmer vorab die Versuchspflanzungen besichtigen. Hier werden Zuckerrüben konventionell, aber auch biologisch angebaut. „Die Zuckerrübe ist eine anspruchsvolle Frucht für den Landwirt“, sagt Baldenhofer. Biologischer Anbau bedeutet, der Produzent kommt ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, ohne Gentechnik und ohne Mineraldünger aus. Der Bioanbau gilt auch in diesem Segment als Wachstumsmarkt. Die Schweizer Zucker AG unterhält in Frauenfeld auch eine Zuckerproduktion für Rüben aus biologischem Anbau. Für die Perspektive der Biobauern haben die Veranstalter eine Expertin aus Deutschland in die Strohballenarena eingeladen. Andrea Greule ist Projektleiterin bei der Regionalen Bioland Erzeugergemeinschaft, die sich für die regionale Kooperation zwischen süddeutschen Bauern und Schweizer Zuckerwerk stark macht. Das Motto von Bioland: Bio-Zucker muss nicht aus Übersee stammen. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sieht die Zukunft des Zuckerrübenanbau in Deutschland und Europa derzeit vor großen Herausforderungen: Die Quoten im Zuckermarkt sind abgeschafft, die Zuckerrübenpreise niedrig. Und bestimmte Insektizide (neonicotinoide Beizmittel) dürfen nicht mehr eingesetzt werden. Michael Baldenhofer verweist auf den Einfluss des globalen Agrarmarkts und die starke Konkurrenz der großen Zuckerrohrproduzenten, zum Beispiel in Brasilien.

Betriebsführung und Gesprächsrunde

  • Die Strohballenarena ist ein deutsch-schweizerisches Veranstaltungsformat, das Themen aus Landwirtschaft, Ernährungshandwerk und Verbraucherverhalten aufgreift.
  • Heimische Zucker-Zukunft: bitter oder süß? Das ist das Thema der Veranstaltung am Freitag, 8. Juni, 17.30 bis 21.30 Uhr, im Gutsbetrieb Brunnegg (Kreuzlingen). Nach der Betriebsführung stehen (ab 19 Uhr) folgende Gesprächspartner Rede und Antwort: der Leiter des landwirtschaftlichen Versuchsbetriebs Brunnegg Marcel Gerber, der Landwirt und Thurgauer Kantonsrat Daniel Vetterli sowie Joachim Pfauntsch, Werksleiter der Schweizer Zucker AG und Andrea Greule, Projektleiterin bei der Regionalen Bioland-Erzeugergemeinschaft BW.
  • Anmeldung: Die Teilnahme ist kostenfrei. Um verbindliche Anmeldung wird gebeten. Kontakt per E-Mail: info@ernaehrungswirtschaft.ch
  • Zahlen: 2017 hat das Zuckerwerk Frauenfeld 811 000 Tonnen Zuckerrüben verarbeitet. Das ergab eine Ausbeute von 126 000 Tonnen Weißzucker. 84 000 Tonnen der angelieferten Feldfrüchte waren konventionell angebaute Zuckerrüben aus Deutschland und Österreich. Aktuell werden zusätzlich 45 000 Tonnen ökologisch erzeugte Zuckerrüben (überwiegend aus Süddeutschland) zu Biozucker verarbeitet.