„Wir befinden uns in einer Phase des Massensterbens.“ So steht es in einem Faltblatt des Landschaftserhaltungsverbands Konstanz (LEV). Diese Tatsache ist schockierend, wenn man sie schwarz auf weiß liest, aber sie ist nicht neu. Und allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass das heutige weltweite Artensterben vorrangig durch eine einzige Art verursacht wird: den Menschen, sei es durch Bejagung, Intensivierung der Landwirtschaft, Inanspruchnahme für Siedlung und Verkehr oder die Rodung von Wäldern und Grünflächen.

Diesen Hauhechel-Bläuling auf einer Goldaster hat der Naturfotograf Heiner Werner im Kreis Konstanz fotografiert. Einige seiner beeindruckenden Aufnahmen sind in der Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbands in Ludwigshafen zu sehen. Den genauen Standort, wo das Bild entstanden ist, verrät er nicht. Nachweislich gebe es Menschen, die seltene und bedrohte Pflanzen ausgraben, wenn sie den Standort kennen.
Diesen Hauhechel-Bläuling auf einer Goldaster hat der Naturfotograf Heiner Werner im Kreis Konstanz fotografiert. Einige seiner beeindruckenden Aufnahmen sind in der Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbands in Ludwigshafen zu sehen. Den genauen Standort, wo das Bild entstanden ist, verrät er nicht. Nachweislich gebe es Menschen, die seltene und bedrohte Pflanzen ausgraben, wenn sie den Standort kennen. | Bild: Heiner Werner

Wie bedrückend diese Entwicklung ist, wie schön aber die Natur sein kann, ist Thema einer Ausstellung des LEV im Rathaus von Bodman-Ludwigshafen, die kürzlich eröffnet wurde. Eine Aussage der Ausstellung: Die Liste bereits ausgestorbener oder vom Aussterben bedrohter Arten ist lang. Und sie wird täglich länger – weltweit. In den letzten Jahren nahm zum Beispiel die Anzahl der Insektenarten sowie deren Individuenzahl um rund 80 Prozent ab.

Zur Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) im Rathaus in Ludwigshafen gehören beeindruckende Bilder des Natur- und Landschaftsfotografen Heiner Werner (links). Neben ihm Tilo Herbster (Geschäftsführer des LEV Konstanz) und Astrid Kohl (stellvertretende Geschäftsführerin).
Zur Ausstellung des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) im Rathaus in Ludwigshafen gehören beeindruckende Bilder des Natur- und Landschaftsfotografen Heiner Werner (links). Neben ihm Tilo Herbster (Geschäftsführer des LEV Konstanz) und Astrid Kohl (stellvertretende Geschäftsführerin). | Bild: Constanze Wyneken

Die Ausstellung des LEV transportiert die Erkenntnis, dass es wenig zielführend sei, kleine Artvorkommen oder gar Individuen zu schützen. Da alle Arten in Beziehung zueinander stehen, welche teilweise noch gar nicht komplett erforscht sind, müssen deren vernetzte Lebensräume geschützt werden. Was Vielen nicht klar ist: Auch die Art Mensch ist mit den anderen Arten vernetzt und befindet sich akut in Gefahr. Es ist darum jeder gefragt, sich zu informieren, um zu verstehen, helfen und handeln zu können.

Ziegen und Schafe beweiden die Wiesen am Hohentwiel. Diese vom Landschaftserhaltungsverband genutzte Methode ist schonender für das Erdreich als schwere Maschinen. Außerdem können Insekten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und es bleiben genügend Pflanzen für sie übrig,
Ziegen und Schafe beweiden die Wiesen am Hohentwiel. Diese vom Landschaftserhaltungsverband genutzte Methode ist schonender für das Erdreich als schwere Maschinen. Außerdem können Insekten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und es bleiben genügend Pflanzen für sie übrig, | Bild: LEV Konstanz

Die EU, die Bundesrepublik Deutschland und das Land Baden-Württemberg haben seit langem Förderprogramme und Institutionen auf den Weg gebracht, um diesem Artensterben entgegenzuwirken. Die LEVs in Deutschland sind eine dieser Institutionen, die sich in Wort und Tat stark mit dem Schutz bedrohter Arten und der Erhaltung ihrer Lebensräume befassen.

Hier lesen Sie drei Beispiele für die Arbeit des LEV

So haben es sich die LEVs auf die Fahne geschrieben, zu managen, schützen, pflegen, entwickeln und informieren. Tilo Herbster, Geschäftsführer des LEV Konstanz und diplomierter Forstingenieur, würde gerne noch viel mehr Zeit und Energie in die so wichtige Öffentlichkeitsarbeit stecken, denn: „Das Handeln setzt Wissen voraus.“

Petra Welte beweidet mit ihren Bayrischen Waldschafen viele Flächen am Hohenstoffeln und trägt ihren Teil zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei.
Petra Welte beweidet mit ihren Bayrischen Waldschafen viele Flächen am Hohenstoffeln und trägt ihren Teil zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei. | Bild: Landschaftserhaltungsverband Konstanz

Durch die sogenannte Drittelparität im Vorstand, bestehend aus Vertretern von Nabu und BUND, Vertretern der Kommunen sowie der Landwirtschaft (BLHV und Regierungspräsidium Freiburg) ist der Landschaftserhaltungsverband institutionalisiert. Denn es ist immens wichtig, bei Umwelt- und Naturschutz die Meinungen Aller zu hören, um Beschlüsse zu fassen. Hiermit hat der LEV eigentlich das bereits realisiert und in die Praxis umgesetzt, was beim aktuell so polarisierenden Volksbegehren versäumt wurde: An einem Strang zu ziehen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, von dem alle profitieren.

In der Kiesgrube Fließ, einem Flächenhaften Naturdenkmal (FND), entbuscht der Landschaftserhaltungsverband und schafft wieder sandige Flächen für Wildbienen. Hier stellt ein Bagger der Firma Hildebrand, Bodman, an einem Feuchtgebiet eine Steilwand für den Eisvogel her.
In der Kiesgrube Fließ, einem Flächenhaften Naturdenkmal (FND), entbuscht der Landschaftserhaltungsverband und schafft wieder sandige Flächen für Wildbienen. Hier stellt ein Bagger der Firma Hildebrand, Bodman, an einem Feuchtgebiet eine Steilwand für den Eisvogel her. | Bild: Landschaftserhaltungsverband Konstanz

Die vielfältige Kulturlandschaft Baden-Württembergs kann nur durch zeitaufwendige und durchdachte Landschaftspflege bewahrt werden. Hierunter versteht der LEV die „Pflege von alten Kulturlandschaften mit modernen Mitteln“, die wiederum von der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt und bedient werden.

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Die Ausstellung über Projekte und Arbeit des Landschaftserhaltungsverbands mit Bildern des Landschafts- und Naturfotografen Heiner Werner ist bis Ende Dezember im Rathaus in Ludwigshafen zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.