Amelie Pfau schmunzelt, als sie an ihre Erlebnisse zurückdenkt. „Ich musste einen älteren Herren davon abhalten, beim Spaziergang aus dem Rollstuhl auszusteigen und in ein Fahrradgeschäft zu gehen“, sagt die 17-Jährige. Sie ist eine von drei Schülerinnen der Konstanzer Wessenbergschule, die an einem neuen Projekt der Caritas teilnahmen: Seit Beginn des aktuellen Schuljahrs durften die Drei einmal pro Woche für zwei Stunden in einer sozialen Einrichtung mithelfen.

Andreas Hoffmann, Vorstand des Konstanzer Caritasverbands, sagt sinnbildlich: „Das war das Pilotjahr. Ihr seid die Ersten, die die Mondlandung vollzogen haben.“ Und das mit Bravour: „Alle drei Einrichtungen waren begeistert und hätten euch gern als Helferinnen behalten“, so Hoffmann.

Vorbilder gibt es in Stuttgart und Bayern

Die Idee zum neuen Projekt entstand schon vor zwei Jahren. „Wir haben überlegt, wie wir junge Menschen für soziale Berufe begeistern können“, erzählt der Konstanzer Caritas-Vorsitzende. Da es in Stuttgart und Bayern das Freiwillige Soziale Schuljahr (FSSJ) gab, wollte er das auch ausprobieren. Anders als beim bekannten Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) gehen die Teilnehmer bei der neuen Variante selbst noch zur Schule und schnuppern nebenbei ins Berufsleben hinein.

Genau das gefällt dem betreuenden Lehrer der Wessenbergschule, Joachim Dietrich, besonders gut: „Das war eine gewinnbringende Kooperation, die jungen Menschen Berufsorientierung bietet. Gerade an unserer kaufmännischen Schule ist dies eine sinnvolle Ergänzung, denn soziale Kompetenz ist heute sehr wichtig.“ Die Caritas schloss mit den drei Schülerinnen einen Dienstvertrag ab, am Ende des Schuljahrs gibt es ein Zeugnis. „Das ist wichtig für eure Bewerbung, egal, für welchen Bereich ihr euch entscheidet“, sagt Hoffmann.

Familiäre Erfahrungen helfen Luisa Schlie beim Einstieg

Wohin ihre berufliche Reise geht, wissen die drei Schülerinnen des kaufmännischen Berufskollegs selbst noch nicht. „Ich finde soziale Berufe sehr wichtig“, sagt die 17-jährige Luisa Schlie, die ihre FSSJ-Zeit im Haus Don Bosco verbrachte, einer Konstanzer Einrichtung für Demente. „Da meine Oma auch dement war, fiel es mir nicht schwer, mit den Bewohnern spazieren zu gehen, zu spielen und mich zu unterhalten“, sagt Luisa. „Trotzdem habe ich gesehen, dass die Arbeit sehr anstrengend sein kann, vor allem, wenn jemand ausfällt.“

Amelie Pfau hatte abends ein richtig gutes Gefühl

Auch Amelie Pfau hatte keine Berührungsängste mit den älteren Menschen der Tagespflegegruppe im Konstanzer Marienhaus. „Ich habe ihnen Kaffee und Kuchen serviert, beim Essen und Trinken geholfen, bin mit ihnen spazieren oder Eis essen gegangen“, berichtet Amelie. Auch Gymnastik und Gedächtnistraining für die Senioren gehörten zu ihren Aufgaben. Die 17-Jährige ist begeistert: „An den Tagen, an denen ich im Marienhaus war, hatte ich abends ein richtig gutes Gefühl. Denn ich hatte Menschen zum Lachen gebracht und mich selbst vom Alltag abgelenkt.“

Ezgi Akkus macht eine wichtige Erfahrung

Sehr ähnlich denkt auch die 20-jährige Ezgi Akkus, die in der Krippe der integrativen Kindertagesstätte „Die Arche“ in Konstanz im Einsatz war. „Die Kinder hatten sehr großes Interesse an mir“, freut sie sich. So konnte sie ausgiebig mit den Kleinen spielen, Bücher lesen und sie auch wickeln. „Ich weiß noch nicht, ob ich später in die soziale oder die kaufmännische Richtung gehe, aber diese Erfahrung war wichtig für mich“, sagt Ezgi. Kommenden Jahrgängen kann sie das FSSJ nur empfehlen: „Das war auch super organisiert.“

Betreuerin Caroline Pierro hofft auf viele weitere Interessenten

Dafür war die Caritas-Mitarbeiterin Caroline Pierro zuständig. Als die Schülerinnen von ihren Erlebnissen berichten, sagt Pierro: „Da geht mir das Herz auf. Ich hoffe, dass viele weitere jungen Menschen die Chance nutzen, Einblicke in soziale Berufe zu bekommen.“