Still ruht der See im Markelfinger Winkel im Morgennebel. Nur mehrere Gruppen von Enten schwimmen auf dem spiegelglatten Wasser, viele der Wasservögel sind zum Überwintern an den Bodensee gekommen. Für den Betrachter eine beruhigende Szenerie. Für viele Wassersportler an dem kleinen Seeteil aber auch eine beunruhigende. Denn nachdem der Naturschutzbund Nabu einen sogenannten Unterschutzstellungsantrag gestellt hat, prüft das Regierungspräsidium Freiburg eine Ausweitung des Naturschutzgebiets Markelfinger Winkel.

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Der Wassersportclub Markelfingen (MWSC) gehört zu jenen, die ihre Aktivitäten, wenn nicht gar ihre Existenz bedroht sehen, falls im Sommer weitere Bereiche für Wassersportler gesperrt werden sollten. Dabei seien weniger die organisierten, sondern eher individuelle Wassersportler für Störungen der Vogelpopulationen verantwortlich, sagt der Vereinsvorsitzende Jens Daniel und ergänzt: „Der Markelfinger Wassersportclub ist sich der Verantwortung absolut bewusst. Er hat sich die ganze Saison bemüht, Regelverstöße von Mitgliedern zu ahnden. Alle Mitglieder wurden in Rundmails über entsprechende Verhaltensregeln informiert. Diese wurden weitgehend eingehalten.“

Vorsitzender Jens Daniel (rechts) und Platzwart Klaus Waldner im Spätsommer auf dem Gelände des Wassersportclubs Markelfingen. Der Verein wäre von einer Erweiterung des Naturschutzgebiets Markelfinger Winkel in hohem Maße betroffen.
Vorsitzender Jens Daniel (rechts) und Platzwart Klaus Waldner im Spätsommer auf dem Gelände des Wassersportclubs Markelfingen. Der Verein wäre von einer Erweiterung des Naturschutzgebiets Markelfinger Winkel in hohem Maße betroffen. | Bild: Buchholz, Michael

Eine ähnliche Einschätzung hat Andreas Dummel, Leiter der Wasserschutzpolizeistation Konstanz. Die meisten Verstöße gebe es bei individuellen Seenutzern beziehungsweise Tagesgästen, die anscheinend die Regeln nicht kennen. Meist bleibe es bei einer Aufklärung ohne Geldstrafe durch die Wapo-Beamten. Was Dummel und seinen Kollegen Sorge bereitet: „Viele Stand-up-Paddler fahren am liebsten unmittelbar am Schilfgürtel entlang. Deshalb würde die Wasserschutzpolizei sich über mehr Verhaltenshinweise an den Einwasserungsstellen freuen.“

Wapo kann nur begrenzt kontrollieren

Intensivere Kontrollen durch die Wapo im Sommer, die Jens Daniel und MWSC-Platzwart Klaus Waldner wünschen, hält Dummel für nicht machbar. Bereits jetzt schon seien die hiesigen Kollegen während der Wassersportsaison von Kräften der Technischen Einsatzeinheit der Bereitschaftspolizei Göppingen unterstützt worden. Dabei sei festgestellt worden, dass die überwiegende Mehrzahl der Freizeitkapitäne sich korrekt verhalten und insbesondere das Höchsttempo von zehn Stundenkilometern eingehalten habe.

Diese Höchstgeschwindigkeit könnte durch ein unübersehbar platziertes Schild am Eingang zum Markelfinger Winkel noch besser ins Bewusstsein gerückt werden, glauben Jens Daniel und Andreas Dummel. Das dürfte auch die vereinzelten Wasserski- oder Wakeboardfahrer fernhalten.

„Ich finde die Überlegungen des Regierungspräsidiums vernünftig. Das Konzept sieht unterschiedliche Ausdehnungen der Schutzzonen im Sommer und Winter vor.“Eberhard Klein, Leiter des Nabu-Bodenseezentrums
„Ich finde die Überlegungen des Regierungspräsidiums vernünftig. Das Konzept sieht unterschiedliche Ausdehnungen der Schutzzonen im Sommer und Winter vor.“Eberhard Klein, Leiter des Nabu-Bodenseezentrums | Bild: Marinovic, Laura

Sowohl Jens Daniel als auch Andreas Dummel sind jene Seenutzer bewusst, die Eberhard Klein von Naturschutzbund ärgern. Es seien laut Klein insbesondere schnelle Boote mit starker Richtungsänderung und Stand-up-Paddler. Klein versucht die Wogen zu glätten, auch wenn er mit aller Konsequenz für eine Erweiterung des Naturschutzgebiets eintritt.

Zunächst einmal gehe es darum, durch eine Ausweitung der Schutzzone im Winter der Natur mehr Ruhe zu gönnen. Deshalb seien in dem Konzept unterschiedliche Ausdehnungen des Naturschutzgebietes im Sommer und Winter vorgesehen. Im Winter werde eine Sperrung des gesamten Markelfinger Winkels angestrebt. Zu dieser Jahreszeit überwintern besonders viele Wasservögel in diesem maximal einen Kilometer breiten breiten und drei Kilometer langen Bereich.

Vereinzelte Aktivitäten stören besonders

Im Winter werde doch sowieso kaum Wassersport getrieben, wozu dann also die ganze Aufregung, fragt MWSC-Vorsitzender Jens Daniel. Weil Störungen durch einzelne Aktivitäten im Winter die Wasservögel noch viel mehr beunruhigen als der Dauerpegel im Sommer, erklärt Eberhard Klein. Insbesondere Stand-up-Paddler, die, in Neoprenanzügen gekleidet, vereinzelt auch schon im Winter dort gesehen worden seien, schreckten die Vögel auf. Der dadurch erhöhte Energieverlust sei eine Gefahr.