Die Arbeitsjahre mit höherem Einkommen in der Schweiz wirken sich bei Grenzgängern auch im Rentenalter aus. Sowohl gesetzliche Rentenkasse (AHV) sowie Pensionskassen sind für jeden Arbeitnehmer Pflicht und die Summe der Rentenbezüge am Ende höher als in Deutschland. Trotzdem ist zusätzliche Vorsorge angeraten.

Bezüge aus beiden Ländern

„Die goldenen Zeiten sind ein bisschen vorbei“, meint Georg Kirschbaum aus der Gemeinde Murg am Hochrhein zum Thema Rente aus der Schweiz. Der 65-Jährige war die letzten 20 Jahre Grenzgänger in die Schweiz und bezieht seit Oktober letzten Jahres Rente. Trotzdem ist Kirschbaum zufrieden. Denn noch immer fällt die Rente aus der Schweiz für ihn besser aus, als wenn sie nur aus Deutschland käme. Kirschbaum bezieht die beiden Regelrenten seiner Arbeitsjahre in Deutschland und der Schweiz sowie die Rente aus der Schweizer Pensionskasse.

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Beide Regelrenten waren im Rathaus seines Wohnortes zu beantragen, die Betriebsrente hingegen direkt bei seiner Pensionskasse. Zur Pensionskasse weiß der frühere Chemiker: „Das war vor 20 Jahren eine ganz tolle Sache.“ Als Geschäftsführer eines Unternehmens im Aargau hatte Kirschbaum als Vorsitzender der Pensionskasse seiner Firma einen genauen Einblick: „Das waren Fonds, die sechs bis zehn Prozent Rendite erwirtschafteten“, erinnert er sich. Inzwischen liege der gesetzlich vorgeschriebene Mindestzinssatz der Pensionskassen nur noch bei 1 Prozent. Das mache sich bei der Rente bemerkbar.

Bis zu 6432 Euro im Jahr

Kirschbaum jedenfalls rät jungen Grenzgängern, rechtzeitig Vorsorge zu treffen und sich die künftige Rente ausrechnen zu lassen. „Da wird oft nicht daran gedacht.“ Er selbst behielt neben Regelrente und Pensionskasse in seinen Arbeitsjahren eine zusätzliche Altersvorsorge im Blick. Eine Zusatzversicherung sei für ihn aber nicht passend gewesen: "Meine dritte Säule ist die Immobilie."

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Für Grenzgänger in die Schweiz ist als dritte Säule seit 2007 auch die Direktversicherung interessant. Warum, das erklärt Johannes Klein, Direktionsbevollmächtigter der Zurich Versicherung Deutschland: „Damals entschied die Oberfinanzdirektion Karlsruhe, dass auch Schweizer Arbeitgeber für ihre deutschen Grenzgänger eine nach § 3 Nr. 63 Einkommenssteuergesetz geförderte Direktversicherung nach deutschem Recht abschließen können.“

Im Spitzensteuersatz in Deutschland lohne sich das immer, betont Klein und erklärt: „Der Grenzgänger versteuert selbst vierteljährlich und kann so die Vorauszahlung reduzieren. Im Spitzensteuersatz lohnt sich das immer. Das macht für den Grenzgänger, wenn er voll ausschöpft, bis zu 6432 Euro im Jahr.“ Auch Klein plädiert für die dritte Säule: „Die Versorgungslücke ist immer da.“

"Es wird weniger werden“

Die Direktversicherung speziell für Grenzgänger als dritte Säule der Altersversorgung ist bislang noch relativ unbekannt. Viele zahlen stattdessen mehr in die Pensionskassen ein oder, vor allem jüngere Grenzgänger, haben schon Zusatzversicherungen, bevor sie in die Schweiz wechseln.

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Auch Tony Steinebrunner aus Albbruck am Hochrhein. Der 24-Jährige ging im Deutschen zunächst in der Chemischen Industrie in Ausbildung und wechselte anschließend ins Nachbarland. Das ist mittlerweile fünf Jahre her. Er habe gleich zu Beginn seiner Ausbildung eine private Zusatzversicherung abgeschlossen, als die Versicherer auf den Plan getreten seien, erzählt Steinbrunner, der seine Zusatzversicherung als ausreichend bewertet: „Ich hab das von Experten durchchecken lassen, als ich in die Schweiz gegangen bin."

Frankenkurs ist entscheidend

Rolf Eichin, Vorsitzender des Vereins Grenzgänger-Info in Lörrach, der über 15000 Grenzgänger im Jahr berät, plädiert ebenfalls für die dritte Säule. „Die Summe aus erster und zweiter Säule aus der Schweiz sollte in der Summe zwar etwas mehr sein als bei uns, aber am Ende ist es doch zu wenig“, so Eichin. Hauptargument ist für Zusatzvorsorge ist für ihn die demographische Entwicklung: „Auch die Schweizer müssen reformieren. Es wird weniger werden.“

Was an Rente am Ende bleibt, hängt letztlich auch vom Frankenkurs ab. Beispiel: Am Stichtag 1. Januar 2019 gab es für 3000 Schweizer Franken rund 2665 Euro. Zwei Jahre zuvor waren es 2798 Euro und 2015 2494 Euro.

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