Wer Landrat des Landkreises Konstanz werden will, bewirbt sich um einen verantwortungsvollen Posten. Er strebt die Leitung einer Behörde mit knapp tausend Mitarbeitern an und übernimmt mit der Wahl die Steuerung eines Jahreshaushalts mit einem Finanzvolumen von 340 Millionen Euro. Er ist in vielen Gremien vertreten, zum Beispiel führt er den Aufsichtsrat des kommunalen Gesundheitsverbundes.

Keinesfalls läuft der Amtsinhaber Gefahr, der Langeweile anheimzufallen. Der neue Landrat handele sich mindestens eine 60-Stunden-Arbeitswoche ein, wie Carsten Dehner, Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums, erläutert. Dehner kann auch etwas über das Einkommen der Führungskraft sagen. In der ersten Amtsperiode darf der oder die Neue mit einem Basisgehalt von 10 080 Euro rechnen. Dazu kommt eine Dienstaufwandsentschädigung von 13,5 Prozent. Das entspricht dann einem Aufschlag von 1363 Euro. In der zweiten Amtsperiode fällt das Grundgehalt dann rund 400 Euro höher aus.

Unbestritten sind die Verdienstmöglichkeiten für Führungskräfte in der freien Wirtschaft deutlich besser. Liegt es vielleicht daran, dass sich das Bewerbungsverfahren um die Stelle des Konstanzer Landrats so zäh gestaltet? Der derzeitige Amtsinhaber, Frank Hämmerle, geht Ende April nächsten Jahres in den Ruhestand. Seit dem 1. Dezember läuft die einmonatige Bewerbungsfrist. Doch bis zum gestrigen Mittwoch lagen erst zwei Bewerbungen vor.

Gute Gründe für Diskretion

Bei der ersten soll es sich um eine seriöse Kandidatur handeln. Aus den Reihen der Kreistagsmitglieder verlautete allerdings, der Bewerber sei kein bekanntes Gesicht. Und offensichtlich möchte dieser Kandidat selbst auch vorerst gar nicht öffentlich bekannt werden. Die Identität wird sowohl vom Landratsamt als auch von den mit dem Wahlverfahren beauftragten Kreistagsmitgliedern geheim gehalten, weil der Bewerber ausdrücklich auf Diskretion besteht. So steht die Aussage des Wahlausschussvorsitzenden Bernd Häusler stellvertretend für diverse andere. „Leider kann ich Ihnen den Namen noch nicht sagen. Der/Die Bewerber/in hat um Vertraulichkeit gebeten“, teilte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion mit.

Es mutet widersprüchlich an, dass ein Kandidat um ein wichtiges öffentliches Amt selbst die Öffentlichkeit scheut. Doch der Bewerber kann für die Bitte um Diskretion gute Gründe haben. Befindet er sich in einer sicheren beruflichen Position, hat er kein Interesse daran, dass sein Arbeitgeber von der Bewerbung erfährt. Ohnehin muss der Kandidat die Kreistagsfraktionen davon überzeugen, dass er die richtige Wahl ist, nicht die Bevölkerung. Denn es ist der Kreistag, der den neuen Landrat wählt, und nicht das Volk.

Die in dieser Woche eingereichte zweite Bewerbung um den Landratsposten wirft andere Fragen auf. Der Kandidat meldete sein Interesse dem Vernehmen nach nur per E-Mail an. Es fehlen die erforderlichen Unterlagen, die auf Papier eingereicht werden müssen. Der Organisationsausschuss des Kreistags muss entscheiden, wie der Fall zu beurteilen ist.

Es besteht noch Hoffnung

Einerlei, wie man die Kandidatenlage bewertet: Der Kreistag hat für seine Wahlentscheidung bislang nicht die große Auswahl. Womit sich die Frage stellt, wie es um die Attraktivität eines öffentlichen Amts bestellt ist, das Gestaltungswillen verheißt und mit einer Sieben-Tage-Woche droht. Unter Kreistagsmitgliedern besteht jedoch Hoffnung, dass sich am Ende ein geeigneter Nachfolger für Hämmerle findet. Ein Kreisrat berichtete, es gebe noch weitere Interessenten. Ob die eine Bewerbung abgeben, entscheide sich allerdings erst über die Weihnachtstage.