Wir haben mit Frederik Wilhelmsmeyer, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes gesprochen. Er weiß genau, welche Systeme Taxifahrern den optimalen Schutz vor Angriffen bieten können.

Herr Wilhelmsmeyer, welche Möglichkeiten hat Ihrer Meinung nach ein Taxifahrer, wenn er in Not gerät?

"Es gibt an erster Stelle die klassische Taxi-Alarmanlage. Diese existiert seit den 60-er Jahren. Sie löst beim Drücken eines Knopfes einen lauten Alarm aus: In einem bestimmten Intervall blinken die Scheinwerfer sowie Blinker und das Dachzeichen auf. Zudem löst der Alarm die Hupe aus. Diese technische Einrichtung ist in jedem Taxi gesetzlich vorgeschrieben. Leider birgt diese Art des Alarms bisweilen auch die Gefahr einer Eskalation des Angreifers.

Die zweite Möglichkeit ist ein sogenannter stiller Alarm. Das ist eine verdeckte Notruftaste. Betätigt der Fahrer diese Taste, geht ein Notruf in der Taxileitstelle ein. Teilweise ist das der gleiche Knopf wie bei der klassischen Alarmanlage.

Um das Taxi zu lokalisieren verfügt fast jedes Fahrzeug über ein GPS: Über eine Handydatenkarte kann das Taxi geortet werden. Momentan ermöglicht diese Technik zumindest in den deutschen Großstädten und Ballungsgebieten eine flächendeckende Erreichbarkeit aller Fahrzeuge.

Betrachtet man die Überfallstatistik der Taxi-Stiftung Deutschland, wurden die Übergriffe auf Fahrerinnen und Fahrer von 2007 (460 Verletzte) bis 2016 (237 Verletzte) fast halbiert, was wir hauptsächlich auf diese Ortungstechnik zurückführen."

Als einen weiteren Alarm gibt es noch die roten LEDs im Dachzeichen des Taxis. Wie beurteilen Sie diese Art des Alarms?

"Das ist ein sogenannter stiller optischer Alarm. Leider hat sich dieser mangels flächendeckender Bekanntheit nicht in dem gewünschten Maße durchgesetzt. Die Polizei und Eingeweihte wissen aber sehr wohl über dieses Alarmsignal an Taxis Bescheid. Ohnehin ist die Aufklärungsquote der Polizei bei Überfällen auf Taxifahrer hoch."

Was bietet Ihrer Meinung nach den optimalsten Schutz vor Überfällen?

"Ich denke sowohl der stille Alarm als auch die sogenannten Überfallschutzkameras bieten zusammen den besten Schutz. Diese Kameras sind nicht zu verwechseln mit Dash Cams. Diese nehmen dauerhaft auf. Das machen Überfallschutzkameras nicht, es wäre auch verboten dauerhaft zu filmen. Es werden nur einzelne Fotos gemacht, die nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden. Diese Bilder unterliegen strengen Datenschutzvorschriften und sind auch nur von autorisiertem Personal einsehbar. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch souveränes und deeskalatives Verhalten des Fahrers, denn viele Überfälle und Tätlichkeiten entstehen ungeplant aus Konfliktsituationen."