Kreis Konstanz Wie das Kartellamt den Markt mit heimischen Hölzern umkrempelt

Das Bundeskartellamt verbietet den Kreisforstämtern die Einheits-Holzvermarktung. Die Folge: Während der Bauboom die Bauholz-Nachfrage ansteigen lässt, könnten die Preise sinken.

Noch nie gab es in Baden-Württemberg so viele Waldgebiete wie heute. Die Waldfläche hat bundesweit besonders durch den Rückgang der Landwirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zugenommen. Gleichzeitig steigt derzeit durch den Bauboom der Bedarf an Bauholz. Also müsste es den Waldbesitzern, den Sägern und der Holzindustrie gut gehen? Der zweite Blick offenbart einen knallharten Markt, der vielen mittelständischen Sägereien die Luft abschnürt. Gleichzeitig fällt in diese Zeit das Ende des Einheitsforstamtes. Kurz: Die Welt des Handels mit heimischen Hölzern befindet sich in einem gewaltigen Umbruch.

In Baden-Württemberg hat das bisherige Einheitsforstamt praktisch ausgedient. Dieser Begriff beschreibt die bisherigen Kreisforstämter. Zu deren Aufgaben gehörten nicht nur die Aufsicht und Bewirtschaftung über den staatlichen und kommunalen Waldbau und die Beratung der kleinen Privatwaldbesitzer, sondern auch die Vermarktung der Baumstämme aus den Staats-, Kommunal- und kleinen Privatwäldern. Die privaten Großwaldbesitzer, in aller Regel die Adelshäuser und vereinzelt auch Kommunen, vermarkteten ihr Holz selbst.

Streit im Holzhandel

Wer einen kleinen Wald besitzt, aus dem im Jahr nur wenige Baumstämme entnommen werden können, brauchte sich um die Vermarktung keine Gedanken zu machen. Das Forstamt erledigte diese Aufgabe. Der kleine Privatwaldbesitzer, aber auch die Kommunen mussten zwar einen Anteil der Kosten der Dienstleistungen durch die Kreisforstbehörden bezahlen. Allerdings lagen diese Zahlungen teilweise insbesondere im Kleinprivatwald unter den eigentlichen Kosten. Das heißt, das Land subventionierte den Kleinwaldbesitz.

Die bisherige Praxis des Holzhandels erregte den Ärger der Sägewerksbesitzer. Denn gerade die Mittelständler unter ihnen sahen sich einer Preisfront gegenüber, der sie nachgeben mussten, wollten sie mit Holz beliefert werden. Sie witterten ein Monopol – und die Wettbewerbshüter gaben ihnen Recht. Zuletzt schlug sich das Oberlandesgericht Düsseldorf in diesem Jahr auf die Seite der Sägewerker. Derzeit läuft noch eine Berufung gegen das Düsseldorfer Urteil durch die Stuttgarter Landesregierung beim Bundesgerichtshof.

Während der Bauboom die Bauholz-Nachfrage ansteigen lässt, könnten die Preise sinken.
Während der Bauboom die Bauholz-Nachfrage ansteigen lässt, könnten die Preise sinken. | Bild: Julian Stratenschulte (dpa)

Aufgrund der Entscheidung des Bundeskartellamtes muss die baden-württembergische Regierung handeln und wird zum 1. Juli 2019 die Bewirtschaftung des Staatswaldes aus den Landratsämtern herauslösen und in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Rechtsstreit letztendlich noch nicht entschieden ist. Sollten die obersten deutschen Richter das Urteil aus Düsseldorf bestätigen, könnten die Säger Schadenersatzforderungen an das Land stellen. Um dies zu vermeiden, handelt die Landesregierung bereits. Im Juli dieses Jahres wurden Eckpunkte für die zukünftige Forstorganisation verabschiedet.

Die Kreisforstämter in der Bodenseeregion haben bereits auf die neue Sachlage reagiert. Im Landkreis Sigmaringen sieht das so aus, dass die Holzverkaufsstelle im Landratsamt jetzt völlig vom Forstamt getrennt ist und der Finanzverwaltung untersteht. Auch im Landkreis Konstanz wurde die Holzverkaufsstelle aus dem Kreisforstamt herausgelöst und dem Kämmereiamt angegliedert. 

Verhandlungen über forstliche Tätigkeiten

Mit Hilfe dieser Konstruktion werde der Holzverkauf für Kommunen und Privatwaldbesitzer weiterhin erledigt, wie der zuständige Dezernent Philipp Gärtner erläuterte. Für Gärtner ist es wichtig, gute Lösungen zu finden, "für den Wald und für die Beschäftigten". Was den Wald angeht, so beklagen die Konstanzer, dass das Bundeskartellamt eine ganze Reihe vorgelagerter Tätigkeiten in der Waldwirtschaft als Bestandteil des Holzverkaufs wertet. Dabei geht es zum Beispiel um Pflegemaßnahmen und andere forstliche Tätigkeiten, die Forstpraktiker vor Ort als Aufgabe der Daseinsvorsorge und des Erhalts der Natur werten.

Und die andere Seite? Nach Auskunft des Präsidenten des baden-württembergischen Verbandes der Säge- und Holzindustrie Wilhelm Schilling (Weingarten) erhoffen sich die noch verbleibenden Säger durch die Zerschlagung des Preismonopols durch die Einheitsforstämter eine Reduzierung des Holzpreises. Der Vorwurf des Säger-Präsidenten: „Die staatlichen Holzverkäufer haben mit den großen Sägereien verhandelt und die Preise ausgehandelt.“

Diese beispielsweise von der Holzstelle der Landesforstverwaltung in Tübingen ausgehandelten Preise hätten die Forstämter in den Kreis übernommen. An diese Preise hätten sich deswegen die kleinen Sägewerker halten müssen. Aus diesem Grund begrüßt Wilhelm Schilling die Auflösung des Einheitsforstamtes – und des aus seiner Sicht damit verbundenen Monopols.

 

Unterschiede in den Landkreisen

  • Im Landkreis Konstanz beträgt der Waldanteil laut Forstverwaltung 33 Prozent der Fläche. Das sind rund 26 500 Hektar. 41 Prozent des Waldes gehört Städten, Gemeinden, Kirchen und Stiftungen. 40 Prozent sind Privatwald. Der Anteil des Staatswaldes beträgt 19 Prozent. 40 Prozent der vom Kreisforstamt mitbetreuten Waldbesitzer verfügen über Flächen, die kleiner als 100 Hektar sind. Pro Jahr werden in den Wäldern am westlichen Bodensee rund 200 000 Festmeter (Kubikmeter) Holz geschlagen. Das Kreisforstamt steuert Holzeinschlag und -vermarktung für ein Volumen von 120 000 Festmetern. Im Jahr 2015 lag der Anteil von Laubholz an der Vermarktung bei knapp 40 Prozent. In höheren Lagen im Norden des Landkreises dominiert der Nadelwald, am Bodensee hingegen der Laubwald. Wichtig ist aus Sicht der Forstexperten die klimastabile Entwicklung der Wälder.

  • Im Landkreis Sigmaringen sind nach Angaben der Kreisforstverwaltung 39 Prozent der Kreisfläche (46 600 Hektar) bewaldet. Damit liegt der Kreis leicht über dem Landesdurchschnitt von 38 Prozent. 25 Städte und Gemeinden teilen sich 20 000 Hektar und stellen damit eine Waldfläche von 43 Prozent. Mit 38 Prozent folgt der Großprivatwald, etwa 16 Prozent sind Kleinwaldbesitz. Nur etwa zwei Prozent der Waldfläche gehören dem Land und ein Prozent, etwa im Bereich des Truppenübungsplatzes in Stetten a.k.M., gehören dem Bund. Die Sigmaringer Forstverwaltung beziffert den Holzvorrat in den gesamten Wäldern im Kreisgebiet auf 15,5 Millionen Kubikmeter. Das entspricht 330 Kubikmetern pro Hektar. Jährlich wachsen rund 500 000 Kubikmeter an nutzbarem Holz nach. In den öffentlichen Wäldern und im Kleinprivatwald werden jährlich 250 000 Kubikmeter Holz geerntet. Dazu kommen weitere 200 000 Festmeter aus dem Großprivatwald.

  • Im Bodenseekreis beträgt der Waldanteil an der Gesamtfläche 28 Prozent. Das sind 18 800 Hektar. Davon gehören 58 Prozent privaten Waldbesitzern. Die verbleibenden 42 Prozent der Waldfläche sind zu gleichen Teilen im Besitz des Landes Baden-Württemberg und der Kreisgemeinden.

So wird Holz verwendet

  • Bauholz im Wandel: Je nachdem, ob das Holz von einem Laub- oder einem Nadelbaum stammt, wird es unterschiedlich verwendet. Fichten, Tannen, Douglasie, Lärche und Kiefer können zu Bauholz verarbeitet werden. Darunter verstehen die Fachleute alles Holz, das am und für den Bau eines Gebäudes benötigt wird. Diese Nutzung wird jedoch durch das billigere Konstruktionsvollholz immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Beim Konstruktionsvollholz werden, so schildert es Wilhelm Schilling, in einem Verfahren kürzere Holzteile, die oft aus dem Ausland exportiert werden, zu massiven Balken zusammengefügt. Trotz des vielfachen Transports der Kleinholzteile von Großsägewerken aus dem Ausland, vor allem aus Österreich, können diese Balken billiger angeboten werden als die herkömmlichen Fichtenholzbalken aus der kleinen regionalen Sägerei.

  • Laubhölzer sind in der Möbelindustrie gefragt. Aber – nur sehr wenige Sägereien sind nach Angaben des Verbandssprechers auf die Verarbeitung der schwereren Laubbaumstämme eingestellt. Außerdem sind auch hier Importe aus dem Ausland billiger. Wegen ihrer Schwere können aus Laubholzstämmen keine Balken hergestellt und in Dachkonstruktionen verbaut werden. Allerdings betont die Forstseite, dass auch aus den regionalen Wäldern Laubholzstämme nach Asien exportiert werden.

  • Brennholz: Besonders aus der Buche wird Brennholz gewonnen. Kunden der Waldbesitzer sind in diesem Segment Privatleute und Holzhändler, die das Brennholz, fix und fertig verarbeitet, frei Haus an den Endverbraucher liefern.

  • Pellets: Die Sägereien tragen überwiegend mit ihren Holzabfällen, Spänen und Sägemehl zur Pelletproduktion bei.

  • Hackschnitzel werden überwiegend direkt aus Abfallholz aus dem Wald hergestellt. Zum Beispiel aus dem Kronenmaterial gefällter Fichten oder aus Pflegemaßnahmen der Straßenbauverwaltung, etwa aus dem vom Straßenrand entfernten Gebüschschnitt.

  • Wird Fichtenholz bald knapp? Diese Befürchtung äußert Julia Uttenberger vom baden-württembergischen Verband der Säge- und Holzindustrie in Stuttgart. Sie verweist darauf, dass immer mehr Fichtenbestände aus der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgegliedert würden, beispielsweise zu Naturschutzzwecken. Sie erwähnt Fälle von Sägereien im Nordschwarzwald, die trotz der Nähe zu den Wäldern Bezugsprobleme hätten. Der Kommentar der gelernten Försterin: „Man darf die Fichte trotz der gegenwärtigen Probleme nicht verteufeln.“ Im nördlichen Bodenseebereich spielt die von Uttenberger beschriebene Flächenstilllegung keine Rolle, wie Stefan Kopp von der Kreisforstverwaltung in Sigmaringen betont.

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