Nach dem angekündigten Abschied des „Tatort“ aus Konstanz bleibt die Region zum Glück in der ZDF-Reihe „Die Toten vom Bodensee“ als Krimischauplatz präsent. Das dortige Ermittler-Duo ist ohnehin interessanter als das schon seit einiger Zeit in Routine erstarrte gemischte ARD-Doppel, zumal die Drehbücher das Privatleben der beiden Hauptfiguren geschickt mit den Fällen kombinieren. Ganz normale Kollegen sind Hannah Zeiler (Nora von Waldstätten) und Micha Oberländer (Matthias Koeberlin), die eine Einheit zur grenzübergreifenden Kriminalitätsbekämpfung bilden, ohnehin nicht. Aber dass sich die beiden der jüngsten Herausforderung nicht unbelastet stellen können, hat andere Gründe: Die Kriminalinspektorin aus Bregenz ist kaum teamfähig, doch diesmal befreit sich auch ein nie bewältigtes Kindheitstrauma aus seiner Verdrängung.

Nicht nur der Titel, „Stille Wasser“, auch der Auftakt des Films deutet an, dass die Geschichte (Drehbuch: Timo Berndt) ein Spiel mit Sein und Schein sein wird: Friedlich tuckert ein Fischerboot auf den See hinaus. Die herbstlich schönen Bilder signalisieren eine Welt, die nicht nur morgens um sieben noch in Ordnung ist. Aber als sich der Fischer schwer tut sein Netz an Bord zu holen, ahnt man selbstredend, dass dies wohl nicht an einem besonders guten Fang liegt. Der „Tatort“ aus Konstanz hat sich diesen Kontrast aus Grauen und Idylle zuletzt viel zu selten zunutze gemacht.

Neben den schönen Bildern zeichnet sich „Stille Wasser“ vor allem durch die vorzügliche Führung der Schauspieler aus. Gerade Nora von Waldstätten darf diesmal die Maskenhaftigkeit ihrer Figur aufbrechen: Polizistin Zeiler verbirgt ihre Seele hinter starren Gesichtszügen und lässt niemanden an sich ran, aber hin und wieder bekommt die Maske Risse. Raffiniert sorgt das Drehbuch dafür, dass ihre Privatsache plötzlich Teil des Falls wird, weil sie durch den Anblick der Wasserleiche aus der Bahn geworfen wird. Selbstredend sorgt Regisseur Andreas Linke dafür, dass neben Matthias Koeberlin und Nora von Waldstätten der Bodensee als dritter Hauptdarsteller zur Geltung kommt; Kameramann Jo Molitoris hat für einige prachtvolle Nebelbilder gesorgt. Abgerundet wird die gute künstlerische Gesamtleistung durch eine interessante elektronische Musik.

Termin: Die Folge „Stille Wasser“ aus der Krimireihe „Die Toten vom Bodensee“ ist am heutigen Montag um 20.15 Uhr in ZDF zu sehen