Auf dem Dach arbeiten Solarzellen, die Toiletten spülen mit Regenwasser und die Schüler strampeln bei der Studienfahrt schon mal mit dem Rad über die Alpen statt sich in einen Flieger zu setzen. Die Zeppelin-Gewerbeschule nimmt in Sachen Umwelt- und Ressourcenschutz landesweit eine Vorreiterrolle ein. Als einzige in Baden-Württemberg und als eine von bundesweit fünf Schulen trägt sie jetzt den Titel Ressourcenschule in der höchsten Kategorie. Das Thema schonender Umgang mit Ressourcen werde in Theorie und Praxis im Schulalltag gelebt, sagte bei der Verleihung der Auszeichnung Sonja Eikmeier von der Verbraucherzentrale in Nordrhein Westfalen. Diese organisiert den Schul-Wettbewerb.

Präsentationen von Schülern zeigten die enorme Vielfalt, mit der Umweltthemen den Alltag an der Zeppelin-Gewerbeschule prägen. Die Schule hat eine Fahrradwerkstatt und eigene Leihräder. Bei Exkursionen in die Region ist es üblich, das Rad zu nehmen. Es gibt einen Kurs Nachhaltigkeit, in dem die Schüler intensiv zu Umweltfragen forschen. Aktuell wollen sie wissen, wie umweltfreundlich der geplante neue Gasantrieb für die Fähre Konstanz-Meersburg im Vergleich zum bisherigen Dieselantrieb ist. Andere Arbeiten widmen sich den Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu speichern oder den Wirkweisen von elektromagnetischen Wellen durch Mobilfunk.

Vorbildlich im schonenden Umgang mit Rohstoffen: Die Zeppelin-Gewerbeschule darf sich Ressourcenschule nennen. Anke Gregersen (von rechts) und Sonja Eikmeier überreichen den Preis, den Schüler und Rektor Karl Knapp (2.von links) entgegen nehmen.
Vorbildlich im schonenden Umgang mit Rohstoffen: Die Zeppelin-Gewerbeschule darf sich Ressourcenschule nennen. Anke Gregersen (von rechts) und Sonja Eikmeier überreichen den Preis, den Schüler und Rektor Karl Knapp (2.von links) entgegen nehmen. | Bild: Rindt Claudia

Doch es bleibt nicht bei der theoretischen Betrachtung. Wie klug der sorgsame Umgang mit Rohstoffen im Schulalltag sein kann, legt Informatiklehrer Siegmar von Detten dar. Die Schule habe 200 Computer. Früher sei es üblich gewesen, defekte Geräte gesammelt zu entsorgen, was der Schule Geld kostete. Inzwischen werden Altgeräte als Lager für Unterrichtsmaterialien genutzt. Verbindungskabel oder die Motoren von CD-Laufwerken kommen dann nochmals zum Einsatz. Findige Schüler hatten beispielsweise die Idee, daraus einen Drucker zu bauen. Das Modell sei so überzeugend gewesen, dass der Nachbau in den Unterricht aufgenommen wurde. Manche Computer würden auch wieder fit gemacht, und an Bedürftige abgegeben. In Werkstätten werden Mörtel und Hölzer mehrfach wieder verwendet.

Der Einsatz für eine gute Sache kann weite Kreise ziehen, das wissen die Schüler, die im Schulladen fair gehandelte Waren wie Schokolade oder getrocknete Mango anbieten. Sie sorgen für gerecht bezahlte Produzenten und stellen den Erlös gemeinnützigen Vorhaben zur Verfügung. "Wir besprechen, was wir mit dem Geld machen", sagt Schüler Yannick Schmitz. Als Motiv, sich für den Laden zu engagieren nennt er: "Ich will dazu beitragen, dass die Welt ein fairer Ort wird". Umwelttechniken spielen in der Berufsschule eine große Rolle, beispielsweise bei den Anlagemechanikern (Klima, Heizung, Sanitär). So sei es nur logisch gewesen, diese Themen auch auf die Schule anzuwenden, sagt Rektor Karl Knapp. Die Zeppelin-Gewerbeschule gilt als Leuchtturm mit ihrer Umwelthaltung. Bei der Preisverleihung gab es dennoch zwei Punkte, die Vertreter des Projekts Ressourcen-Schulen bemängelten. Sie sagten: Noch werde nicht konsequent auf Recycling-Papier gedruckt und noch sei der Schulhof vom System der Mülltrennung ausgenommen. Kaum angesprochen, bildeten Schüler und Lehrer einen neuen Arbeitskreis, der diese Themen auch noch angehen will.

Alles fair gehandelt: Yannick Schmitz (von links), Philipp Traber und Norman Reimer engagieren sich im Schulladen für ein Produktionssystem, das die Menschen nicht ausbeutet. Der Erlös fließt in gemeinnützige Projekte, etwa in Uganda. Zu den meist nachgefragten Waren gehören getrocknete Mangostücke.
Alles fair gehandelt: Yannick Schmitz (von links), Philipp Traber und Norman Reimer engagieren sich im Schulladen für ein Produktionssystem, das die Menschen nicht ausbeutet. Der Erlös fließt in gemeinnützige Projekte, etwa in Uganda. Zu den meist nachgefragten Waren gehören getrocknete Mangostücke. | Bild: Rindt Claudia

Langer Weg zur Auszeichnung

  • Die Schule: Die Zeppelin-Gewerbeschule hat 1250 Schüler und 80 Lehrer. Sie hat Vollzeitangebote, dazu gehören unter andem die Berufsfachschulen für Bauzeichner und Metall, das Berufskolleg zum Erwerb der Fachholschulreife, die Meisterschule für das Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk, die Fachschule für Technik – Fachrichtung Elektrotechnik und das Technische Gymnasium. Die Berufsschule hat unter anderem Zweige für Anlagemechaniker (Heizung, Sanitär, Klima), Bauzeichner, Maurer, Zimmerer und Fachinformatiker. Die Schule (Träger ist der Landkreis) wurde 2015 als besonders fahrradfreundlich und 2016 als besonders engagiert für den fairen Handel ausgezeichnet. Im Schülercafé und im Lehrerzimmer kommen beispielsweise wird nur fair gehandelter Kaffee getrunken.
  • Die Auszeichnung: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen möchte bundesweit Schulen zum sparsamen Umgang mit Ressourcen anregen. Bei der Bewerbung müssen sie eine Dokumentation ihrer Aktivitäten auf diesem Feld vorlegen. Ein begleitender Beirat mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Bildung, darunter der Deutschen UNESCO-Kommission, berät über die Bewerbungen und wählt die Schulen zur Auszeichnung in drei Kategorien aus. Im Schuljahr 2017/18 werden bundesweit 17 Schulen ausgezeichnet, aber nur fünf in der höchsten Kategorie, darunter die Zeppelin-Gewerbeschule. Sie trägt als einzige im Land Baden-Württemberg den Titel Ressourcen-Schule.