Die einen sehen die Energiewende in der Region als gescheitert an, die anderen setzen auf Alternativen zur Windkraft. Diese Positionen vertraten Mitglieder des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee, der sich am Dienstag in seiner Sitzung in Konstanz mit Möglichkeiten zur Windkraftnutzung befasste. Fazit: An Bodensee, Hochrhein und im Südschwarzwald gibt es praktisch kaum eine Möglichkeit für den Bau weiterer größerer Anlagen wie die bei Tengen, die vor einigen Monaten in Betrieb ging.

Den eingangs der Beratung geschilderten Sachstand bezeichnete unter anderem der Mühlinger Bürgermeister Manfred Jüppner als ernüchternd. Schließlich sind von den anfangs 31 000 Hektar Fläche mit ausreichendem Wind (Windhöffigkeit) nach Berücksichtigung aller Ausschlusskriterien gerade noch 490 Hektar übrig geblieben. Am Nikolaustag des Jahres 2011 hatte die Verbandsversammlung das "Verfahren zur 2. Teilfortschreibung Regionalplan 2000 – Windenergienutzung" beschlossen. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich die Ermittlung von Gebieten, in denen Windkraftanlagen Vorrang vor anderer wirtschaftlicher Nutzung haben sollten.

Knapp drei Jahre später hatte man 17 mögliche Gebiete ausfindig gemacht. Dann trat der Rotmilan auf den Plan beziehungsweise die amtliche Schutzwürdigkeit des Raubvogels, der sich gewissermaßen zu einem Symbol dafür entwickelte, wo Windkraftanlagen unerwünscht sind. Damit blieben letztendlich noch sieben Vorranggebiete übrig. Auf zweien davon sind jetzt Anlagen in Betrieb. Die eine, Verenafohren, bei Tengen, die andere, Rohrenkopf, etwas östlich von Zell im Wiesental auf 1150 Meter Höhe und damit der höchstgelegene Windpark in Deutschland. Zwei der Vorrangflächen liegen im Kreis Konstanz (bei Tengen und Eigeltingen), die anderen im Südschwarzwald rund um das Wiesental.

Mit den beiden laufenden Anlagen dürfte es das im Südwesten dann wohl auch gewesen sein, ist der umfangreichen Sitzungsunterlage und den Ausführungen der Verbandsvorsitzenden Marion Damman zu entnehmen. Die Lörracher Landrätin hält lediglich einzelne Windräder noch für genehmigungsfähig, nicht jedoch Vorranggebiete für größere Anlagen. Sie ist der gleichen Ansicht wie einige Redner bei der Versammlung, dass die Energiewende nicht nur mit Windkraft zu schaffen sei. Doch merkte sie auch an: "Wir müssen beim Energieverbrauch auch das Nutzerverhalten betrachten."

Eine drastische Position nimmt Rainer Luick (Grüne, Hilzingen) ein: "Wir beschließen heute das Ende der Energiewende im Zuständigkeitsbereich des Regionalverbands." Mit dieser Aussage erntete er sogar Widerspruch aus den eigenen Reihen, denn Fraktionsvorsitzender Lüder Friedrich Rosenhagen (Bad Säckingen) betonte kurz darauf, dass Luicks Aussage eine Einzelmeinung sei, nicht die Haltung der Fraktion. Diese dürfte dann näher an Wortmeldungen wie jener von Jürgen Keck (Radolfzell) liegen: "Die Energiewende können wir auch anders hinkriegen. Bei uns macht Sonne und Wasser Sinn." Ein wenig Unterstützung hatte Luick jedoch in seinem Fraktionskollegen Günter Beyer-Köhler (Konstanz) gefunden. Dieser hält die Windkraft für die effektivste Art alternative Energie zu erzeugen. Und der oft geäußerten Kritik an einer Verspargelung der Landschaft durch Windräder hielt er entgegen, dass sich niemand an Straßennetzen und Stromleitungstrassen störe. Und: "Mit unseren Plänen von einer Wertschöpfung in der Region durch alternative Energieerzeugung ist etwas schief gegangen."


Daran scheitern Anlagen

Bei der Planung von Windrädern sind viele Kriterien zu berücksichtigen, die gegen einen Standort sprechen könnten. Zunächst einmal wird gemessen, ob genug Wind weht. Die durchschnittliche Jahreswindgeschwindigkeit muss mindestens 5,25 Meter pro Sekunde in 100 Meter Höhe betragen. Auch sind Mindestabstände beispielsweise zu Wohnbebauung, Verkehrswegen, wirtschaftlich genutzter Bebauung, medizinischen Einrichtungen oder Freileitungen zu berücksichtigen. Auch Gefährdungen windenergieempfindlicher Vogelarten können gegen den Bau sprechen, meist ist vom Rotmilan die Rede. In Baden-Württemberg sollen zehn bis 17 Prozent des weltweiten Bestandes leben.