Konstanz Wenn der Haubentaucher auf der Balz ist

Beim neuen Angebot zur Vogelschau auf Seerhein und Untersee kooperiert der Konstanzer Naturschutzbund mit dem Schweizer Schifffahrtsunternehmen URh.

Es ist ein Tag, den der Mensch gerne auf einem Bodenseeschiff verbringt. Gleißende Sonne am blauen Himmel, Sommergefühle im Mai. Der kühle Luftzug auf dem Oberdeck kommt gelegen, wenn das Kursschiff der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) Fahrt aufnimmt. Erst im Kreuzlinger, dann im Konstanzer Hafen sind knapp 20 Personen zugestiegen, um an einer kleinen Premiere teilzunehmen. Die URh bietet in dieser Saison in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbund-Gruppe Konstanz eine Vogelschau-Fahrt an.

Refugium für 300 Vogelarten

Die vogelkundliche Bedeutung des Bodensees ist groß, mehr als 300 Vogelarten leben hier – das belegen die Zählungen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee. Und der Seerhein-Abschnitt ab Konstanz mit dem Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee ist in den Sommermonaten das unumstrittene Zentrum der Wasservogelwelt. Es sind nicht die großen Vogelkolonien wie in der Winterzeit, auf die sich das Auge richten kann. Wer hier die gefiederten Seebewohner entdecken will, muss genauer hinschauen. Wie gut, dass die Veranstalter die Teilnehmer mit Ferngläsern ausrüsten und wie gut, dass Martina Wunderle-Götz den Blick der Teilnehmer in die richtige Richtung lenkt: die Haubentaucher auf der Balz vor dem Rheinstrandbad, das Schwanenpaar vor dem Bodenseeforum, die Stockenten am Ufer des Tägermoos. Zu viel Zeit darf der Vogelfreund an Bord sich bei der Justierung des Fernglases indes nicht lassen, denn das Kursschiff hält auf dem Weg nach Schaffhausen seinen Fahrplan ein.

Abstand halten: Pfähle markieren die Fahrrinne auf die Flachwasserzone bei Gottlieben und Ermatingen. Gekrönt sind sie hier mit einem Korb. Bild: Franz Domgörgen
Abstand halten: Pfähle markieren die Fahrrinne auf die Flachwasserzone bei Gottlieben und Ermatingen. Gekrönt sind sie hier mit einem Korb. Bild: Franz Domgörgen | Bild: Franz Domgörgen

Kormoran auf dem Ruhebaum

Martina Wunderle-Götz, die zweite Vorsitzende der Konstanzer Nabu-Gruppe ist, würzt Informationen zum Verhalten der Wasservögel mit naturkundlichen Anmerkungen und vermittelt zugleich Wissenswertes zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Hotspot der Vogelbeobachtung ist die Passage vorbei am Wollmatinger Ried und durchs Ermatinger Becken. Hier wird Neugier auf den Eisvogel und die Rohrweihe geweckt, die eher selten vorkommen am Bodensee und sich an diesem Vormittag gar nicht blicken lassen. Stattdessen zeigt sich aber der oftmals als Fischräuber angefeindete Kormoran, der auf dem Ruhebaum hockt und "seine Wäsche trocknet", wie die Gruppenleiterin es formuliert. Mit der Wäsche ist das Gefieder gemeint.

Plädoyer für Erhalt der Natur

Wunderle-Götz will bei den Vogelschau-Fahrten informieren, begeistern und Verständnis wecken für den Natur- und Umweltschutz. "Meine wichtigste Botschaft ist, dass wir behutsam umgehen müssen mit der Natur, dass wir das bewahren und erhalten, was wir haben", sagt sie. Strittigen Themen will sie dabei bei den weiteren Erkundungsfahrten in den kommenden Monaten nicht aus dem Weg gehen. Aus Sicht des Nabu ist beispielsweise der Kormoran nicht der Bösewicht, der bekämpft werden muss, weil er Fischbestände über Gebühr dezimiert. Remo Rey, Geschäftsführer der URh, ist überzeugt, dass das Unternehmen gut daran getan hat, die Vogelschau ins Angebot aufzunehmen. Es sei wichtig, Besuchern die Besonderheiten der Region näherzubringen: "Wir leben von der intakten Naturlandschaft."

Die Vogelschau-Tour endet nach 13 Kilometern Fahrtstrecke am Anleger der Insel Reichenau. Ein befragtes Schweizer Paar lobt das Angebot. Und das, obwohl es am Wohnort Genf selbst einen See vor der Haustür hat.

Die eingewanderte Mittelmeer-Möwe wurde bei der Vogelschau nicht gesichtet. Sie zählt aber inzwischen zum festen Bestand der Vogelwelt am Untersee.
Die eingewanderte Mittelmeer-Möwe wurde bei der Vogelschau nicht gesichtet. Sie zählt aber inzwischen zum festen Bestand der Vogelwelt am Untersee.

Die Tour

Die Vogelschau-Fahrten auf Kursschiffen der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) finden im Mai, Juni und September jeweils am Dienstagvormittag statt. Start ist in Kreuzlingen um 9 Uhr und in Konstanz um 9.12 Uhr. Die Touren mit kompetenter Begleitung durch Mitglieder des Naturschutzbundes enden am Anleger Reichenau (Dauer: ca. eine Stunde). Die Teilnahme kostet 8 Schweizer Franken Aufpreis aufs Schiffsticket von 18 Franken/16.40 Euro für die Strecke Kreuzlingen-Reichenau. Die URh raten zur Vorab-Buchung (www.urh.ch/plus).

 

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