Nicht für jeden Geflüchteten, der nach Deutschland kommt, erfüllen sich hier die eigenen Wünsche und Hoffnungen von einem guten Start in ein neues Leben. Und da mag es zumindest Phasen geben, in denen der Zuwanderer sich überzeugen lassen könnte, mit einer gewissen Starthilfe ausgestattet, wieder zurück in sein Herkunftsland zu reisen. Das Amt für Migration und Integration im Landratsamt hat jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Demnach sind seit Anfang 2016 genau 459 Männer, Frauen und Kinder, die als Asylbewerber an den westlichen Bodensee kamen und im Landkreis Konstanz wohnten und betreut wurden, wieder freiwillig in die alte Heimat zurückgereist. Nach Albanien, Serbien oder ins Kosovo. In den Irak, nach China oder Gambia. Mit dem Fernbus oder mit dem Flugzeug.

Hilfe beim Neustart

Die organisatorische Vorarbeit und Beratung für potenzielle Rückkehrer leistet im Amt für Migration und Integration Michael Messner. Er leitet die Rückkehrberatung, die der Landkreis bereits vor zehn Jahren für Zuwanderer eingerichtet hat. „Es gibt die naheliegenden Fälle, in denen Menschen Schwierigkeiten haben, hier anzukommen“, sagt Messner. Möglicherweise erkundigen sie sich aber auch selbst nach freiwilligen Rückkehrmöglichkeiten. Der Rückkehrberater erzählt von einem Zuwanderer, dessen Vater im afrikanischen Heimatland gestorben war, und der sich dann überlegte, die kleine Landwirtschaft der Familie zu übernehmen. Programme des Bundesinnenministeriums erleichtern Migranten in solchen Fällen den Wechsel.

Eine neue Küche im Kosovo

Rückkehrer erhalten nicht nur ein Flugticket oder je nach Zielland die Fahrt im Fernbus bezahlt, der deutsche Staat will auch vor Ort den Neustart erleichtern. Dies geschieht zum Beispiel über die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen in den jeweiligen Zielländern. Auf diese Weise werde auch schon mal für Rückkehrer im Kosovo eine Küche bezahlt, sagt Ludwig Egenhofer, der Leiter des Amts für Migration und Integration. Was die Fälle angeht, die eine Rückkehr nahelegen, fächert Egenhofer einige Motive auf. Wenn beispielsweise ein Geflüchteter sich isoliere und alle Integrationsmaßnahmen verweigere, könne dies ein Grund sein, die Person mit der Möglichkeit der freiwilligen Ausreise vertraut zu machen. „Es geht um Leute, die nicht mitmachen“, so Egenhofer. Einerseits. Andererseits entschließen sich vielleicht auch Flüchtlinge zur Ausreise, die in Deutschland Schulden angehäuft haben, zum Beispiel durch fragwürdige Handyverträge. Oder Menschen, die wegen Drogenhandels mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Manchmal sei aber auch einfach Heimweh ein Motiv, sich mit einer freiwilligen Ausreise zu beschäftigen.

Landkreis finanziert in Teilen mit

„Jeder Fall ist ein individueller Fall“, sagt Michael Messner. Ihm ist wichtig, dass der Ortswechsel auf freiwilliger Basis erfolgt. Und: „Ich muss dafür sorgen, dass die Menschen so gut wie möglich informiert sind“. Dafür führt er mit den Betroffenen bis zu vier oder fünf Informationsgespräche. Wobei das Amt auf Dolmetscherdienste zurückgreift. Es geht um die Klärung des Status der Flüchtlinge, um Ausweispapiere und Reiseformalitäten. Wenn ein Land wie China zum Beispiel postuliert, es gebe keine chinesischen Flüchtlinge, wird auch die Rückführung schwierig. Mindestens drei Länder kommen für das Migrationsamt nicht für eine Rückführung von Flüchtlingen in Frage, wie Rückkehrberater Messner bekräftigt. Man verfüge in Syrien, Somalia und Eritrea keine Möglichkeit, Rückkehrer angemessen zu unterstützen. 2500 Euro Kosten fallen im Durchschnitt auf deutscher Seite für eine freiwillige Ausreise an, in Teilen mitfinanziert vom Landkreis Konstanz.