Konstanz Wasservögel am Bodensee: Wenn Wintergäste ausbleiben

Feldornithologen zählen im Winterhalbjahr regelmäßig die Wasservögel am Bodensee. Die jüngste Erhebung zeigt: Einige Entenarten zieht es in dieser Saison in andere Reviere.

Von September bis April schwärmen sie einmal im Monat aus. Sie postieren sich mit modernsten Sichtgeräten an bestimmten Standorten rund um den Untersee, den Obersee, den Überlinger See, in der Bregenzer Bucht und im Rheindelta. Die Rede ist von rund 50 Feldornithologen, die ehrenamtlich in der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) aktiv sind. Ihr Auftrag: Das Zählen der Wasservögel am Bodensee. Im Winter ist die Population dieser Tiere hier besonders hoch, denn der Bodensee ist ein beliebter Platz zum Überwintern.

Die jüngste Zählung am 17. Dezember hat für die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft einige markante Erkenntnisse gebracht. Im Überblick fällt auf, dass die Gesamtzahl der Wasservögel mit rund 198 000 ein Stück weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 205 000 liegt. Im Detail zeigt sich, dass in diesem Winter einige Entenarten in deutlich geringer Zahl anzutreffen sind als im Vorjahr. Es handelt sich um sogenannte Gründelenten, die in Flachwasserzonen von der Wasseroberfläche aus mit untergetauchtem Kopf ihr Nahrungsangebot auf dem Seegrund finden. So bevölkerten Mitte Dezember 82 Prozent weniger gründelnde Krickenten den Bodensee als im Vergleichsmonat des Vorjahrs. Bei der Stockente waren es knapp 37 Prozent. Harald Jacoby, Vorstandsmitglied der Ornithologischen Gemeinschaft und einer von drei Koordinatoren der Zählung, sieht die Ursache für das Ausbleiben der gefiederten Gäste im derzeit relativ hohen Wasserstand des Bodensees. Bewegt sich der Pegel nicht über drei Meter (wie Ende 2016) ist das für die Gründelenten günstig, weil sie dann leicht an ihr Futter kommen.

Bei einem Wasserstand um 3,40 Meter haben die Gründelenten da Probleme. In den vergangenen Wochen bewegte sich der Bodenseepegel Konstanz oberhalb der Marke von 3,30 Meter. Am Tag der Wasservogelzählung waren es sogar 3,49 Meter. Unter diesen Bedingungen steuern beispielsweise die Krickenten statt des Bodensees Ziele in der Camargue oder im Donauraum an. "Die wetterbedingten Effekte kann man ablesen", erläutert Jacoby.

Der Vogelbeobachter aus Konstanz macht derweil auf eine weitere Erkenntnis aufmerksam. So habe sich gezeigt, dass gefiederte Gäste aus den nordischen Ländern wie zum Beispiel der Singschwan sich in diesem Winter eher rar machen im Voralpenland. Im Dezember 2017 wurden 147 Exemplare der Vogelart registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 655. Auch hier könnte ein Wetterphänomen die Ursache des Schwunds sein: Angesichts des bisher eher milden Winterwetters überwintern einige Wasservogelarten vermutlich weiter nördlich.

Erkennisse zum Kormoranbestand

  • Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) beschäftigt sich mit der Untersuchung und dem Schutz der Vogelwelt am Bodensee. Dazu gehören Bestandserfassung der Vögel, Ermittlung von Gefährdungsursachen und Erarbeitung von Schutzvorschlägen. Der AOB gehören deutsche, österreichische und schweizerische Feldornithologen an. Die Vereinigung feiert 2018 60-jähriges Bestehen.
  • Die Wasservogelzählung liefert auch Informationen zur Verbreitung des Kormorans. Der Bestand des von Fischern als Fischräuber gescholtenen schwarzen Vogels betrug laut Monitoring im Dezember 2017 rund 1400 Tiere. Das entspricht in etwa dem Zählungsergebnis im Dezember 2016. Zugenommen hat indes die Zahl der Brutpaare. 2017 waren es laut Ornithologischer Arbeitsgemeinschaft 526.
  • Der Appell: Die OAB ist überzeugt, dass der Abschuss des Kormorans nicht geeignet ist, die Ertragsprobleme der Bodenseefischer zu lösen. Der Kormoran jage vielmehr kleine Schwarmfischarten, die von den Fischern nicht genutzt werden. Aus den Abschüssen von jährlich 600 bis 700 Vögeln wisse man, dass der Kormoran derzeit primär den wirtschaftlich nicht nutzbaren Stichling fresse.

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