Beim Thema ideales Bodenseeufer gehen die Ansichten vieler Interessensgruppen weit auseinander. Naturschützern und Gewässerkundlern sind viele jener Mauern ein Dorn im Auge, von denen aus Spaziergänger romantische Sonnenuntergänge genießen. Viele, nicht nur gehbehinderte Besucher von Freibädern vermissen jene betonierten Rampen, die im Zuge von Renaturierungen entfernt wurden. Wie also sollte bei der Gestaltung von Uferbereichen von den Verantwortlichen vorgegangen werden?

Antworten auf 155 Buchseiten

Zu dieser Frage hat die Universität Konstanz Handlungsempfehlungen herausgegeben. Die Wissenschaftler Hilmar Hofmann und Wolfgang Ostendorp haben in Kooperation mit weiteren Fachleuten auf 155 Seiten Untersuchungen am nördlichen Bodenseeufer zusammengefasst. Der Band fußt laut einer Mitteilung der Universität auf einem dreijährigen Forschungsprojekt mit dem sperrigen Titel „HyMoBioStrategie“. Es wurde vom Limnologischen Institut der Konstanzer Uni betreut. Für Laien verständlicher ist der Titel des kostenlos auf der Internetseite der Uni als PDF-Dokument erhältlichen Bandes: „Seeufer: Wellen – Erosion – Schutz – Renaturierung“.

Empfehlungen richten sich an breiten Personenkreis

Mit dieser Arbeit wollen die Wissenschaftler sich nicht nur an ein akademisches Fachpublikum richten. Vielmehr betonen sie, mit thematisch breit gefächerten Handlungsempfehlungen über den aktuellen Wissensstand hinaus allen Akteuren Anregungen zu geben, denen das nachhaltige Management der Seeuferzone am Herzen liege.

Sie lassen aber keinen Zweifel aufkommen, dass sie den Bodensee vor weiteren Uferbebauungen und Nutzungen schützen wollen, da natürlich erhaltene Seeufer in Alpenseen Mangelware seien. Der Obersee gilt bei Wissenschaftlern als Alpensee. Dieser Aspekt kommt auch immer wieder zur Sprache, wenn sich Wissenschaftler zu der von Berufsfischern gewünschten leichten Erhöhung des Nährstoffeintrags äußern.