Krankheitsbedingte Fehltage von Arbeitnehmern sind ein volkswirtschaftlich relevanter Faktor. Denn der Ausfall des Personals kostet Geld. So hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hochgerechnet, dass beispielsweise im Jahr 2014 durch Arbeitsunfähigkeit in Deutschland Kosten von 90 Milliarden Euro entstanden sind. Vor dem Hintergrund dieses Sachverhalts kommt den statistischen Erhebungen der Krankenkassen beträchtliche Bedeutung zu. Wie krank sind die Arbeitnehmer im Landkreis Konstanz und woran leiden sie? Antworten gibt der Gesundheitsbericht der AOK Hochrhein-Bodensee für das Jahr 2015, der am Dienstag vorgelegt wurde.

Die AOK bilanziert für das vergangene Jahr erneut einen leichten Anstieg krankheitsbedingter Fehlzeiten in den Betrieben im Landkreis Konstanz. Der Krankenstand stieg um einen zehntel Prozentpunkt von 4,5 auf 4,6 Prozent (Bundesdurchschnitt: 5,3). Für die Zunahme sind insbesondere Atemwegserkrankungen verantwortlich, die laut Analyse der Krankenkasse einen Anteil von gut 25 Prozent aller Erkrankungen ausmachten (2014: 22 Prozent) und damit mit Abstand häufigster Ausfallgrund waren. AOK-Bezirkssprecher Gerhard Gottwald formuliert es so: „Jeder vierte Krankheitsfall hat mit einer Erkältung zu tun.“ Und gerade bei diesen Infekten sei die Prävention oft trivial. Gottwald und Alexander Wittwer, Leiter des Bereichs Gesundheitsförderung bei der AOK, verweisen darauf, dass bereits häufiges Händewaschen, regelmäßiges Lüften der Räumlichkeiten, gesunde Ernährung und Bewegung an der frischen Luft dem Körper helfen, eine Infektion abzuwehren. Gerade in den ersten Monaten des Jahres sei dies wichtig, denn im Januar, Februar und März steigt das Infekt-Risiko stark an.

Nun ist es allerdings nicht so, dass allen Krankheiten, die zum Ausfall von Beschäftigten am Arbeitsplatz führen, mit einfachen Verhaltensregeln beizukommen wäre. Nach den Atemwegserkrankungen sind Probleme mit Muskulatur und Skelett mit knapp 16 Prozent zweihäufigste Ursache für Krankmeldungen von Arbeitnehmern im Landkreis Konstanz. Für die oftmals von Rückenproblemen geplagten Versicherten bietet die Krankenkasse ein vielfältiges Vorbeugungsprogramm und offeriert Kurse in kooperierenden Betrieben an. Das gilt auch für die Vorbeugung bei psychischen Erkrankungen, die Versicherte zu unfreiwilligen Auszeiten am Arbeitsplatz zwingen können. Der Anteil psychischer Erkrankungen an den Arbeitsunfähigkeitsfällen lag im vergangenen Jahr bei 5,1 Prozent (2014: 5,3). Menschen mit einer solchen Diagnose sind laut AOK-Statistik durchschnittlich 11,4 Tage krank gemeldet. Nach Angaben von Alexander Wittwer haben die Arbeitgeber die Bedeutung des Problems psychischer Erkrankungen längst erkannt. Er stellt fest: „Die Präventionsbemühungen der Unternehmen spielen eine immer größere Rolle.“ Auch in diesem Bereich macht die Krankenkasse Angebote.


Zahlen und Fakten

Die Berechnungsgrundlage: Im Kreis Konstanz gibt es rund 80 000 Arbeitnehmer; etwa 38 000 davon sind bei der AOK Hochrhein-Bodensee versichert. Die Daten dieser Versicherten hat die Kasse für die Gesundheitsbilanz 2015 analysiert.

Der Arbeitsausfall: 2015 haben die bei der AOK versicherten Arbeitnehmer aus dem Landkreis 644 813 Tage krankheitsbedingt gefehlt. Rund 134 000 Krankheitstage (20,9 Prozent) waren begründet mit Muskel- und Skeletterkrankungen, 90 000 Tage (14 Prozent) mit Erkrankungen der Atemwege und knapp 74 000 Tage (11,4 Prozent) mit psychischen Erkrankungen.

Die Kostenrechnung: Die AOK macht für die volkswirtschaftlichen Kosten von Arbeitsunfähigkeit ein Beispiel auf. Danach beträgt im produzierenden Gewerbe die Wertschöpfung pro Mitarbeiter 83 000 Euro pro Jahr. 15 Krankheitstage des Mitarbeiters bedeuten einen finanziellenAusfall von 7000 Euro. (fdo)