Die Natur- und Umweltschutzorganisation Bodensee-Stiftung aus Radolfzell feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 setzt sich die Stiftung für mehr Nachhaltigkeit und Naturschutz in der Bodenseeregion und da­rüber hinaus ein. Anders als die großen Umweltschutzverbände BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und Naturschutzbund (Nabu) agiert die Stiftung vornehmlich im Bereich der Fortbildung und Entwicklung. Ziel ist die Sensibilisierung der Wirtschaft für eine umweltgerechte Entwicklung.

Die ursprünglich auf die Bodenseeregion begrenzte Arbeit hat sich längst auf Projekte in ganz Europa und zum Teil darüber hinaus ausgeweitet. Das ergibt sich unter anderem aus der Zusammenarbeit mit international operierenden Partner-Unternehmen und Organisationen. „Die Herausforderungen machen nicht vor den Grenzen Halt“, sagt dazu die Geschäftsführerin der Stiftung, Marion Hammerl.

Auftraggeber hätten gerne Patentrezepte

Die Auftraggeber der Projekte – ob das nun Wirtschaftsunternehmen oder die EU sind – fordern zudem übertragbare Lösungen von der Bodensee-Stiftung ein. Die Abhängigkeit von den Fördertöpfen Europas oder den Aufträgen durch Unternehmen machen die wirtschaftliche Arbeit der Bodensee-Stiftung seit ihrer Gründung vor 25 Jahren zu einem Balance-Akt: „Das ist kein einfaches Brot“, lässt die Geschäftsführerin zum Jubiläum wissen. Die projektgebundenen Einkünfte sind zudem zeitlich begrenzt.

„Die Herausforderungen machen nicht vor den Grenzen Halt.“Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung
„Die Herausforderungen machen nicht vor den Grenzen Halt.“Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung | Bild: Jarausch, Gerald

Angesichts der zunehmenden Probleme beim Klima und dem Artensterben muss man davon ausgehen, dass der Stiftung die Arbeit nicht ausgehen wird. Die 40 Modell-Projekte mit einem Volumen von rund 35 Millionen Euro, die in den zurückliegenden 25 Jahren bewerkstelligt wurden, sind trotz ihres nachhaltigen Ansatzes nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn Wissenschaftler gehen davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren rund eine Million Arten (von geschätzten 8,7 Millionen) vom Globus verschwinden werden. Dieser drohende Wendepunkt der Geschichte lässt auch das Team der Bodensee-Stiftung erschaudern. „Da wird einem selbst manchmal schwindelig“, gibt Marion Hammerl zu.

Für erfolgreiche Arbeit braucht es Partner

Um das eigene Wissen über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen möglichst effektiv nach außen zu tragen, bedient sich die Bodensee-Stiftung möglicher Multiplikatoren. Nicht zuletzt aus diesem Grund arbeitet das Team von 15 Mitarbeitern mit Sitz im Radolfzeller Innovationszentrum (RIZ) unter anderem mit landwirtschaftlichen Schulen, Organisationen und großen Partner-Unternehmen zusammen. Während zum Beispiel die Lebensmittelbranche mittlerweile den eigenen Handlungsbedarf für nachhaltiges Wirtschaften erkannt hat, sei man in anderen Branchen davon noch weit entfernt: „Dort, wo der Bezug nicht direkt vorliegt, hat man sich damit noch nicht genug beschäftigt“, sagt Marion Hammerl.

Auch außerhalb der Vegetationsphase beteiligt sich die Bodensee-Stiftung mit Partnern an der Schaffung von Biotopen, wie hier in Stahringen. Die Beteiligten (von links) Volker Kromrey (Bodensee-Stiftung), Tilo Herbster (Landschaftserhaltungsverband Konstanz), Sindy Bublitz (Sielmann-Stiftung), Wolfgang Keller (Stadt Radolfzell) und Rainer Bretthauer (ehrenamtlicher Umweltschutzbeauftragter). Im Bagger: Christian Streit.
Auch außerhalb der Vegetationsphase beteiligt sich die Bodensee-Stiftung mit Partnern an der Schaffung von Biotopen, wie hier in Stahringen. Die Beteiligten (von links) Volker Kromrey (Bodensee-Stiftung), Tilo Herbster (Landschaftserhaltungsverband Konstanz), Sindy Bublitz (Sielmann-Stiftung), Wolfgang Keller (Stadt Radolfzell) und Rainer Bretthauer (ehrenamtlicher Umweltschutzbeauftragter). Im Bagger: Christian Streit. | Bild: Jarausch, Gerald

Um auch zukünftig möglichst effektiv für Nachhaltigkeit und Naturschutz aktiv zu sein, wird das Team der Bodensee-Stiftung in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht stark anwachsen. „Wir sind uns einig, lieber eine kleine und schlagkräftige Organisation zu sein. Dazu werden wir weiterhin mit vielen Partnern zusammenarbeiten – die andere Kompetenzen mitbringen“, sagt die Geschäftsführerin. Dass die Stiftung längst auf europäischer Ebene bekannt und anerkannt ist, wird auch in Zukunft helfen, die Ergebnisse nach Brüssel zu tragen, wo die politischen Weichen für Europa gestellt werden.