Gailingen Wie die Weinregion Bodensee vorankommen kann

Treff in der Strohballenarena: In Gailingen tauschten sich Winzer, Vermarkter und Konsumenten über die Zukunft der Weinbauregion Bodensee aus. Fazit: Es kann noch besser werden.

Die Vermarktung der Weinregion Bodensee und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit standen im Fokus der fünften internationalen Strohballenarena, die auf dem Weingut Winkelhof bei der Familie Zolg in Gailingen eingerichtet war. Nach einer Weinbergführung mit der Diessenhofer Winzerin Marlies Keller und einer Besichtigung des Winkelhofes begann die Gesprächsrunde in der Strohballenarena. Fachkundige Referenten waren der Gastgeber und Winzer Armin Zolg, Ildikó Buchner, Projektmanagerin der Weinregion Bodensee, Nina Wägeli vom Weingut Zum Rappen in Buch (Thurgau) und der Friedrichshafener Gastronom Hendrik Fennel (Hotel Restaurant Maier). "Der Konsument will fruchtige, spritzige Weine mit weniger Alkohol", berichtete Armin Zolg. Hendrik Fennel fügte hinzu, dass zunehmend mehr Gäste knochentrockene durchgegorene Weine verlangen. Die Referenten zeigten schnell auf, dass guter Wein allein nicht genügt und Wein sich am besten mit einem Erlebnis oder einer Geschichte vermarkten lässt.

Die Diessenhofer Winzerin Marlies Keller führte die Teilnhmer der Strohballenarena durch ihren Gailinger Terrassen-Rebberg. Bild: Güntert
Die Diessenhofer Winzerin Marlies Keller führte die Teilnhmer der Strohballenarena durch ihren Gailinger Terrassen-Rebberg. Bild: Güntert

"Was nützt das beste Produkt, wenn man es nicht an den Mann bekommt", fragte Armin Zolg. Er verkauft 90 Prozent seiner jährlichen Produktion von rund 25 000 Flaschen ab Hof, auf dem die Familie eine Besenwirtschaft betreibt. Die Vermarktung ist in Gailingen voll auf den Tourismus aufgebaut, der von der Gemeinde unterstützt wird. Es gibt über 60 Ferienwohnungen, zwei Hotels und einen Wohnmobilstellplatz am Rhein, wo der internationale Bodenseeradweg vorbei führt. Der Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl regte an, eine internationale Bodenseeweinstraße zu schaffen, nach dem Vorbild der Bregenzerwälder Käsestraße.

Der Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl regte in der Strohballenarena die Erschliessung einer Internationale Bodenseeweinstraße an. Bild: Güntert
Der Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl regte in der Strohballenarena die Erschliessung einer Internationale Bodenseeweinstraße an. Bild: Güntert

"Was uns alle vereint, ist der Bodensee, da müssen wir nur die Spezialitäten herauspicken", betonte die Marketingexpertin Ildikó Buchner. Mit dem höchsten Weinberg Deutschlands am Hohentwiel und dem größten zusammenhängenden Rebberg der Deutschschweiz im Klettgau nannte sie zwei Leuchttürme der Weinregion Bodensee, in der es aber längst nicht nur Gemeinsamkeiten gibt.

Armin Zolg erklärte, dass sich bei ihm der Absatz an die Schweizer Kundschaft von zwei Drittel auf die Hälfte der Produktion reduziert habe. "In der Schweiz kommt es nicht immer gut an, wenn man einen Schwabenwein auf den Tisch stellt", sagte Zolg. Er sprach damit die Hemmschwelle an, die es insbesondere im ländlichen Raum gebe.

"Was nützt das beste Produkt, wenn man es nicht an den Mann bekommt?""In der Schweiz kommt es nicht immer gut an, wenn man einen Schwabenwein auf den Tisch stellt", Armin Zolg vom Weingut Zolg Winkelhof Gailingen Bild: Güntert.
"Was nützt das beste Produkt, wenn man es nicht an den Mann bekommt?""In der Schweiz kommt es nicht immer gut an, wenn man einen Schwabenwein auf den Tisch stellt", Armin Zolg vom Weingut Zolg Winkelhof Gailingen Bild: Güntert.

Roland Müller, Winzer aus Benken im Kanton Zürich, klagte über komplexe Zollbestimmungen: "15 Flaschen Wein, verzollt in Jestetten, eine Stunde Dauer, zwei Beamte, die nicht wissen, wie es geht, und schlussendlich 40 Euro bezahlt. Hier beginnt doch die Problematik der Zusammenarbeit". Bei vielen Bodensee-Touristen sorgen auch die unterschiedlichen Bezeichnungen der gebietstypischen Rebsorten für Verwirrung. So sind Blauburgunder, Spätburgunder und Pinot Noir genau die gleichen Weine. Zudem wird der Müller Thurgau in der Schweiz statt Riesling-Silvaner fälschlicherweise nur Riesling genannt, was aber eine ganz andere Rebsorte ist. "Wir haben keine Probleme, wir haben Aufgaben zu bewältigen", machte Gastronom Hendrik Fennel Mut. Unter den 100 Weinen, die er in seinem Restaurant im Angebot hat, sind auch jeweils zwei Weine aus Österreich und der Schweiz.

Was uns alle vereint, ist der Bodensee, da müssen wir nur die Spezialitäten herauspicken", Ildikó Buchner von der Internationalen Weinregion Bodensee. Bild: Güntert
Was uns alle vereint, ist der Bodensee, da müssen wir nur die Spezialitäten herauspicken", Ildikó Buchner von der Internationalen Weinregion Bodensee. Bild: Güntert

In den nächsten zwei Jahren will er seine Weinkarte vollständig auf Bodenseeweine umstellen. Die abschließende Weinprobe mit Michael Fuchs, dem Kellermeister der Schaffhauser Genossenschaft GVS zeigte, dass es am Bodensee genügend guten Wein gibt. Es müssen nur noch die passenden Geschichten gefunden oder erfunden werden.
 

Förderung läuft aus

Die Veranstaltungsreihe Strohballenarena greift Themen aus der Land- und Ernährungswirtschaft auf. Das Forum wurde 2014 von der Regio Frauenfeld in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg und dem Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft aufgebaut. Auf deutscher Seite ist der Verein für integrierte ländliche Entwicklung Bodensee (Konstanz) beteiligt. Bisher gab es fünf grenzüberschreitende Veranstaltungen und eine Exkursion, die mit Mitteln der EU gefördert wurden. Die Förderung läuft 2017 aus. Nun werden neue Geldgeber gesucht. Der SÜDKURIER ist Medienpartner der Veranstaltungsreihe.

Informationen im Internet: www.strohballenarena.info

Bei der abschliessenden Weinprobe konnten sich die Besucher der Gailinger Strohballenarena überzeugen, dass es am Bodensee guten Wein gibt. Bild: Güntert
Bei der abschliessenden Weinprobe konnten sich die Besucher der Gailinger Strohballenarena überzeugen, dass es am Bodensee guten Wein gibt. Bild: Güntert


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