Oft ist von den Städten in der Bodenseeregion die Rede, in denen viele Menschen leben: Konstanz, Singen oder Friedrichshafen. Doch welche Fragen sind für kleine Gemeinden drängend, was bewegt Bürger und Funktionsträger auf dem Dorf? Und wie können die kleinen Kommunen sich über ihre Probleme und Erfordernisse austauschen und voneinander lernen?

Der Verein für integrierte ländliche Entwicklung Bodensee (ILE) hat daraus mit zwei Kooperationspartnern aus der Ostschweiz und Vorarlberg ein grenzüberschreitendes Projekt gemacht, das auch aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (Interreg) gefördert wird. Vier Veranstaltungen in drei Ländern am internationalen Bodensee sind vorgesehen.

Wo die Nachbarländer die Nase vorn haben

"Die kleinen Gemeinden stehen im Fokus", sagt ILE-Geschäftsführer Michael Baldenhofer. Er betont die Idee des grenzüberschreitenden Austauschs, bei dem gute Beispiele im Mittelpunkt stehen sollen. Und der Tengener Bürgermeister Marian Schreier, stellvertretender Vorsitzender des Vereins für integrierte ländliche Entwicklung Bodensee, umschreibt den Nutzen des Projekts für die Gemeinden so: Man biete eine "Plattform, um lernen zu können."

Lernen von den Nachbarn eben, auch jenseits der Grenze. Beim Thema Bauen und nachhaltige Entwicklung zum Beispiel sieht Schreier die Vorarlberger vorne, bei der Digitalisierung die Schweizer.

Gemeinden benennen ihre wichtigsten Themen

Um herauszufiltern, welche Themen kleinen Kommunen oder noch kleineren Ortsteilen auf den Nägeln brennen, haben die Projektinitiatoren eine Umfrage gemacht. Von rund 330 angeschriebenen Kommunen (die großen Städte wurden nicht einbezogen) in vier deutschen Landkreisen am Bodensee, in den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Appenzell-Ausserrhoden und in Vorarlberg gaben immerhin ein Drittel bereitwillig Antwort.

Und welche Themen sind aus Sicht der Gemeinden die wichtigsten? Auf höchstes Interesse stößt die Frage des verdichteten Bauens im Dorf und wie die Siedlungsgrenzen gehalten werden können. Für 80 Prozent der Gemeinden steht hier die Zukunftsgestaltung ganz oben in der Skala des Interesses. Auf Platz zwei in der Umfrage rangiert das Wohnen im Alter im Dorf (77 Prozent). Und auf dem dritten Platz findet sich das Zukunftsthema Dorf und Digitalisierung (62 Prozent).

Marian Schreier: "Integration läuft in kleineren Gemeinden sehr gut"

Als weitere relevante Herausforderungen haben die Gemeinden Themen wie Nahversorgung, soziale Infrastruktur, Mobilität und öffentlichen Nahverkehr genannt. Auch der Erhalt der Dorfkneipe als sozialer Treffpunkt scheint wichtig.

Die soziale Integration von Zuzüglern, also auch von Flüchtlingen, findet im Umfrageergebnis ein eher mittleres Interesse. Nach Einschätzung des stellvertretenden ILE-Vorsitzenden Marian Schreier ist Integration durchaus ein wichtiges Thema. Er sagt aber auch: "In den kleineren Gemeinden läuft das sehr gut." Hier gebe es keine Brennpunkte, wie es in größeren Städten zum Teil der Fall sei.

Initiatoren bieten vier Gesprächsrunden an

Der Verein für integrierte ländliche Entwicklung Bodensee, der vom Kreis Konstanz und vom Land Baden-Württemberg gefördert wird, richtet gemeinsam mit dem Vorarlberger Verein für dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung sowie dem Ostschweizer Zentrum für Gemeinden an der Fachhochschule St. Gallen vier Veranstaltungen aus.

Die Bodensee-Dorfgespräche wollen Bürgermeistern, Gemeindemitarbeitern und anderen Akteuren des dörflichen Lebens Austausch, Netzwerk und Beratung bieten. Marian Schreier spricht von Informations- und Ideentausch und von Antworten auf die Frage: "Wie lösen andere das Problem?"

Auftakt zum Thema "Wohnen im Alter"

Das erste Dorfgespräch beschäftigt sich mit dem Thema "Wohnen im Alter im Dorf" und findet am Dienstag, 2. Juli, in der Vorarlberger Gemeinde Doren statt. Nach Angaben von Michael Baldenhofer, Mitinitiator der Veranstaltungsreihe auf deutscher Seite, werden drei Gemeinden ihre Praxisbeispiele präsentieren. Dabei geht es nicht nur um Betreuungskonzepte und Wohnformen, sondern auch um Nahversorgung und haushaltsnahe Dienstleistungen.